PR-Ethikregeln für den Umgang mit Bloggern

by Eric Kubitz on November 19, 2006

in Webzeugs

Mmmmh. Ich weiß gar nicht, was ich davon halten soll: Der US-Marketingverband WOMMA (dem 300 Unternehmen angehören) hat Ethikregeln für den Umgang mit Bloggern erlassen. Hintergrund ist die Aufregung die durch gesponsorte Blogs entstanden ist. Zum Beispiel hatte sich heraus gestellt, dass das Webtagebuch zweier Blogger von Wal-Mart gesponsort wurde und der Autor eines McDonald-Blogs war eine Kunstfigur und kein Mensch. Ja, und wir hier in Deutschland hatten unseren Sturm im PR-Wasserglas ja mit opel-fahrende Bloggern. (Wobei ich immer noch nicht verstanden habe, was eigentlich das Problem war – denn die haben das doch offen gelegt. Was soll denn daran schlecht sein?)

ethik regelen für Blogger

Wie auch immer: Beim Erstellen der Regeln saß Graf Zahl mit am Tisch – und so sind 10 Grundsätze für den ethischen Kontakt mit Bloggern heraus gekommen. Hier meine Übersetzung:

  1. Ich werde immer ehrlich sein und nicht wissentlich falsche Informationen weiter geben. Ich werde auch niemanden darum bitten, einen Blogger für mich zu täuschen.
  2. Ich lege – schon beim ersten Kontakt mit Bloggern – immer offen, wer ich bin und für wen ich arbeite.
  3. Ich werde niemals etwas tun, was die Regeln der Blogger überschreitet. Ich respektiere alle Richtlinien die Nachrichten und Kommentar betreffen.
  4. Ich werde Blogger niemals bitten, für mich zu lügen.
  5. Ich werde besondere Vorsicht walten lassen, wenn ich mit Kindern kommuniziere oder in Blogs schreibe, die von Kindern gelesen werden.
  6. Ich werde Werbung und Affiliates Programme nicht so beeinflussen, dass es sich auf das Einkommen von Bloggern auswirkt.
  7. Ich werde keine automatischen System zum Posten oder Veröffentlichen von Informationen verwenden.
  8. Ich verstehe, dass das Bezahlen von Bloggern als ein Interessenskonflikt gesehen werden kann und werde deshalb jegliche Bezahlung von Bloggern offen legen.
  9. Ich verstehe, dass das Blogger nicht gezwungen sind, über Produkte zu schreiben, die ich ihnen schicke.
  10. Wenn Blogger über Produkte schreiben, die ich ihnen gesendet habe, werde ich sie darum bitten, die Herkunft des Produktes offen zu legen.

Ich meine: Das ist ja schon alles richtig. Aber ist das nicht zu dick aufgetragen? Ist es denn realistisch, dass ein Ethik-Grundsatz für die kleine Zahl der Blogger das komplette Verhalten von Unternehmen ändert? Marketing-Abteilungen, die nicht mehr lügen? PR-Verantwortliche, die nicht erwarten, dass der Empfänger einer Porsche-Teststellung auch wirklich darüber schreibt? Guerilla-Marketiers, die gleich beim ersten Telefonat sagen “Hallo, ich arbeite für BASF und will dir erklären, wie die Welt funktioniert.”?

Und seit die Zehn Gebote für die Bibel verfasst wurden, hat keiner mehr gelogen. Gell?

Na ja, aber vor allem eines wird in diesem Grundsätzen deutlich: Die US-Industrie hat einen Wahnsinnsrespekt vor der Öffentlichkeit, die Blogger erzeugen können. Das ist interessant.

Foto: Jeunzig71 bei Photocase.

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