Googlenet: …und wenn Google nur eben mal Luft holt?

August 3, 2011

Super Symbolbild

Es könnte ja auch so sein: Während sich die Netzgemeinde darüber streitet, ob Google+ nun schon die Luft ausgeht, sitzen die Entwickler in Moutain View grinsend vor ihren nächsten Erfindungen und holen nur kräftig Luft für den den nächsten Sturm im Social Media Wasserglas. Zielrichtung: Googlenet!

Was, wenn G+ gar nicht das Ziel hat, gegen Facebook und Twitter anzutreten – sondern alle bisherigen sozialen Netze inklusive der Publisher umzingeln will? Das Potential wäre jedenfalls da. Vielleicht geht es ja gar nicht darum, das nächste Facebook zu bauen, die nächste Schnatterplattform zu werden. Vielleicht ist Google+ nur ein Teil des etwas längerfristigen Plans, das ganze Internet viel umfassender unter Kontrolle zu bringen.

Welche Gedanken könnten Larry Page grad durch den Kopf gehen:

  • Geld verdient Google mit der Suche. Und zwar nicht nur auf der eigenen Suche sondern auch auf fremden Seiten mittels AdSense. Mehr “Inventar” kann nicht schaden. Im Grunde ist es also ärgerlich, dass so viel Werbung mittlerweile auch auf Facebook zu finden ist.
  • Schon lange versteht sich Google selbst als “das Internet”. Schlecht programmierte Seiten machen dem Robot das Leben schwer, lange Wartezeiten kosten ihn viel kostbare Rechenzeit. Die Googler verstehen von Web-Publishing mehr als jeder andere auf der Welt – der technische Stand der Dinge muss sie fürchterlich ärgern.
  • Und, trotz Facebook & Co: Der eigentliche Austausch von relevanten Meinungen findet vermutlich in Foren und den Kommentarfunktionen unter Artikeln statt. Noch werden diese über OpenSource-Software verwaltet – manchmal mehr schlecht als recht. Jedenfalls ist dieser Bereich des “Web 2.0″ ein ein Quell unübertrefflichen Spams, der für Google ziemlich unüberschaubar ist.
  • Jeder ist heute Sender – und kann heute seinen Blog (auch bei Google) betreiben. Jeder? Na ja, bis sich meine Frau an die Installation eines WordPress Blogs heran traut, muss noch einiges passieren. Aber ich denke, sie hätte interessanten Content dort hinein zu liefern…
  • Für das Ranking von Seiten in der Suche – und die ist das Kerngeschäftsmodell von Google – sind derzeit Links ein unverhältnismäßig starkes Signal. Das reicht aber nicht mehr, weil das uns SEOs ja nicht verborgen geblieben ist. Deshalb werden Signale von Facebook und Twitter nunmehr mit ausgewertet für die Beurteilung der Relevanz einer Seite. Doch hier hat Google ärgerlicherweise nur spärliche Daten. Sie wissen etwa nicht, von welcher IP-Adresse die Likes gekommen sind. Und die spam-erfahrenen Techniker müssen extrapolieren, ob ein Like ein guter oder ein schlechter Like ist.

Deshalb, hier meine, äh, wilde Vermutung eines längerfristigen Googlenet-Plans:

  1. Google+ ist jetzt schon eine riesige Hilfe für das Ranking: Selbst wenn nur die “Nerds” – oder sagen wir, die “erfahrenen User” – mit +1 und Postings auf G+ die Webseiten da draußen beurteilen. Das ist immer noch besser, als die Zahlen von Facebook und Twitter zu scrapen. Diese Daten geben eine sehr gute Bewertungsgrundlage für die Rankings.
  2. Google wird zur umfassenden Meinungs- und News-Plattform: Google+ macht es leicht, Diskussionen zu führen – und hat darin auch großen Erfolg. Was, wenn diese Funktionalität mit einem einfachen Snippet auch in Blogs und statt Foren auf anderen Webseiten eingebaut werden könnten? Ich würde sagen, das hätte das Potential für eine Standard-Funktion. Und Google hätte nicht nur bessere Daten (und wieder mehr Inhalte) – sondern könnte wieder besser gegen Spammer und andere schlimme Finger arbeiten.
  3. Google baut eine Publisher-Plattform mit eingebauter Monetarisierung: Ein solches Googlenet könnte auch fein mit den bestehenden AdSense-Accounts verbunden werden. Auf einmal hätten auch die Betreiber von Blogs und Foren ein großes Interesse, möglichst viel Inhalt und User in G+ hinein zu schieben. Jeder Contentproduzent, jeder Social-Media-Star könnte an den Einnahmen an dem Traffic auf seinen Beiträgen beteiligt werden. Selbst für die großen Publisher wäre das eine Chance. Denn sie müssen nicht mehr selbst Foren mit großem technischem Aufwand betreiben – sondern können sich auf das konzentrieren, was sie können: Content, Content, Content. Und die Blogger (ja, auch die Affiliates) bräuchten sich nicht um Technik zu kümmern sondern um ihren Inhalt.

Charmant, oder?

Den Gedanken, den eigenen Blog zugunsten G+ aufzugeben hatte ja nicht nur ich. Und nicht nur ich hatte diesen verworfen, weil mein Blog halt mein Blog ist… Wenn mir G+ aber ein WordPress-Plugin anbietet, das meine Postings automatisch dorthin kopiert und die Kommentarfunktion dort und hier vereinheitlicht, würde ich das sofort installieren. Ich weiß auch, welche Anstrengung viele Publisher mit ihren Foren und Bewertungen betreiben – und trotzdem genervt sind vom Spam. Viele würden gerne ihre eigene Seite technisch schlank halten – und das Diskussionspotential “auslagern”.

Ach ja, noch ein SEO-Thema: Probleme mit Duplikate Content könnten minimiert werden, weil es diese ja eh nur wegen Google gibt. Und in einem Googlenet könnte der Robot dies schnell selbst unter Kontrolle bringen.

Also: Was, wenn wir Google gerade schon wieder unterschätzen?

P.s.: Ich möchte hinzu fügen, dass ich das nicht als Bedrohung sehe, sondern als mögliche, logische Entwicklung. Ob “gut” oder “schlecht” muss dann wohl jeder selbst bewerten.

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

  • Geograf

    Heisse Luft ist eher die vorschnelle Analyse dass G+ schon wieder der Schwung ausgeht. Was ich hier erlebe ist das Gegenteil.Sicher ist dass G+ nicht das vorläufige Ende der weiteren Google-Expansion sein wird. Aber zunächst mal haben die Boys (and Girls) noch einiges zu tun um das Ganze rund zu schleifen. Die Vereinheitlichung im Design aller vorhandenen Tools sagt mir, dass erst mal der bisherige Gemischtwarenladen zu einem “Großen Ganzen” zusammengeführt werden soll – Mit G+ in der Mitte. – Und G+ ist noch nicht fertig, mindestens Themenorientierte geschlossene Räume/Kreise fehlen bisher noch. Und die Integration des Kalenders ist auch ein MussAber bereits jetzt dürfte Google einen direkten Nutzen aus den +1 Votes ziehen um die Suchergebnisse zu verbessern. (IHMO das Primärziel der aktuellen Entwicklung..)Google ist nicht zu unterschätzen – Dafür hat diese Firma in kurzer Zeit schon zu viel auf die Beine gestellt und das Potential ist gewaltig.Deshalb ist es auch Wichtig dass wir uns auch weiterhin kritisch mit dieser Firma auseinandersetzen. Für mich ist es schon heute so, dass ich ins Google gehe, und nicht mehr in’s Internet…

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  • Thomas Taschauer

    Toller Artikel, danke! Teilweise genau meine Meinung…

    Tom

  • Hallo

    toller Artikel

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