Ab Frühjahr 2010 dürfen wir uns über eine neue Google-Funktion in der natürlichen Suche freuen. Künftig werden Tweets und öffentlich zugängliche Facebook-oder MySpace-Meldungen, die sich um den gesuchten Begriff drehen, in der Suchergebnisseite angezeigt. Der Tweet-Ticker hat aber auch seine Schattenseiten.
Wer jetzt schon sehen möchte, wie das Real Time Gezwitscher aussieht, schaut sich Google Trends an und klickt auf Hot Topics. In den nächsten Tagen wird die Funktion in der englischsprachigen Version freigeschaltet werden, und ein paar Monate später kommt die Neuerung zu uns.
Google hat gestern diese neue Funktion in seinem Blog stolz angekündigt. Der Nutzen für die User: Man bekommt Informationen in Echtzeit überliefert. Wer also weiß, dass die Premiere eines Films gelaufen ist, kann sich unmittelbar danach durchlesen, was Kinobesucher von diesem Film halten. Oder man verfolgt allerneueste Entwicklungen im Sport, in der Politik oder im Lifestyle-Bereich. Immer mit dem (vermeintlichen) Vorteil, Informationen zu bekommen, bevor sie die Zeitungen haben. Oder Informationen zu bekommen, die es nicht in die Zeitungen schaffen. Und wie immer kann alles gar nicht schnell genug gehen.
Hier ein Beispiel in Echtzeit über den Suchbegriff “Tiger Woods”: Eine blonde Frau wurde offenbar gerade von dem Haus des Golfers abgeholt und ins Krankenhaus eingeliefert. Wer möchte, kann jetzt permanent am Ticker dran bleiben und warten, bis sich heraus stellt, ob es sich wirklich um seine Ehefrau handelt oder um die Köchin… Wie soll man diese Form von Berichterstattung oder Informationsübermittlung nennen? Voyeurismus via Google? Hier schreibt einer: “Es scheint, Tiger Woods hat jemanden umgebracht”. Huh? Und im Tweet darüber benutzt jemand ein sehr hässliches Schimpfwort, das ich eigentlich nicht lesen möchte. Was für ein Chaos!

Und da sind wir schon bei dem Problem. Google sagt natürlich, dass die Ergebnisse durch einen Filter laufen und in puncto Glaubwürdigkeit und Relevanz überprüft werden. Ich behaupte: Man sollte es besser den Menschen, am besten Journalisten oder Experten überlassen, Fakten auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Wie kann die Suchmaschine Quellen checken? Würde Google allerdings nur Twittermeldungen von News-Seiten anzeigen, wäre ja wiederum das Potential der Social Networks nicht ausgeschöpft. Es geht ja darum, Echtzeit-Informationen zu bekommen, die gerade (noch) keine News sind oder nie eine News werden.
Hier besteht eindeutig die Gefahr, dass Falschmeldungen und Gerüchten Tür und Tor geöffnet wird. Wir haben es ja schon bei dem armen Patrick Swayze miterlebt, der vor seiner Zeit für tot erklärt wurde. Und nur die Medien, die wirklich noch Quellen prüfen vor der Veröffentlichung, sind nicht auf diesen Irrläufer aufgesprungen.
Wer Kommentaren, Gossip und jedem Quark, den Menschen so von sich geben, eine derartige Zugänglichkeit ermöglicht, der muss sich damit auseinandersetzen, dass da auch ganz viel Blödsinn verbreitet wird. Wie unterscheide ich zwischen Mist und echter News, wenn es nicht offensichtlich ist?
Mal ganz abgesehen davon interessieren sich immer mehr Menschen immer weniger für das Gezwitscher und Gequatsche im Netz. Gossip ist ja auch nicht jedermanns Sache, und nicht jeder hat Lust, sich permanent öffentlich zu machen bzw. die Ergüsse anderer zu lesen. Viele vertrauen nach wie vor lieber auf die klassischen glaubwürdigen Medien, wenn sie sich über ein Thema informieren wollen. Nun, man wird sehen, was für Blüten der neue Dienst treibt.
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