Bfriends und BeQueen: Neuzugänge auf dem Friedhof der Kuschelseiten

Juli 31, 2010

Es gab eine Zeit, in der die Verleger die Kraft der Community entdeckten. Das war vor etwa 3-5 Jahren, da reiste etwa Andreas S. Weigend (der damals ehemalige Chief Scientist von Amazon) durch die deutsche Web-Welt und empfahl, auf “OPW” zu setzen. Übersetzt: “Others People Work”. Also man müsse einen geeigneten Rahmen bieten und dann würden die User schon schreiben, schreiben, schreiben. Der Content falle sozusagen vom Baum.

Das leuchtete offenbar vor allem den deutschen Verlegern ein, die ja wissen, wie teuer und schwer eine vernünftige Berichterstattung ist und die die Content-Produktion gerne irgendwie anders organisieren wollten (Kerngeschäft hin oder her). Fortan wurden überall Communities (hört sich besser an als “OPW)” gebastelt, kleine, große, für Architekten, für Fernsehgucker und so weiter.

“Inventar” dank “Others People Work”

Nun, eben dies war auch die Zeit, in der die Werbeindustrie bemerkte, dass man im Internet ja auch Frauen erreichen kann – aber leider zu wenig “Inventar” (also Seiten, auf denen man Werbung schalten kann) dafür da ist. Clever zählte man OPW und fehlendes Inventar zusammen und heraus kamen Kuschelcommunities.

Zum Beispield BeQuen als äußerst engagierte Frauencommunity mit eigener Marke (und mit Blick auf die Größe von GoFeminin…) und Bfriends von Brigitte als Stärkung des ohnehin schon größten Frauenforums neueren Zeitrechnung in Deutschland. Tja, beide kosteeten wirklich viel Geld. Und: Beide machen gerade dicht. Na ja, Bfriends formuliert das anders: “…wir bauen Bfriends um. Profile, Gruppen, Fotos und Blogs sind unter Bfriends nicht mehr zu erreichen.”

Was bleibt ist das weiterhin größte und intentivste Frauenforum Deutschlands, das das Brigitte-Forum schon immer war. Wieso ich das weiß? Ich habe so meine Informantinnen, gell Siggi?

BeQueen geht mit dem “Umbau” ehrlicher um. Die knipsen aus und verweisen auf die freundin-Community auf facebook, die aber gerade auch erst gestartet ist.

Nun ja, die alten Seiten sind wenigstens noch zu erreichen, das ist für Burda schon ein Fortschritt gegenüber dem damals wirklich unerklärlich brutalen Ende von Ivy World, das tatsächlich auch technisch ausgeknipst wurde. Ich hatte damals mal angefragt, ob man zumindeste die Domain kaufen könne – aber nicht einmal eine Antwort bekommen…

Was bleibt?

Jedenfalls, was die Verantwortlichen, die damals die wirtschaftlichen Kurven für Bfriends und BeQueen gemalt haben, nachdenklich stimmen sollte, ist die Reaktion auf das Ende der Communities: Null (0). Der eigens im Brigitte-Forum eröffnete Thread zum Thema hat heute (am Tag danach) eine (1) Antwort. Und die schon seit Wochen auf BeQueen stehende Empfehlung, doch mal auf der facebook-Seite der freundin vorbei zu schauen, hat wohl nur den geringsten Teil der dort vorhandenen 1000 Faninnen gebracht.

Was nun?

Nun, die Idee der Verleger, mit “Others People Work” Geld zu verdienen, hat’s nicht so richtig gebracht. Jedenfalls liegt der Schluss nahe. Ob die derzeitige Strategie mancher Verlage aufgeht, lieber mal bei Google dafür eine Subvention zu verlangen, weil auf sie verlinkt wird, ist m.E. auch nicht zielführend. Ich hoffe ja, dass man sich nun dem zuwendet, was man wirklcih gut kann: die hochwertige Produktion von guten Inhalten und die “Navigationsleistung” durch die komplizierten Tagesereignisse. Das können Redaktionen hervorragend – und alle anderen nicht.

Da fehlt das Geschäftsmodell? Nun, wenn die Verlage in den vergangenen Jahren ebenso viel Energie in das Entwickeln von cleveren Geschäftsmodellen rum um gute Inhalte gesteckt hätten wie in den Aufbau von Communities, das Basteln von Bildergalerien zur IVW-Kurspflege und den Streit mit Google, dann wären wir an dem Punkt garantiert weiter…

Könnte passen:

  1. Neuzugänge: JoinR und Unddu

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

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