“Traditionell halte ich es beim Bloggen so, dass ich rund alle 12-24 Monate was Neues starte,” schreibt Doppel-A-Blogger Robert Basic und legt seinen Blog auf den eBay-Wühltisch. Ist das mal eine coole Aktion! Oder?
Ja, die Aktion ist cool, finde ich persönlich. Wenn Robert Basic den größten Blog Deutschlands vertickert, dann zeigt er, dass er Dinge loslassen kann und lieber aufbaut als betreut. Noch ein Zitat: “Neu bauen, das ist geil! Altbewährtes ist was für “Manager”. Beide muss es geben. Ich will nicht managen.” Klare Aussage, cool.
Und trotzdem: “Cool” ist nicht gleich “fair” und bei aller Lässigkeit stört mich diese Aktion doch auch sehr. Einerseits, weil Robert Basic da recht uncharmant auch die Arbeit und die Zeit vieler anderer zerstört. Denn auf seinem Blog gibt es offenbar 100.000 Kommentareinträge von Menschen, die sich ihm und der Blogosphäre gegenüber in teilweise sehr ausführlichen Statements geäußert haben. Der neue Besitzer wird zwar deren Mail-Adressen nicht erhalten – aber wenn nun ein Porno-Schuppen die Seite zum Linkaufbau kauft ist es wohl zweifelhaft, dass sich auch nur einer findet, der dafür seine Zeit gegeben hätte. Oder? Und dann gibt es noch zwei interne “Spinn-Offs”, für die Robert Basic seinen Blog geöffnet hat und in dem auch andere Autoren Filme und Texte veröffentlichen konnten. Robert dazu: “Und die Beiträge auf Speakers Corner und BBTV? Da ich nicht Eigentümer dieser Beiträge bin (bei BBTV zwar etwas anders gelagert, aber dennoch), werden diese entfernt.”
Mit anderen Worten: Für König Basic wird es Zeit, mal wieder was anderes zu machen, die Karawane zieht weiter und die Arbeit, der Eifer der anderen Mit-Blogger versinkt im digitalen Nichts. Das ist der eine Punkt der mich stört.
Der andere Punkt ist, dass das nun mal so ist und auch nicht anders geht. Wer will Robert Basic daraus wirklich einen Vorwurf machen? Er stellt seinen Namen, seine Arbeit und seine Reputation als Plattform für andere zur Verfügung, ja. Aber hat er dann auch die Verantwortung dafür, das ewig weiter zu führen? Eigentlich nicht.
Was mich also stört, ist die Systemimmanenz dieser Verschwendung von Arbeit und Eifer.
Was, wenn Wikipedia nicht die 6 Millionen Dollar zusammen bekommen hätte? Wäre Google dann als Käufer in Frage gekommen und was wäre dann aus den Milliarden Arbeitsstunden der Wikipedia-Hausmeister geworden? Was, wenn der Spiegel entscheidet, dass ein Forum nicht mehr passt? Delete all?
Ja, Leute, Robert Basic möchte gerne, dass sich was dreht. Und er legt damit – ganz unbewußt – den Finger auf ein tiefgreifendes Problem des Web 2.0. Ich kann nur hoffen, dass dies eine reinigende Diskussion auslöst.
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