Jul
30
Wunder, die die Welt nicht braucht
Von Elisabeth Matejka, gespeichert in Web 2.0
So, jetzt gibt es das hundertste Frauenportal im Netz. Wunderweib.de. Mit allem, was ein Frauenportal angeblich dringend braucht: Mode, Beauty, Promis, Sex, Rezepte. Und ein bisschen Job und Kultur mit Büchern wie „Männer fürs Leben“. Also purer Mainstream und ein Me-Too-Produkt zu allen anderen Frauen-Seiten. Und wo ist hier das Wunder? Ich wundere mich darüber, dass diese Seite einfach gar keine Wunder bietet. Oder doch?
Klar, worum es hier geht. Die begehrte Zielgruppe „Frau“ soll gemolken werden, die Niveas und L‘Oréals dieser Welt sollen ein bisschen von ihrem Anzeigenbudget hergeben. Aber warum – frage ich mich – soll frau auf diese Seite gehen? Was bietet die Seite, was andere nicht haben? Vielleicht die Rubrik „Haushalt“? Oder „Garten“? Der klassische Käsekuchen kann es ja wohl nicht sein. Aber vielleicht die niedlichen Tiergeschichten? Ich bekomme gleich Ausschlag.
Der große Käsekuchen der Frauenportale ist meiner Ansicht nach schon voll und ganz verteilt. Ich würde die Seite Wunderweib.de eher in die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“ einordnen. Aber gut, warten wir es ab. Vielleicht werde ich eines Besseren belehrt.
Ich vertrete die Meinung, dass es für jedes special interest sehr gute Seiten im Netz gibt. Wunderweib versucht, ein Vollsortimenter zu sein mit allem, was das Frauenleben angeblich ausmacht. Auch dieses Bild macht mich nervös. Das Bild der Frau, die Kochen, Haushalt, Kinder, Garten, Basteln und Kultur unter einen Hut bekommt, Mann und Kinder als „Dr. med Ich“ selbst therapiert und dabei noch sensationellen Sex hat. Aber immerhin erfahre ich hier, was ein Grützbeutel ist. Denn alle Krankheitsbilder sind hier vollumfänglich aufgelistet.
Und was ist mit der Google-Optimierung? Viele Inhalte, vor allem die Lexika und ABCs, erscheinen mir geradewegs „made for SEO“. Was wiederum clever ist. Wenn man ein bisschen auf die Keyword-Density geachtet hätte, würde es vielleicht auch funktionieren. Vielleicht wollten die Macher hier schlauer sein als alle anderen und eine Seite auf die Beine stellen, die auf breiter Front Google-Traffic abholt. Vielleicht hätten sie vorher jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Vielleicht könnte die Seite dann zumindest ein Google-Wunder werden.
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