Podcasts: Ergänzung oder Bedrohung für die Radiosender
Die Radiosender machen sich Gedanken über Podcast. Das ist sicher kein Fehler. Denn erstens könnten ihnen Podcasts (oder nennen das doch einfach mal “Audo on Demand”) zu einer echten Konkurrenz erwachsen. Und zweitens sind Radiostationen eh schon so etwas wie eine etwas unflexible aber dafür technisch ziemlich verbreitete Form von Podcasts. Ihr eigentlicher Vorteil liegt in der Aktualität? Nein. Egal wann ich z.B. “Bayern 3″ anschalte, es kommt immer der gleiche Sound und nach jedem Titel telefoniert der Moderator mit einem Zuhörer und verlost etwas. Ich habe oft den Eindruck, die rotieren immer die gleichen Sendungen durch den kompletten Tag. Also irgendwie ist das kein echter Vorteil gegenüber einem Podcast.
Aber, wie gesagt: Die Radiostationen machen sich Gedanken. Manche machen auch schon gute Podcasts, wie etwa das Deutschlandradio. Und die ARD hat halt eine Umfrage gemacht - unter ihren Podcasthörern. 10 156 Besucher der Podcastseiten der ARD wurden befragt. Und die große Überraschung war: “ARD-Studie belegt: Podcasts sind Ergänzung und nicht Konkurrenz fürs Radio”. Wer hätte gedacht, dass die eigenen Podcasthörer die Radiocasts als Ergänzung und nicht als Konkurrenz sehen? Ich nehme man an: Jeder. Weiter in der PM:
Die Hörfunkprogramme, und hier vor allem die Informations- und Kulturangebote der ARD, bieten Orientierung bei der Auswahl eines Podcasts. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Podcast abgerufen wird, ist umso höher, je profilierter das Angebot in dem Radioprogramm ist.Das ist nicht sonderlich überraschend. Aber das zeigt immerhin, dass Podcast- und Radio-Hörer einen ähnlichen Geschmack haben. Zumindest die, die ARD-Casts hören.
Besonders deutlich profitieren die Informations- und Kulturprogramme der ARD von der Möglichkeit, Sendungen oder Einzelbeiträge im Podcast zum Abruf bereitzustellen. Die Abrufer dieser Podcasts sind im Allgemeinen jünger als das entsprechende Radiopublikum.Das wiederspricht der Aussage oben, dass die Verteilung sehr ähnlich ist - ist aber defintiv ein interessantes Signal für die Radiomacher: Um die jüngere Zielgruppe zu bekommen, braucht ihr kein seichtes Formatradio zu senden, sondern dürft auch auf Kultur und Information setzen. Also hört auf mit diesem flachen Gedudel…
Der “typische” Podcast-Nutzer ist männlich (63%), unter 40 Jahre alt (80%) und formal höher gebildet (75%). Die neue Podcast-Studie der ARD zeigt nun, dass die Podcast-Nutzer meist auch Intensiv-Nutzer sind. Rund 80% rufen (und hören) das Angebot regelmäßig ab, ein Viertel sogar täglich. Im Schnitt nutzt jeder “Podcaster” 8,1 verschiedene Angebote. Diese werden zum überwiegenden Teil auch gehört (und nicht nur “gesammelt”).Ich bin gespannt, ob sich das mit den Ergebnissen von Podcaststudie und Podcastumfrage deckt. Mein volles Vertrauen im überlegten Analysieren aller Podcasterprofile hat natürlich Alex Wunschel. Ich hoffe, er nimmt sich auch dieser Umfrage an.
Ich bin jedenfalls nicht durchschnittlich. Denn ich bin zwar männlich aber über 40 und ungebildet. Außerdem habe ich derzeit 31 Podcasts abonniert, die ich überwiegend nicht höre, sondern nach guten Themen scanne und wenn’s Quatsch ist auch gerne weiter zappe.

2 Responses to “Podcasts: Ergänzung oder Bedrohung für die Radiosender”
By eric kubitz on Jan 26, 2007
Tja, so ist das: Diese für Radiostationen scheinbar beruhigende Nachricht wird dann auch gleich gefeiert: http://www.internetworld.de/news-single.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=680&cHash=e3be172bf5.
Schade, von der Internet World Business hätte ich mir mehr Recherchetiefe erhofft.