Performancoptimiertes Netzwertool zur Relevanzsteigerung der Conversion
Ja, die OMD war super und man konnte mit einer Menge kluger und netter Leute sprechen. Aber das Geschäft neben meinen Trampfelpfaden läuft offenbar anders. Ich hatte hin und wieder den Eindruck, dass an manchen Ständen mit Luftschlössern und Sandburgen gehandelt wird. Hier ein - natürlich völlig aus der Luft gegriffener - Geschäftsbericht:

Der Slogan der Agentur ist: “Wir denken nur an IHREN Erfolg” - und damit wird ein “Performancoptimiertes Netzwertool zur Relevanzsteigerung der Conversion” verkauft . Es dient gleichermaßen der Suchmaschinenoptimierung (im SEM und SEO-Bereich) misst dabei aber auch die Metriken der Teilnehmer in Social Medias des Relevant Set bezogen auf die Keywordrelevanz. Und, ja, hüstel - es geht um IHREN Erfolg. Ja, das ist auf den ersten Blick nicht verständlich, denkt sich der Messebesucher. Aber die Internet-Welt ist nun mal kompliziert. Und wer hätte vor drei Jahren denn erklären können, was Affilinet- und Ad-Networks sind oder wozu man Social Media Management verwenden kann? Trotzdem sind dies heute die Wachstumsfaktoren.
Der Messebesucher kommt also an einen der Stände mit all diesen Buzzwords (in dieser oder einer anderen Reihenfolge) und schnappt sich eines der sehr schönen Druckwerbemitteln. Er erhält ein Pfefferminzbonbon aus der lustigen Messebox, dazu gibt es Bionade und er wird um die Visitenkarte gebeten. Der Agenturinhaber ist ein cooler Hund mit Arschlochbart, Nickelbrille und brutal viel Ahnung. Und der zeigt dem Kunden am MacBook oder zumindest am Thinkpad zahllose Grafiken die aber eindeutig zum Handeln zwingen und Screenshots vom Backend seines Tools mit dem der Kunde seinen Erfolg direkt sehen - geradezu steuern - kann. Das überzeugt diesen schließlich und er will den Preis wissen.
“Wir lassen Ihnen gerne ein für Sie erstelltes Angebot zukommen - selbstverständlich mit einem Messebonus”.
Zwei Wochen nach der OMD erhält der Kunde eben dieses Angebot. Sehr ausgefeilt und vielleicht ein wenig übersichtlich. Und überhaupt, er hat eigentlich immer noch nicht ganz verstanden, worum es eigentlich genau geht. Aber das tut nichts zur Sache. Das hat er auf der OMD gelernt: Auch wer nicht weiß wie ein Fernseher genau funktioniert, kann diesen mit der “On”-Taste einschalten. Jeder hat seine eigene Kernkompetenz und man kann ja nicht alles wissen.
Jedenfalls, also, letztendlich drückt der Kunde auf die “On”-Taste und beauftragt die Agentur mit diesem Performanceding inklusive diesem Messtoolzeugs. Dann wird er schon sehen, wie das funktioniert. Die machen schließlich einen kompetenten Eindruck und die wissen schon, was sie da tun…
Die Agentur sagt danke und beginnt mit der Arbeit. Da man sich selber nicht so ganz sicher ist, was ein performancoptimiertes Netzwertool zur Relevanzsteigerung der Conversion genau können muss, füttert man die Daten des Kunden (Adresse, Webseitenadresse, Lieblingskeywords) in ein Programm das man von einem amerikanischen Marketing-Guru gekauft hat. Auch der coole Agenturchef kann nur ganz grob beschreiben, was diese Software eigentlich tut. Aber sie kommt aus Amerika von einem Professor der mal beim MIT war. Und: Sie produziert tolle Grafiken, Zeitreihen und Kurven. Daten eben, anhand derer schnell deutlich wird, dass der Kunde bisher sehr viel Geld verschenkt hat. Er hat Fehler gemacht; aber damit ist es ja nun vorbei.
Zusätzlich zu den Kurven generiert das Tool noch zahllose Listen mit ausführlichen und konkreten Handlungsanweisungen für den Kunde: “Optimieren Sie Ihre Community mit rollenbasierten Nutzungsrechten entlang des Responsepotential der jeweiligen Zielgruppe”, “Adressieren Sie ihren Call-To-Action-Button auf der Landingpage nahe der Rich-Media-Formate”. Wie gesagt: ausführlich und konkret. Da kann man eigentlich gar nichts falsch machen.
Ohne Zeitverzug setzt sich der Key-Account der Agentur mit dem Kunden in Verbindung, erklärt ihm die Relevanz und die Dringlichkeit der Situation und drängt auf einen schnellen Termin - damit das Weihnachtsgeschäft noch gedreht werden kann. Die Ausarbeitung auf Seiten der Agentur würde aber sicher noch zwei bis drei Wochen dauern - dann aber gerne. Und man würde jetzt schon mal die ersten Arbeiten in Rechnung stellen…
Wir wissen nicht, was dann bei der Präsentation der Ergebnisse passierte und mit was die Mitarbeiter der Agentur die Zeit bis dahin totschlagen. Und überhaupt: Natürlich ist das völlig aus der Luft gegriffen. Eine deutsche Angentur, die selber nicht genau weiß, was sie da tut und dafür ein Tool aus Amerika verwendet das letztlich nur eine besonders komplizierte Version des Webmarketing-Bullshitbingos darstellt? Nein, das gibt es sicher nicht. Das war jetzt nur mal so eine Spinnerei…

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