“Others People Work”: Stern Shortlists

stern shortlistsIch muss schon sagen, ich bin verblüfft. Der Stern geht mit seinen Shortlist schon eine sehr unbeholfene “Others People Work”-Strategie.

Die Idee ist zunächst mal prima: Über alles kann man Listen machen (”Filme die ich nicht sehen will, weil jeder drüber redet”, “Bescheuerte Trennungssprüche”) und die User sind aufgerufen, genau das zu tun. Diese Listen werden dann hübsch angezeigt, neben Redaktions-Listen, und können kommentiert und bewertet werden. Fein!

Solche kurzen, schnellen “Express Yourself”-Contents bringen das Web 2.0 zum Leben. Aber in diesem Fall, würde ich sagen, bringen sie den Usern nicht den für eine brodelnde Community notwendigen “Wert”. Da ist die unsichtbare Trennlinie vom charmanten “User Generated Content” zum brachialen “Others People Work” überschritten.

User liefern nur dann gerne ihren Content (”immer wieder”) wenn es dafür zumindest Fame gibt. Das aber ist hier nicht der Fall. Ich will doch zumindest meine Webseite angeben können im Profil. Oder sehen, wie meine Listen bewertet wurden. Oder so. Bei Shortlist: Fehlanzeige.

Der Spaßfaktor bei den Shortlist ist für die Ersteller dieser Listen einfach zu gering. Statt dessen muss ich bei der Angabe eines jeden Listeneintrages immer über den Umweg der “Suche” gehen und auswählen, zu welchem Produkt z.B. der Film “Harry Potter” gehört (Buch, DVD, CD u.s.w.). Und wenn ich nur drei Punkte für meine Liste habe, werde ich ruppig darauf hingewiesen, dass das zu wenige sind.

amazon shortlistUnd warum dieser Umweg über die Produktsuche? Weil es dann für dieses Produkt “Produktinfos” (vermutlich aus der Amazon-API) gibt (mit leider recht standardisierte Herstellerinfos) und diese dann mit der Amazon-Seite und dem Befehl “Produkt kaufen” verlinkt ist. Und wenn ich dann da drauf klicke, wird das Produkt in einen Warenkorb gelegt, von dem ich nichts weiß (und ihn auch nicht finden kann). Das ist jetzt wohl auch noch ein Bug…

Versteht mich nicht falsch: Ich wünsche jedem Webseitenbetreiber, dass er seine Seite refinanzieren kann. Genau das ist auch der Inhalt meiner Beratungsleistung. Deshalb finde ich es gar nicht falsch, dass der Stern sein Web 2.0-Angebot kommerzialisiert. Ich denke nur, dass der Nutz- bzw. Spaßwert für die User zu gering sein wird - und sich diese dann nach ein paar erstellten Listen wieder abwenden und lieber etwas machen, mit dem sie sich besser selbstdarstellen können und wo der E-Commerce nicht ganz so stumpf eingebaut ist. Ich denke, dass sich Web 2.0-Communities vor allem dann entwickeln, wenn die Anwendung vor allem Spaß und/oder Fame bringt - und erst in zweiter Hinsicht eine Kommerzialisierung.

Dann lieber ein ehrliches Angebot wie eDelight - wo der User zumindest die Chance hat, ein wenig daran mit zu verdienen. Oder, was meint ihr?

  1. One Response to ““Others People Work”: Stern Shortlists”

  2. By Olaf Holzhäuser on Aug 14, 2007

    spätestens seit unserem termin heute bin auch ich von eDelight überzeugt - echt ganz pfiffig.
    wobei ich die stern shortlist zumindest als “konsument” ganz nett finde. aber ja, ich denke du hast recht, um selber viel reinzustellen ist der anreiz zu gering…

    schönen feiertag!

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