Mai
12
Facebook oder Die große Ratlosigkeit
Von Elisabeth Matejka, gespeichert in Internet, Web 2.0, Websites
Ich bin ja eigentlich kein großer online-Networker, Foren oder Netzwerke haben mich nie interessiert, aber bei Facebook, da bin ich dabei. Weil ich in der Branche arbeite und das ja dann wohl auch machen muss, irgendwie. Aber: ich bin jedes Mal, wenn ich meine Startseite bei Facebook öffne, ziemlich ratlos.
Was machst du gerade, will das Ding von mir wissen, und ich soll eine Statusmeldung abgeben. Ja, was mache ich eigentlich gerade? Wenn ich bei Facebook reinschaue, ist mir meist ein bisschen langweilig und ich will mal schauen, was meine “Freunde” so fabriziert haben. Aber kann ich da wirklich reinschreiben „Mir ist gerade ziemlich langweilig und deshalb will ich mal gucken, was hier so geboten ist?“
Nein, nun wirklich nicht. Das interessiert ja wirklich keinen.
Meist fange ich dann an zu überlegen, und als erstes kommt mir in den Sinn, wie es mir gerade so geht. „Bin ein bisschen müde, kleines Schläfchen wäre gut.“ Aber kann ich das als dynamische Geschäftsfrau so öffentlich herausposaunen? Dummerweise habe ich nämlich ein paar so genannte Entscheider unter meinen Facebook-Freunden, die sollen natürlich nur das Beste von mir denken. Ich habe mir sogar schon überlegt, ob ich die geschäftlichen Kontakte alle wieder ausladen soll aus meiner Liste. Nicht böse gemeint, aber ich könnte mich entspannen und dann eben ehrliche Dinge schreiben und nicht solche Schwindeleien wie: „Mache gerade Geschäfte in Dubai“, oder „Gestern Marathon in Hamburg mitgelaufen“.
Es ist ja in unserer Branche schwer in Mode, über die Social Medias Eigen-PR zu betreiben. Dann werden Klickzahlen publiziert und die Teilnahme an wichtigen Veranstaltungen verkündet. Zum Beispiel à la Dreiwetter-Taft „Rom, 25 Grad, die Frisur sitzt; München, 14 Grad, super Kontakte auf der Internet World geknüpft“. Einen meiner „Freunde“ musste ich tatsächlich entfernen. Er hatte Twitter mit Facebook synchronisiert und meine Startseite alle halbe Stunde mit Meldungen zugemüllt. Sorry, aber so geht‘s auch nicht. Da lobe ich mir die aktive Mutti in meiner Freundesliste. Ich kenne sie nicht besonders gut und das Baby habe ich noch nie live gesehen. Aber das kleine Mädchen ist mir inzwischen dank vieler entzückender Bilder so vertraut, dass ich es vermutlich wie eine alte Bekannte auf der Straße begrüßen würde. Das arme Kind.
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