Was ist Unified Messaging …äh… Communication?
Heute die Top-Story: “Der Software-Konzern Microsoft setzt künftig verstärkt auf den Unified Communications-Markt. Gemeinsam mit Hardware-Herstellern will man eine Plattform für Telefonanlagen in Unternehmen entwickeln, die eng mit dem Office 2007-Paket zusammenarbeitet. Das teilte Microsoft gestern in San Francisco, Kalifornien, mit.”
Als ich vor 8 Jahren in der Themenkonferenz der damals (und immer noch) führenden Zeitschrift für Telekommunikation mal wieder “Unified Messaging” vorschlug, hat mich der Chefredakteur scheel angeschaut. Irgendwie hatten alle in der Redaktion keine Lust mehr auf diese Geschichten in denen stand, dass wir demnächst über eine einzige Nummer erreichbar sind, dass uns E-Mails, Anrufe und Faxe alle auf dem Computer erreichen und dass das zwar jetzt noch etwas kompliziert ist - aber unausweichlich unsere Zukunft der Kommunikation bedeutet. Das war vor 8 Jahren. Der Chefredakteur hatte Recht mit seiner Skepsis und ich hatte nicht Recht mit meiner Begeisterung für dieses Thema.
Nun gut, ich habe damit gutes Geld verdient. Für mich hat sich das also gelohnt. Aber hat das die Welt weiter gebracht?
Das wird jetzt kein “ich habe das ja schon immer gesagt”-Artikel. Aber ich muss einfach darüber reflektieren, dass Microsoft mal wieder in der Welt dieser - ja, dieser was eigentlich - Technologie, dieses Kommunikationsgedanken, dieser Businessanwendung stochert.
Worum geht es denn? Der Exchange-Server soll nun auch Sprachnachrichten empfangen können. Und Hardwarehersteller sollen TFT-Displays mit integrierter Digicam herstellen. Hallo? Geht es noch? Während man mit jeder X-beliebigen Chatsoftware und einer 15-Euro-Kamera sprechen UND sehen kann (vorausgesetzt man will das), integriert Microsoft in sein Vista eine Hardwareunterstützung für TFT-Displays mit Kamera! Auf, dass auch die Hardware-Industrie etwas verdient. Frechheit.
Und die Unterstützung des Communicator 2007 von Telefonie und Messangers? Das ist doch ein Witz - oder? Schon Windows 98, glaube ich, hatte diese schreckliche TAPI-Schnittstelle (wäre natürlich klasse, wenn das jetzt funzen würde, aber wer würde denn seinen Rechner jetzt noch mit ISDN verbinden???). Und für alle gängigen Messangers wie AIM oder von Yahoo gibt es schon jetzt Outlook-Plugins (bzw. sinnvollere Clients). Niemand braucht das. Echt!
Ich war neulich bei einer befreundeten Agentur. Die stellen gerade ihre komplette Telefonanlage auf IP-Telefonie um - aber verwenden weiterhin Hand-Apparate zum Telefonieren. Warum auch nicht? Und, außerdem, das geht alles ohne TAPI, Communicator & Co.
“Live Meeting” als Projekt-Tool ist vielleicht sogar eine gute Idee - vielleicht nach Netmeeting und Sharepoint eine funktionierende Lösung…
Nun also, eigentlich nichts Neues von Microsoft. Und ich unterstelle auch, dass man da ein wenig heiße Luft produziert - vielleicht, weil Google fleißig Office-Programme webfähig macht. Vielleicht aber auch einfach nur, um endlich mal eine Anwendung für die neue Programmoffensive aus dem Office- und Betriebssystem-Lager vorzustellen, die auch für Businesskunden Sinn macht. Und wo man jetzt einfach mal keine dafür auf die Nase bekommt. Vielleicht. Man weiß es nicht…

One Response to “Was ist Unified Messaging …äh… Communication?”
By Nicolas Kübler on Jun 28, 2006
Voice/Video in einer E-Mail ist jetzt nicht unbedingt etwas Neues für UMS, UMS ist eher dadurch beliebt, da man z.B. durch SMS verständigt wird, wenn etwas passiert oder einen Anruf bekommt. Gerade bei wichtigen Nachrichten kann das eine schöne Sache sein, z.B. man arbeitet im Service und bekommt alle einkommenden Faxe als E-Mail, genauso die SMS, dann hat man nur noch eine Plattform, die man kontrollieren muss. Oder aber man will ein Fax schreiben, dann kann man das über E-Mail an eine Faxnummer senden ohne selbst ein Faxgerät besitzen zu müssen.
Wollte mal was einscannen, habe aber erst keinen Scanner gefunden (mittlerweile weiß ich, wo ich suchen müsste :)) und habe dann per Fax das an mich (bzw. meine E-Mail) gesendet, ging super
Ja und ich denke eben, dass MS jetzt selbst etwas von dem abhaben will, wenn sie ihre Produkte (Exchange Server, etc.) mit so etwas ausstattet.