OpenOffice vs. Microsoft Office

Oder, mit anderen Worten: Ist das kostenlose OpenOffice ein vollständiger Ersatz für die Office-Suite von Microsoft? Erst vor wenigen Tagen bin ich nach mehr als einem Jahr von der Open-Source-Software wieder auf das (eigentlich) nicht ganz billige Microsoft Office (Small Business) umgestiegen. Hier meine Erfahrungen.
Um die Frage, ob OO ein Ersatz für MS-Office ist, vorweg zu beanworten: Ja, ganz klar. Ich habe viele Monate relativ schnell, produktiv und umfassend damit gearbeitet. Und der Grund, warum ich nun wieder mit Word & Co arbeite, hat mit der Textverarbeitung, der Tabellenkalkulation und der Präsentationssoftware eigentlich nichts zu tun. Andererseits muss ich aber auch ganz klar und deutlich sagen: mit dem Microsoft-Paket geht die Arbeit schneller (und schöner) von der Hand.
Die meiner Meinung nach größte Stärke von MS Office und auch der Grund für meinen Umstieg ist die Kompatibilät von Outlook zu externen Organizer-Devices (z.B. meinem Blackbery) und die Verbindung zwischen Mail und Office-Dokumenten. Beides ist nun mal so wie es ist - eine Arbeitsumgebung mit Google Mail und Open Office ist nun mal von der Architektur völlig anders als mit MS Office. Im Folgenden werde ich mich deshalb auf die anderen Funktionen, also Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Zeichenprogramm und Präsentation konzentrieren. Das sind die Programme, die ich täglich benötige und die nicht völlig anders sondern graduell unterschiedlich sind - so, dass ein Vergleich überhaupt möglich ist. Die Datenbankanbindungen von OpenOffice und den in meinem MS-Paket mitgelieferten “Business Contact Manager” lasse ich links liegen, weil ich niemals etwas damit anfangen konnte.
Also, die Textverabeitung:
Ich kann mich noch sehr gut an die Zeiten vor 2 Jahren erinnern, in denen ich Word-Dokumente mit OpenOffice geöffnet habe - und sie waren neu sortiert. Oben der Text und unten die Bilder die zuvor von Text umflossen waren. Völliger Murks. Doch davon ist heute keine Rede mehr. Da Microsoft kein eigenes Interesse daran hat und den Quasi-Standard darstellt, liegt hier ja die Aufgabe bei der Entwickler-Community von OO. Und diese Aufgabe haben sie gut gelöst. Ich habe jetzt ein paar falsche Formatierungen, wenn ich ursprüngliche Writer-Dokumente in Word öffne und z.B. die OO-Inhaltsverzeichnisse werden nicht vernünftig konvertiert. Aber im Großen und Ganzen stimmt das Layout und der Inhalt sowieso.
Da zwischen meinem letzten Word-Kontakt und heute eine Versionnummer liegt, habe ich mich jetzt an eine neue Benutzerführung zu gewöhnen. Genauso, wie ich mich umgewöhnen musste, als ich damals von Word auf OO umgestiegen bin. Und, was soll ich sagen? Ich muss gestehen: Word ist einfach und intuitiv zu bedienen. Die neuen Kontext-Menüs sind richtig klasse und wenn man sich an die Icons im Menü oben gewöhnt hat, will man das nicht mehr anders. Deutlicher Vorteil also bei Microsoft.
Was allerdings sehr ärgerlich ist: Dass das neue Word-Format mit der Endung “.docx” nicht abwärtskompatibel ist und die Software ständig rumjammert, wenn man bei “.doc” bleibt. Da man nicht davon ausgehen kann, dass die meisten Geschäftspartner schon Office 2007 haben, muss man die Dokumente also ständig hin- und her konvertieren.
ABER: Das hatte ich mir eh angewöhnt. In den letzten Monaten verließ jedes Dokument nur als PDF meinen Rechner. Das macht Sinn - denn das ist eine wunderbare Versionskontrolle. Und das war auch die Stärke von OO, denn da war der PDF-Generator schon immer eingebaut. Nun, jetzt kann mit einer Erweiterung auch in Word ein PDF-Generator eingebaut werden. Und somit hat MS aufgeholt.
Was mir ganz besonders gefällt als Berater, der immer mit dem Stift in der Hand Dinge visualisiert sind die SmartArts in Word. Das sind kleine, symbohafte Bildchen, die sich schnell und intuitiv für eine Verdeutlichung von Zusammenhängen und Entwicklungen anbieten. Wirklich klasse!
Weiter mit der Tabellenkalkulation:
Wenn ich mein Geld nicht mit richtiger Arbeit verdienen könnte, wäre ich sicher Buchhalter geworden. Denn Zahlendrehereien machen mir echt Spaß. Ich sage das um klar zu machen, wie sehr ich Excel bzw. den OO Calc liebe. Da ich in Excel sehr viel mit Shortcuts gearbeitet hatte, war mir der Umstieg damals auf Calc recht schwer gefallen.
Und, klar: Die Darstellungsmöglichkeiten von Kuven und Diagrammen sind im Excel deutlich überlegen, dafür gibt es ein paar Formatierungsregeln im Calc, die mir besser als in Ecxel gefallen haben. Doch von den lt. Dokumentation mehr Funktionen als in Excel habe ich in Calc nie etwas gesehen. Vielleicht ist das eher etwas für Mathematik-Professoren.
Was mich übrigens wundert: Auch hier hatte ich keine Übertragungsprobleme zwischen den Welten. Entweder sind meine Berechnungen zu simpel oder ich habe die wirklich bösen Fehler noch gar nicht gemerkt. Jedenfalls sind die Tabellen, die ich mir mit beiden Programmen angeschaut habe, identisch (oder scheinen so ;-)) Und das ist arg beruhigend.
Präsentieren gehört zu meinem Job…
…aber das ist nicht gerade meine Stärke. Da ich mich von meinen Kunden ausdrücklich eher für die Arbeit an Analysen, Konzepten und Projektmanagment bezahlen lasse als für das Herstellen trendiger Präsentationen nutze ich nur die Grundfunktionen, die ein Powerpoint bzw. OO Impress anbieten. Unterschiede konnte ich darin nicht fest stellen - dafür bin ich zu wenig Profi in diesen Programmen.
Wobei ich natürlich klar sehen kann, dass die Möglichkeiten bei Powerpoint viel größer sind. Wenn ich schon allein an die SmartArts denke, die nicht nur in Word sondern auch hier funktionieren. Aber ich habe das halt noch nicht gebraucht.
Was mir im OO aufgefallen war: Ich kann sehr einfach z.B. Tabellen aus Calc in eine Präsentation übernehmen und dort auch weiter rechnen. Das hat mir sehr geholfen. Bei Powerpoint hatte das früher Probleme bereitet. Ich habe es mit der 2007-Variante aber noch nicht ausprobiert - vielleicht geht das jetzt auch.
Zeichnen und veranschaulichen mit Zeichenprogrammen
Meine Unwissenheit gilt im Grunde auch für die beiden Zeichenprogramme OO Draw und Microsoft Publisher. Wobei mir bei dem einen Bild-Dokument, dass ich in den vergangenen Tagen machen musste, die Arbeit mit dem Microsoft-Programm schon deutlich leichter von der Hand ging als mit Draw. Bilder werden automatisch umflossen, alle Elemente sind ein wenig “magnetisch” und auch die Arbeitsgeschwindigkeit scheint mir deutlich schneller zu sein.
Was mir hier beim Publisher sehr postitiv aufgefallen ist, sind die vielen Vorlagen. Es ist einfach eine verdammt große Hilfe, wenn man z.B. für einen Leporello (schreibt man das so?) schon eine Vorlage hat. Ich musste vor einigen Monaten einen von Hand in OO erstellen - und das war wirklich aufwändig.

Fazit
Also, wer halbwegs aufmerksam gelesen hat, wird fest stellen, dass ich heute viel schneller und intuitiver mit MS Office arbeite als noch vor einigen Wochen mit Open Office. Ich kann also nichts anderes sagen, als dass sich für mich der Umstieg gelohnt hat. Der Preis war ja bekanntlich echt heiß und wenn ich das auf meinen Stundensatz hoch rechne, habe ich das Geld schon wieder rein geholt.
Trotzdem, stehe ich zu meiner Aussagen am Anfang: Open Office ist ein vollständiger Ersatz für Microsoft Office. Und da die Konvertierungen größtenteils prima funktionieren, ist auch der professionelle Einsatz von OO in Ordnung. Jedoch kann man mit Microsoft deutlich schneller, einfacherer und hübscher arbeiten. Für irgendwas müssen die gut bezahlten Entwickler bei MS ja da sein ![]()

7 Responses to “OpenOffice vs. Microsoft Office”
By Nicolas Kübler on Sep 11, 2007
Zu der Aussage ” “.docx” nicht abwärtskompatibel ” möchte ich noch etwas hinzufügen. Microsoft bietet einen sogenannten “Microsoft Office Compatibility Pack”, der es erlaubt die neuen Office 2007 Formate auch in Office 2003 und XP zu öffnen. Dann kann auch in einer älteren Version in der Regel problemlos gearbeitet werden.
Link:
http://www.microsoft.com/downloads/details.aspx?familyid=941b3470-3ae9-4aee-8f43-c6bb74cd1466&displaylang=de
Zum Zeichnen bzw. gerade beim Erstellen von (Software-)Architekturzeichnungen empfehle ich eher Visio. Mit Publisher hatte ich noch nie gearbeitet. Visio ist sowieso Universalgenie wenn es um (technische) Zeichnungen geht
By eric kubitz on Sep 12, 2007
Danke Nicolas! Was würde ich ohne meine Leser machen
Zu Visio muss ich allerdings sagen, dass das tatsächlich arg overpacked ist. Vielleicht hat sich das ja geändert, aber etwa 2005 habe ich mich arg lange damit herum geschlagen und versucht, damit zu arbeiten. Hat mir nie eingeleuchtet (dabei kann ich schon mit großen Programmen wie QuarkXpress, InDesign, Photoshop u.s.w. recht gut umgehen…)
Der Publisher ist da für meine Arbeit viel besser weil “kleiner”.
By Bertram Simon on Sep 12, 2007
Ich liebe OO aufgrund seiner einfachen (wenn man sich eingearbeitet hat) und stabilen Handhabung. Ich habe meine Templates mit Makros erstellt und habe sehr schnell Briefe, Faxe, Lastenheft oder was auch immer erstellt.
Allerdings bin ich immer Outlook treu geblieben und ich vermisse auch heute noch die reibungslose Zusammenarbeit mit anderen Programmen. Ob CRM, Projektplannung oder Finanzen. Immer wird Word oder Excel unterstützt, für OO sieht es dagegen mau aus.
Allerdings liegt dies auch an dem Markt - sprich - uns Konsumenten.
By Référencement on Sep 19, 2007
Sehr Gut Artikel !
Ich habe ueber StarOffice im Google Pack Geschrieben !
By Bertram Simon on Sep 19, 2007
Nur so am Rande:
IBM hat seine Symphony Office Suite freigegeben:
http://symphony.lotus.com/software/lotus/symphony/home.jspa
By Schmitz on Nov 9, 2007
hallo zusammen,
kann mir jemand sagen, ob es schwer ist das
Microsoft Office 2007 Small Business zu installieren?
Info bitte an obige Mail
Dan ke im voraus
Gruß
Marion Schmitz
By eric kubitz on Nov 9, 2007
hallo Schmitz,
die Mailandressen werden hier sinnvollerweise nicht angezeigt.
Aber ich kann dir sagen, das die Installation supereinfach ist. Mit Ausnahme dieses Kundenprojektmanagers. Der ist zwar schnell installiert - aber komplett unübersichtlich. Den habe ich wieder raus geschmissen.
Alles andere ist aber einfach.
eric