Wenn Fluglinen-Sprecher über den Klimaschutz faseln
Ihr wisst ja, dass mir der CO2-Ablasshandel im Flugverkehr Spaß macht. Deshalb muss ich natürlich zwei Meldungen aus der heutigen Tageszeitung kommentieren:
Erstens: Die Lufthansa plant die Einführung sogenannter Klimaschutz-Flugtickets. Damit können die Passagiere freiwillige Zuschläge zahlen, die dann an anderem Ort für die CO2-Reduktion verwendet werden. Möglicherweise (und das finde ich etwas verwirrend) wird das sogar für sämtliche Lufhansa-Flüge angeboten. (Na ja, so schwer kann das ja nicht sein - oder haben die dann Angst, dass bei USA-Flügen zu viele Ökos an Bord sitzen?)
Jedenfalls sind die Kraniche gerade auf der Suche nach einer Organisation, die den Kunden für diesen Ablasshandel empfohlen werden kann. Das finde ich gut - denn da sollte ein Betrieb wie die Lufthansa genau hin schauen.
Noch ein Detail: Ein Sprecher wollte die Berechnung des Spiegels nicht kommentieren, dass dies für einen Rückflug von Frankfurt nach New York 68 Euro kosten würde. Nun, beim Emissionsrechner von Atmosfair würde das 81 Euro kosten. Als sagen wir mal: Ja, die Größenordnung passt.
Zweitens: Jetzt wird es wild. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, die Air Berlin, will auf eine solche Klimaschutz-Abgabe verzichten. Verzichten? Wie kann ein Redakteur so einen Schwachsinn nachplappern? “Verzichten” heißt, ein Opfer zu bringen. Welche Opfer bringt da die Fluggesellschaft? Die fliegen dann immer noch mit subventioniertem Kerosin und dumpen die Preise. Die Abgabe würden die Passagiere zahlen. Wo, verdammt noch mal, ist der Verzicht?
Weiter: “Wir springen nicht auf jeden Zug auf. Es macht nur das Sinn, was wirklich der Umwelt nützt,” faselt der Air-Berlin-Sprecher vor sich hin und alle schreiben mit. Eine Reihe von obskuren Unternehmen, an die die freiwilligen Mehrausgaben von Passagieren überwiesen werden, machten mit dem Ablasshandel Geschäfte, erklärt er der staunenden Menge.
BITTE: Ja, es gibt schwarze Schafe. Aber das sollte ihn nicht davon abhalten, einen ertrauenswürdigen Verein zu suchen. Davon gibt es auch eine Menge.
Außerdem verweister er auf die Position des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), dem sowohl Lufthansa als auch Air Berlin angehören und der sich für einen internationalen Emissionshandel ausspricht. Mit anderen Worten: Das sollen mal andere anfassen.
Übrigens: Die Air Berlin hat zeitgleich einen Rekordgewinn von 51 Millionen Euro für das Jahr 2006 verkündet.
Und: Greenpeace und VCD hauen gleich drauf - auch auf die Lufhansa, weil damit die Kosten auf die Verbraucher abgewälzt würden. Ja, liebe Umweltschützer, dieser Meinung bin auch. Aber ich bin auch der Meinung, dass die Kunden das am Ende ohnehin zahlen müssen. Ich fände es sogar wünschenswert, wenn die Flugtickets in Zukunft teurer würden. Es macht einfach keinen Sinn, wenn ein Flug zwischen München und Berlin nur ein Bruchteil eines Zugtickets der gleichen Strecke kostet. Und so lange Kerosin vom Staat gesponsert wird, ist es doch eine positive Entwicklung, wenn Umweltschutz wenigstens zu einem Werbe-Argument wird und die Verbraucher Verantwortung übernehmen können. Klar, das ist nicht gerade optimal (eine vernünftige Kerosinsteuer wäre besser - ökonomisch wie ökologisch). Aber ein Ablasshandel ist doch schon mal was. Oder was habe ich übersehen?
Links:
Spiegel1,
Spiegel2,
tagesschau.
