Welche Farbe hat eigentlich Strom?

Dank meiner uralten aber fundierten elektrotechnischen Ausbildung habe ich eine vage Vorstellung davon, wie Strom aussieht: nämlich gar nicht. Strom ist ist kein Ding sondern Energie - das Brizeln der Strommasten und das Futter deines Notebooks.
stromanbieter wechseln

Stell dir zwei Eimer mit Wasser vor, von denen einer auf einem Tisch steht und der andere auf dem Boden. Beide sind mit einem Schlauch verbunden, dieser ist durch ein Ventil geschlossen. So, der Höhenunterschied ist für dem Druck verantwortlich, mit dem das Wasser in den unteren Eimer fließt wenn das Ventil gehöffnet wird. Das ist die Voltzahl, elektrisch gedacht. Und je größer der Durchschnitt des Schlauches ist, umso mehr Wasser kann durch fließen. Das ist wiederum vergleichbar mit dem elektrischen Widerstand eines Materials. Multipliziert man beide Werte, hat man die Wassermenge, die in einer Stunde in den unteren Eimer laufen. Klar: Je größer der Druck und je breiter der Schlauch, umso mehr Wasser kommt unten an. Die Maßeinheit in der elektrischen Welt ist hierfür die Kilowattstunde.

So! Und was ist Strom? Das ist - korrekt ausgedrückt - die gerichtete Bewegung der Ladungsträger, die Einheit dafür ist Ampere. Strom ist in unserem nassen Beispiel die Menge des Wassers, dass die Eimer wechselt aber nicht das Wasser selber. Ihr merkt: Wenn uns jemand gelben oder grünen Strom anbietet, sollte man misstrauisch sein. Denn möglicherweise will er uns für blöd verkaufen. Und in jedem Fall will er uns sogar gar keinen Strom verkaufen sondern Energie. Denn wenn ihr auf eure “Stromrechnung” schaut, werdet ihr die Maßeinheit “Ampere” nirgends finden sondern “Kilowattstunde”. Es geht also um den Verkauf von “Leistung” - aber statt “Leistungsanbieter” hat sich nun mal “Stromanbieter” durchgesetzt.
Na ja, ist ja alles gar nicht so wichtig. Interessanter ist eigentlich die Tatsache, dass man ab Anfang nächstem Jahr noch einfacher und schneller den Stromanbieter (repektive den “Leistungsanbieter”) wechseln kann. Dafür gibt es zwei Beweggründe: Der Preis und die Art der Energiegewinnung. Wer wegen des Preises wechselt, der schaut am besten bei Verivox nach. Ich will aber nicht hören, dass hier dann alle zu Billigstrom-Anbietern gewechselt sind, die Atomstrom aus Frankreich importieren. Verstanden?

Der andere Beweggrund ist die gute “Sinnvoll Handeln”-Einstellung. Die Energiegewinnung für gewerblichen und privaten Verbrauch ist neben dem Autofahren der größte Umweltkiller. Aber es gibt mittlerweile viele sanfte Möglichkeiten, Strom zu produzieren. Wen das interessiert, der kann sich zum Beispiel auf der Seite des Grünen Strom Label e.V. informieren, oder bei den einschlägigen Umweltschutzorganisationen wie dem BUND sowie Greenpeace. Und wer es sich ganz einfach machen möchte, geht gleich zu den schwäbischen Stromrebellen in Schönau. Die betreiben dieses Geschäft schon seit vielen Jahren mit viel Charme - und ich kann über deren Strom nur Bestes sagen. Dehshalb empfehle ich sie hier einfach mal.
Übrigens: Der Umstieg ist richtig einfach und komplett risikofrei. Ihr sucht euch einfach einen passenden Anbieter, macht mit diesem einen Vertrag und legt die Hände in den Schoß. Die Übergabe regelt der Neue mit dem bisherigen Anbieter. Die Umstellung spürt ihr eigentlich nur daran, dass die Rechnung einen anderen Absender (und einen anderen Betrag) hat. Und ich verspreche euch: Es wird sich farblich bei euch zuhause nichts, aber auch gar nichts deshalb ändern.

Foto: malli bei photocase.de

  1. 6 Responses to “Welche Farbe hat eigentlich Strom?”

  2. By Nicolas Kübler on Okt 31, 2006

    Stimmt nicht ganz. Dein “Strommesser” misst nicht Leistung sondern Energie deswegen auch kWh.

    Hier ein kleiner Insider. Mittels passender Anordnung von Spulen und Kondensatoren könnte man den mathematischen Zeiger (der sich im komplexen Raum befindet) so drehen, dass er sich fast aufheben würde, da es 2 oder mehrere Pfeile sind. Bei 2 Pfeilen die einen Winkel von 180° im Einheitskreis haben, heben sich diese auf und somit würde der Stromzähler fast gar keinen “Verbrauch” anzeigen.
    Vielleicht fragt man sich jetzt, warum das nicht so passiert. Die entsprechende Kammer bzw. die Stromanbieter direkt haben gewisse Größen verordnet, so dass dieser Winkel nicht all zu groß werden darf, sonst würden sie pleite gehen. Für mehr Infos bitte einen Diplom-Elektrotechniker fragen :)

  3. By eric kubitz on Okt 31, 2006

    mmmmmhhhhh, da muss ich doch als “Staatlich geprüfter elektro-technischer Assistent”, der ich ja bin intervenieren.

    Bei Wikipedia steht Folgendes, und das ist eigentlich auch meine Sicht der Dinge. Und somit wird tatsächlich eben nicht Energie sondern gerade Leistung gemessen. Aber vielleicht ist mein altes Hirn doch irgendwie eingerostet und ich bin jetzt auf dem ganz falschen Dampfer:

    “Watt ist die SI-Einheit der Leistung in der Physik. Sie wurde benannt nach James Watt, dem schottischen Erfinder, der durch signifikante Verbesserungen an der Dampfmaschine weltberühmt wurde.

    Die Leistung gibt die Änderung der Energie W oder E (Arbeit) im Zeitintervall t an. Da Energie nicht vernichtet sondern immer nur umgewandelt wird, gibt die Leistung an, wie viel Energie umgewandelt wird.”

  4. By Nicolas Kübler on Okt 31, 2006

    Nun ja aber Leistung hat doch keine Zeitkomponente und dann würde man immer selben Betrag zahlen. Energie dagegen hat in der Einheit eine Zeitkomponente

    Und der Preisvergleich ist doch bei Stromanbietern auch immer über kWh (Einheit von Energie).

    Ich hoffe ein dritter bringt die Klarheit :)

  5. By eric kubitz on Nov 1, 2006

    Nein, wir brauchen keinen Dritten. Ich verneige mich vor dir und danke dir. Klar, du hast völlig Recht und ich saß tatsächlich auf dem Schlauch. Hoffentlich liest das jetzt keiner, der mir den “Elektrotechnischen Assistenten” wieder wegnehmen darfn ;-)

  6. By Nicolas Kübler on Nov 1, 2006

    Hehe da Hilft jetzt ein Trackback nicht gerade :D

    Grüße vom “Ingenieurassistenten” :)

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  2. Nov 1, 2006: sonnengaertner.com » Welche Farbe hat eigentlich Strom?

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