Über das Ziel hinaus: Lotterie-Staatsvertrag

Derzeit liefern sich Länder, Gerichte, Lottoblock und private Wettanbieter ein medienwirksames Gefecht. Offensichtlich haben Bwin & Co. mit zeitgemäßen Ideen so viel Geld verdient, dass es den Lotto-Feen zu bunt wurde und sie auf ihr Gewinnspielmonopol klopfen. Das hat für die Internet-Branche unangenehme Folgen - weil die privaten Wettanbieter ihre Kunden über reichlich Werbebanner lockten. Und diese Werbegelder fallen nun weg.

Wie auch immer: Jedenfalls haben die Regierungen der Länder (deren Sache das Gewinnspiel ist) einen neuen Lotterie-Staatsvertrag ausgehandelt der das Ziel hat, die Bürger vor der Spielsucht zu schützen. Und nebenbei den staatlichen Lotto- und Totogesellschaften (und damit den gesetzgebenden Ländern) die lukrativen Einnahmen sichert. Wichtiger Bestandteil des neuen, geplanten Lotterigesetzes: Fernsehwerbung und Postwurfsendungen für Lotteriespiele sollen verboten werden.

Nun bin ich weder Spielsüchtig noch ist Bwin mein Kunde. Das Thema ginge an mir also eigentlich vorbei. Wenn da nicht meine neue Blog-Rubrik “Sinnvolles Handeln” wäre. Und sinnvoll handeln auf der Basis von Gewinnspielen tun mindestens zwei Unternehmen - die durch diese Scharmützel in ihrer Existenz bedroht sind: Die Aktion Mensch und die ARD-Fernsehlotterie. Beide tun mit ihren Gewinnspielen Gutes - und beide sagen über sich selber, dass sie ohne Fernsehwerbung und Postkartenaktionen am Ende sind: “Wenn der Entworuf so Gesetz wird, dann wird unser Lebensnerv durchtrennt”, sagt Dieter Gutschick von der Aktion Mensch in der gestrigen SZ.

Aktion Mensch Gesellschafter

Na ja, klar. Es handelt sich in beiden Fällen um FERNSEH-Lotterien und die Postkarten kennt auch jeder. Beide sind auf das Erreichen von wirklich großen Zielgruppen angewiesen. Und beide sind wohl kaum in der Lage großformatige Anzeigen in Illustrierten zu bezahlen - sondern profitieren von der Nähe zu ARD und ZDF wo sie ihre Fernsehwerbung einfach günstiger bekommen.

Schaut auch auf den beiden Webseiten doch mal an, was diese beiden Unternehmen für Aktionen auf die Beine stellen. Ja, ein wenig angestaubt sind sie vielleicht schon. Aber gerade deshalb sind sie ja auf die Couch Potatoes in den höheren Jahrgängen angewiesen und können diese nicht durch eine junge Webzielgruppe kompensieren. Und Suchtgefahr besteht bei beiden nicht. “Ich glaube nicht, dass wir mit dem Lotteriegesetz gemeint sind”, meint Gutschick. “Aber wir sind getroffen.”

Was lernen wir daraus? Manchmal konzentriert sich der gesetzgebende Politiker derart auf seine Ziele, dass er die einen meint und die anderen trifft. Eigentlich ein guter Grund für “weniger Staat”. Oder?

  1. One Response to “Über das Ziel hinaus: Lotterie-Staatsvertrag”

  2. By Nicolas Kübler on Sep 11, 2006

    Nunja ich denke, man kann auch anders Gutes tun, das muss nicht über Spielsucht allgemein finanziert werden. Auch - wie ich letztens erst gelesen habe - kann ich mir kaum vorstellen, dass man mit Werbung für die Lotterie die Spielsucht bekämpfen will.

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