Leitantrag als Wiki

Bei der Einführung von Wikis höre ich von oberster und mittlerer Unternehmensleitung immer den Einwand “Da kann doch jeder schreiben was er will. Was, wenn da nur Mist drin steht?” Mmmmh, denke ich mir dann immer: Wie ist es eigentlich um ein Unternehmen bestellt, in dem die Chefs denken, dass ihre Mitarbeiter nur Mist produzieren?

grüneJedenfalls bin ich mir sicher, dass die Chefs der Grünen Claudia Roth und Reinhard Buetikhofer sowie der Rest des Bundesvorstandes mit Spannung und einem mulmigen Gefühl beobachten, was denn “ihr” Wiki so macht. Denn die Partei derzeit diskutiert den Antrag zur Zukunft der Grünen Umweltpolitik für die Bundesdeligiertenkonferenz per Wiki. Das heißt, jeder darf nicht nur kommentieren sondern ist auch aufgerufen, es gleich mal besser zu machen. Na ja, fast jeder: Denn zum Mitschreiben, muss man nachweisen, dass man Mitglied der Grünen ist. Was absolut sinnvoll ist. Denn es geht ja um die Politik der Grünen und nicht um die Ideen von Leuten, die nicht bei den Grünen sind. Mitlesen darf aber wirklich jeder.
In den letzten Tagen wurde schon fleißig geändert (siehe Versionkontrolle) - dies fort zu führen gibt es die Möglichkeit bis inklusive morgen. Danach wird der Text “von den AntragstellerInnen (Reinhard Loske u.a.) noch einmal durchgesehen und - ggf. gestrafft/stilistisch vereinheitlicht - und um Positionen bereinigt, die nicht die Zustimmung der Antragsteller finden. Diese können dann wie gesagt ggf. als Änderungsantrag auf dem Parteitag eingebracht werden.”

Ooops, was steht da? “Um die Positionen bereinigt, die nicht die Zustimmung der Antragsteller finden?” Will da jemand Zensur? Ja, vielleicht. Aber ich finde es auch o.k., das Loske & Friends sich vorbehalten, die Dinge raus zu nehmen, die sie einfach nicht vertreten können. Immerhin bringen sie nachher den Antrag ein. Und jeder andere kann ja dann seine gelöschten Teile selbst einbringen. Wichtig ist die Diskussion, die Möglichkeit, dass aus dem Leitantrag weniger ein Produkt vieler wird.
Im Übrigen gibt mir die angedrohte Zensur-Maßnahme das unendlich große Vertrauen, dass die Diskussion nach Fertigstellung erst so richtig los geht. Denn Trolle haben die Grünen ja genug. Ich könnte mir vorstellen, dass es eine richtig spannende Netz-Geschichte wird, wenn so ein diskussionsfreudige Gruppe wie die Grünen anfangen, die Wiki-Technik für sich zu nutzen.

Ich werde das weiter beobachten.