Gute Nachricht für Berlin: nur noch sieben Frostnächte pro Jahr

Oktober 19, 2006

Das ist mal eine langfristige Wettervorhersage: Mit dem in dieser Woche vorgestellten Rechenbodell “Wettreg” wagt das Umweltbundesamt eine Prognose für die nächsten 94 Jahre, bis 2100.

Und, eigentlich, ist die Vorhersage gut:

Für Freiburg etwa könnte sich die Zahl der heißen Tage bis 2100 gegenüber dem Vergleichszeitraum 1961-90 fast verdoppeln, die Zahl der Tropennächte beinahe verdreifachen. In Berlin-Dahlem muss man im Jahr 2099 nur noch mit sieben statt mit 21 Frostnächten rechnen. Ach ja, es gibt auch weniger Regen: Es wird geschätzt, dass sich die sommerlichen Niederschläge durchschnittlich um 30 Prozent verringern könnten. Am stärksten wäre dieser Niederschlagsrückgang im Nordosten und Südwesten Deutschlands ausgeprägt. Hurra, die Grillsaison dauert fortan zwei-drei Monate länger.

Vorgestellt wurden diese Prognosen anlässlich des Start eines Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass) im Umweltbundesamt. Und selbstverständlich haben sich die Wissenschaftler dabei ncht über Grillsteaks und kühles Radler unterhalten – sondern darüber, wie sich diese Klimaerwärmung denn auf die Menschen auswirkt. Dass diese Wetteränderungen bei der Bevölkerung zu klimabedingtem Stress führen könnte, ist im Gegensatz zu anderen weniger dramatisch.

hitze

Hier eine kleine Auswahl der möglichen Wirkungen:

  • Gesundheit: durch Hitzewellen, Stürme, Überschwemmungen, Lawinen oder Erdrutsche verursachte Erkrankungen und Verletzungen sowie veränderte Verbreitungsgebiete vektorübertragener Krankheiten.
  • Landwirtschaft: verringerte Ernteerträge, insbesondere in trockenen Gebieten Ost- und Südwest-Deutschlands.
  • Wasserwirtschaft: steigende Gefahr für Hochwasser (Winter/Frühjahr) sowie häufigeres Niedrigwasser (Sommer), sinkende Grundwasserspiegel, insbes. in Ost-Deutschland.
  • Verkehr: Beeinträchtigung des Flugverkehrs wegen sich verändernder Luftströmungsverhältnisse sowie der Binnenschifffahrt durch häufigere Hoch- und Niedrigwasser.
  • Tourismus: Abnahme der Schneesicherheit in Gebirgsregionen sowie zunehmender Hitzestress in südlichen Destinationen, mögliche Verbesserung nördlicher Seestandorte.
  • Finanzwirtschaft: höhere direkte Kosten in Haftungsfällen für Versicherer und Rückversicherer.
  • Energiewirtschaft: Beeinträchtigung der Kühlleistung von Kraftwerken durch Hoch- und Niedrigwasser sowie der Stromnetze durch Eislasten, Starkwind und -regen.
  • Städtebau: Überwärmung und mangelnde Durchlüftung von Innenstädten sowie zu gering bemessene Kanalisationsanlagen.

Dass sich jetzt schon etwas tut, zeigen die Zahlen der Versicherungswirtschaft: Etwa 64 Prozent der größeren Schadensereignisse in Europa und 79 Prozent der von diesen verursachten volkswirtschaftlichen Schäden seit 1980, haben unmittelbaren Bezug zu Klima und Wetter (Stürme, Hochwasser).

Der Physiker Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Postdamer Insituts für Klimafolgenforschung schätzt die Kosten für die Schäden dieser Entwicklung auf fünf bis zehn Prozent des Bruttosozialproduktes – wenn man nichts dagegen tut. Und was kostet es, sich gegen diesen Wettertrend zu stellen? Um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu drücken, müsste weltweit etwa ein halbes Prozent des Bruttosozialproduktes investiert werden. Das ist etwa ein Zehntel der Katastrophenkosten. Eigentlich ein guter Deal.

Mehr Infos dazu:
Der Bericht ist beim UBA zu finden,
das Thema “Klimaschutz” beim Umweltbundesamt und
das Rechenmodell Wettreg wird von der Firma CEC betrieben.
Das Postdamer Klimaforschungs-Institut hört auf den Namen PIK.

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

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