Greenmiles, Atmosfair, myClimate: CO2-Ablasshandel im “Test”

Nun auch noch in der Gründer-Gemeinschaft: Der neue CO2-Ablasshandel von Greemiles wird als spannendes Web-Startup behandelt und be-interviewt. Das ist meiner Meinung nach auch ganz in Ordnung, da das Thema Klimaschutz bei uns ja gerade auch ankommt (Siehe meine Artikel zu Atmosfair und MyClimate).

Das Rennen zwischen mindestens diesen Dreien ist also eröffnet - und als ehemaliger Journalist konnte ich es mir nicht verkneifen, die drei mal kurz zu “testen”. Und zwar war ich vor kurzem per Flugzeug in Hamburg und bin in München losgeflogen. Hier meine Erfahrung mit den Emissionsrechnern und dem Klimaschutz:

greenmilesBei Greenmiles lerne ich schnell, dass die Entfernung 650 Kilometer (einfache Strecke) ist und ich 328 Kilogramm CO2 verursacht habe. Das kann ich mit 8,20 Euro wieder gut machen und kann dies auch gleich via Worldpay mit vielen Karten bezahlen. Welche Klimaschutzprojekte damit gefördert werden, erfahre ich nicht auf der Seite - bekomme aber die TÜV Nord Cert GmbH als Prüfer für die Kyoto-Konformität der Projekte vorgestellt. Sehr gut: Ich kann außerdem meine Routen auch per Auto, Bahn und Bus berechnen un auch den Ablass für meine Auto-Jahreskilometer kaufen.

atmosfair Bei Atmosfair finde ich keine Entfernug, erfahre aber, dass das 340 Kilogramm CO2 produzierte und ich 9 Euro tief in den Geldbeutel greifen muss. Das Geld geht per Lastschrift, Rechnung oder Creditcard rüber. Die geförderten Klimaschutzprojekte werden direkt vorgestellt und per jeweils lokalem Prüfbericht vorgestellt. Prominente Schirmherren sind Klaus Töpfer und einschlägige Wissenschaftler. Außerdem hat die Berliner Verbraucher Inititaive, die auch Öko Fair betreibt, hat den Emissionsrechner auch schon gelobt.

MyClimate kommt ganz schweizerisch daher und verlangt für die Strecke (1203 Kilometer) bei geschätzten 0,301 Tonnen CO2 12 Schweizer Franken - das sind 7,50 Euro. Bezahlt wird per Rechnung, Creditcard oder Post. Das Geld geht an kyoto-konforme Projekte, die geprüft werden. Von wem genau, wird leider nicht auf den ersten Blick klar. Aber ein Geschäftsbericht zeigt die genaue Verwendung der Gelder und auch die Stiftung samt Vorstand - aus viel Umweltschutzunternehmern und (Jung-)Wissenschaftlern. Sehr schön ist, dass man neben den Flügen auch noch andere Transportmittel, den Haushalt und eine frei einzugebende CO2-Menge weg-spenden kann.

Puh - und was fangen wir mit diesen Infos an? Will ich euch jetzt einen empfehlen? Eigentlich will ich euch empfehlen, eure Flugreisen bei irgendeinem dieser drei (wer kennt noch weitere?) wieder “gerade zu biegen”. Denn ich würde sagen, dass alle drei mein Vertrauen haben - mal von den Webseiten abgesehen, die alle drei deutlich verbesserungswürdig wären. Aber was soll ich als Web-Berater dazu sonst sagen???

Hier geht es bald weiter: infosect.com

  1. 3 Responses to “Greenmiles, Atmosfair, myClimate: CO2-Ablasshandel im “Test””

  2. By Stefan on Apr 4, 2008

    Ich befasse mich gerade etwas mit dem Thema und habe bisher nur von Greenmiles gelesen. Ich bin mir nicht sicher, ob das so eine tolle Sache ist. Folgende Dinge verwundern mich bei Greenmiles:

    - Warum ist es eine Firma (GmbH) und keine gemeinnütziges Firma (gGmbH)

    - Warum findet man keine Informationen, wieviel der Spenden wirklich in Projekte fließen

    - Seit wann wird auf Spenden Umsatzsteuer erhoben

    - Wodurch finanziert sich Greenmiles

    - Wie werden die Projekte unterstütz

    - Finanziert man mit einer Spende eine Firma, die sich von den eigenen Spenden bereichert

    - Ist es nur eine Methode zur Geldbeschaffung mit der Ausnutzung des schlechten Gewissens - Ablasshandel klingt ziemliche treffend

    Es ist zum Beispiel möglich in Solarfonds zu investieren und man bekommt eine Rendite, sollte Greenmiles solche Projekte machen, was ist mit der Rendite?

    Ich finde keine Informationen, wie viel und wie wirklich Geld ankommt, aus diesem Grund bin ich fast der Meinung - ich bitte um Eure - wenn man Geld an eine Gemeinnützige Organisation (z.B. Robin Wood - ist die einzige die mir einfällt, Ihr kennt sicher noch welche) zu spenden.

  3. By eric kubitz on Apr 4, 2008

    Das ist natürlich auch eine gute Idee: Ich rechne mir aus, wie viel ich zu spenden habe (oder ich spende einfach großzügig) - aber an eine “normale” Umweltschutz-Aktion.
    Finde ich gut.

    Übrigens: Ich werde die Diskussion hier weiter führen http://www.infosect.com/wiki. Da wandern alle möglichen “Öko-Produkte” rein.

    Vielen Dank für deine Anmerkungen

  4. By Michael on Jul 3, 2008

    Ich hoffe, die Umsetzung bei Greenmiles ist nicht ebenso dürftig, wie die Halbwahrheit seines Firmengründers, Strompreise in Deutschland würden durch Windstrom gesenkt.

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