Die Idee ist super: Am Samstag stellte der Fotograf- und Filmer Ralf Schmerberg in Berlin einen gigantischen Tisch auf; für 112 mehr oder minder berühmte Personen wie Wim Wenders, den Physiker Hans Dürr, Bianca Jagger sowie eine ganze Reihe Umweltaktivisten und Wissenschaftler. Diese wurden versammelt um die 100 wichtigsten Fragen der Welt zu beantworten – gleichzeitig. Die Antworten konnten vorher per Internet eingereicht werden, für jede Antwort gab es drei Minuten Zeit und gesprochen wurde in 112 Kameras. So entstand eine gigantische Menge Filmmaterial, das zu sichten kein Menschenleben reicht.
So weit so genial – hier ein Foto von VOR der Veranstaltung.

Jetzt würde mich interessieren, was Bianca Jagger zur Benachteiligung von Frauen und Wim Wenders zur Objektivität der Wissenschaft zu sagen hat. Aber wie erfahre ich das?
Was mich bei dieser Aktion absolut irritiert, ist die Tatsache, dass ich außer drei Bildern bei Spiegel Online kein Foto gesehen habe. Ich habe keine Antwort gehört und ich habe nur recht knappe Berichte darüber gelesen.
Selbst auf der Webseite ist die aktuellste “News”, dass man mit Creative Commons kooperiert (vom 7.9.) und man möge doch “Part of Table of free Voices” sein (vom 6.9.). Und der letzte Blogeintrag heißt “The Table comes full Circle”. Danach gibt es nur noch Funk-Stille.
Jetzt könnte man natürlich vermuten, dass die Veranstalter eine Menge zu tun hatten und vergessen haben, die Welt mit mehr Infos zu versorgen. Ja, das könnte sein. Allerdings ist Ralf Schmerberg ein wirklich guter PR-Mann und ich glaube nicht, dass er so etwas vergisst. Vielleicht hat sich ja heraus gestellt, dass sich niemand dafür interessiert – und deshalb kein Fotograf vor Ort war.
Aber Schmerberg ist ja selber Fotograf, und eben auch ein guter PR-Mann. Ich meine: Was ist da los? Warum hört und sieht man so wenig darüber? Funktioniert das Internet seit Samstag Abend nicht mehr? Hat der Papstbesucht in München alles andere platt gemacht? Ich glaube nein.
Ich befürchte vielmehr, dass die Stimmen gar nicht so frei sind und erst nach der Aufarbeitung “Creative Commons” sein werden. Ich befürchte weiterhin, dass nicht jeder, dahergelaufene Pressefotograf Bilder machen durfte – sondern diese (wie bei Christo-Verhüllungen) erst noch vermarktet werden müssen. Und ich könnte mir vorstellen, dass diese Aktion irgendwie eine Werbemaßnahme in eigener Sache war. Klar, ich würde mich freuen, wenn das nicht stimmt; wenn ich in wenigen Tagen diese Befürchtungen begeistert als übertrieben bezeichen kann. Aber momentan finde ich nichts zur Veranstaltung. Vielleicht könnt ihr mir ja auf die Sprünge helfen.
Immerhin, der Journalist Dirk Jung hat die Fragen in verschiedenen Sprachen als PDF-Dokument zum Download bereit gestellt.
Aktualsierung: Dank N-TV und Nicolas Kübler wissen jetzt immerhin, dass die Veranstalter von einer technischen Panne zu Beginn der Veranstaltung sprachen. Es würde mich tatsächlich freuen, wenn nicht meine düsteren Vermutungen richtig wären – sondern die Technik gezickt hätte. Dann empfehle ich allerdings für das nächste mal ein kompetentes Projektmanagement. Und ich wüsste auch schon, wen ich empfehlen könnte
Stay tuned!
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