Amerika lebt in der Steinzeit des Umweltschutzes? Ja, klar. Zumindest Bush & Co sind eine echte Gefahr für diesen Planeten. Aber, glaut man zum Beispiel der heutigen SZ, es tut sich was im Volke. Während die US-Autoindustrie am Boden liegt, hat sich der Absatz von Hybridwagen im vergangenen Jahr verdoppelt, Wal-Mart hat sein eigenes Kyoto-Protokoll entwickelt (die CO2-Emissonen in 7 Jahren um 20 % senken) und selbst Arnold Schwarzenegger hat für Californien ein Gesetz zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes verabschiedet. Ja, in der Boheme gehört es schon zum guten Ton, ein paar Sonnenkollektoren auf dem Dach zu haben. Und Al Gores Kinofilm “An Inconvienient Truth” (bei uns ab 12. Oktober im Kino) war sogar ein Kassenerfolg
Dank ihrer Begeisterungsfähigkeit könnten uns die Amis glatt den Ruf als Umweltschutznation ablaufen.
Vielleicht liegt es ja an den coolen Ideen, die immer wieder in den USA entstehen. Zum Beispiel den Cooling Man. Um den zu verstehen, muss man aber erst den Burning Man kennen. Das ist ein jährliches Festival, bei am letzten August-Wochende Zehntausende Hipppies, Querköpfe und Teilzeit-Spinner ein schier unglaubliches Festival in der Wüste von Nevada abziehen. Knapp eine Woche lang dreht sich alles um eine zehn Meter große Figur, die am Ende des Spekakels in Flammen aufgeht. Und glaubt nicht, dass das das Spannenste beim “Burning Man” ist…
Hedonistische Party hin, Bacchanale her: Irgendwie lässt sich das nun aber nicht mehr mit dem erstarkten Umweltbewußtsein in Amerika vereinbaren. Zwar wird die Wüste nachher wieder aufgeräumt – aber die An- und Abreise, das Verbrennen von Öl und Holz und die Stromgeneratoren versauen die Umwelt. Und damit die gute Laune denn mit schlechtem Gewissen lässt sich nicht so gut tanzen.
Die Lösung ist verblüffend einfach und heißt Cooling Man: Von einigen Programmierern aus San Franzisco wurde eine Internet-Plattform aufgebaut, auf der jeder “Burner” ausrechnen kann, wie “teuer” sein jährliches Abenteuer in der Wüste sein wird – und sich frei kaufen. Er unterstützt dann entsprechende Umweltschutzprojekte oder pflanzt so viele Bäume, bis sein CO2-Konto wieder im Plus ist. In diesem Jahr flossen die meisten Spengelder in eine Windturbine auf einem Sioux-Reservat. Insgesamt wurden so umgerechnet 200 Tonnen CO2 angespart, während der Burning Man nur 110 Tonnen Kohlendioxid gekostet hat. Eine saubere Bilanz.
Nein, Freunde, lasst uns jetzt nicht darüber diskutieren, ob die Zahlen stimmen, ob die Amis ziemlich naiv mit so etwas umgehen, dass der private Kohlendioxid-Ausstoß im Gegensatz zur Industrie ein Witz ist (und diese ja schon CO2-Handel betreibt) oder ob es historisch denn überhaupt korrekt ist, Ablaßhandel zu betreiben. Nicht denken – machen! Ich finde diese Herangehensweise so sensationell, dass ich ich so etwas für alle “Sinnvoll Handelnden” auch gerne hätte. Natürlich ist mein kleiner Weblog für eine solche Aktion zu klein – aber ich will mal schauen, ob ich für so etwas Unterstützung bekomme. Oder, was meint ihr?

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Dazu sollte man wissen, dass jeder Ami, der sich so ein schönes sauberes Fahrzeug leisten kann, mindestens 3 andere hat, die das 3-fache der europäischen Gegenparts schluckt und diese auch sehr viel lieber auch fährt. Klar mir gefiel auch der Komfort im SUV, aber dass die 30 Liter auf 100km brauchen ist nicht normal und den Ami nervt es dann, wenn er umgerechnet 20 Euro für einen vollen 50 Liter Tank zahlt. Wäre das in Deutschland der Fall, würde man mich an meinen vielen Luftsprüngen erkennen.
Wieso sind die Windturbinen im Sioux Reservat, entweder weil dort das Land so billig ist oder weil die stadtnah sein müssen, aber zu laut sind für die übrigen Amerikaner oder weil irgendwelche rechtlichen Beschränkungen sie dazu zwingen dort zu bauen, ähnlich wie bei Casinos.
Ich bin froh, dass endlich einige Amis zur Vernunft kommen, aber es gibt dort immer noch eine Überzahl an Menschen für die Nachhaltigkeit ein Fremdwort ist.
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