Das ist eine ganz persönliche Betrachtung, aber ich will das los werden. Denn das Banken-Rettungs-Paket in dieser Woche hatte mich sehr geärgert – ich konnte es aber nicht so auf den Punkt bringen, warum. Alex Rühle schreibt mir heute in der Süddeutschen Zeitung (Wochenendbeilage, habe es leider online nicht gefunden) aber aus dem Herzen: “Zur Rettung unserer Konten würden wir zig Milliarden an Steuern bezahlen. Wieso aber retten wir nicht unsere Umwelt?” Eine großartige Betrachtung, die das ausdrückt, was ich denke aber nicht selber sagen kann.

Kern ist die eigentlich kaum zu leugende Tatsache, dass die Finanzkrise im Grunde überhaupt gar nicht so viel Schaden anrichten könnte, wie es die Erderwärmung mit Sicherheit tut. Beides sind unfassbar komplexe Vorgänge. Die Umweltthemen werden seit Jahren erforscht und vor den Folgen gewarnt, das Finanzchaos kam offensichtlich für alle doch recht überraschend, auf jeden Fall unerforscht. Aber für die Banken gibt es in einem beispiellos schnellen Entscheidungsprozess 500 Milliarden Euro – für den Klimaschutz werden nach zähen Verhandlungen 2,6 Milliarden Euro ausgegeben. Stimmen hier die Relationen?
Umweltminister Gabriel, so die SZ, musste zähneknirschend in dieser Woche zugeben, dass sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich doch mehr als zwei Grad erwärmen wird. Dieser Wert gilt als Einstiegsgrenze für ein völliges Klimachaos. Und: In der Arktis schmilzt das Eis viel, viel schneller als vermutet – es droht eine Kettenreaktion. Diese wird dann mehr Schaden anrichten, als alle Lehmanbrothers der Welt auf einmal. MIt anderen Worten: Ist eine solche Kettenreaktion im Gang, ist eine Finanzkrise dann unser geringstes Problem.
Doch wir lassen uns unser Krisenmanagement bei den Finanzen 500 Milliarden kosten, der Klimaschutz erhält 2,6 Milliarden. Und, wer jetzt argumentiert, dass das ja vielleicht gar nicht bewiesen sei, dass das alles so schlimm kommt, den frage ich: Welches der beiden Themen meinst du?
Ich will das hier gar nicht zu Ende diskutieren. Aber noch ganz kurz zu den möglichen Gründen. Alex Rühle versucht in der SZ eine recht psychologische Erklärung der Verdrängung. Ich möchte noch zwei weitere, meiner Ansicht nach relevante Gründe hinzu fügen:
Das eine ist der Zeitfaktor. Wenn meine Hausbank morgen pleite ist, habe ich übermorgen einen finanziellen Schaden. Das ist ziemlich direkt. Wenn aber im Laufe dieses Jahrhunderts ein Klimachaos droht, bin ich vielleicht schon nicht mehr hier. Ergo: Sollen sich doch meine Kinder drum kümmern…
Das andere ist der Personalfaktor bei den Entscheidern: Als die Parlamentarier in dieser Woche zu schnellen Wahl über dieses Rettungspaket schritten, wie viele von ihnen sind direkt in den Aufsichtsräten der Banken oder indirekt durch anderen Gremien mit diesen verbunden? Und wie viele haben finanzielle Verbindungen in die Öko-Branche? Ich denke, das Verhältnis dürfte so in etwa 500 zu 2,6 sein, oder?
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