Atommüll-Drama, Laufzeitverlängerung und beleidigte Bürger

September 11, 2010

Jetzt wird alles gut. Die Informationslage wird von Tag zu Tag besser. Fassen wir  kurz ein paar Fakten zusammen, und notieren ihre bisherhige Laufzeit:

  • Im Atom-Mülleimer “Asse” (etwa 30 Jahre alt) hatte man 1.300 Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen gelagert. Dachte “man” jedenfalls. Es sind aber, oooops, 15.000 solcher Fässer – sagt ein Gutachten des Bundesumweltministeriums.
    (Info-Laufzeit: 1 Tag)
  • Die Atomindustrie (die in den siebziger Jahren diese Fässer eingelagert hat) erhielt kürzlich eine Laufzeit-Verlängerung ihrer Atomkraftwerke von im Schnitt zwölf Jahren.  Damit wurde die Entscheidung der Rot-Grünen-Regierung ein paar Jahre davor über den Atomausstieg geschasst.
    (Info-Laufzeit: etwa 1 Woche)
  • “Die Kosten für den Weiterbetrieb und die Stilllegung von Asse II trägt der Bund”, erklärte das Bundesfinanzministerium am Donnerstag in Berlin in einem mit dem Bundesumweltministerium abgestimmten Text.
    (Info-Laufzeit: 2 Tage)
  • Die Bedingungen an die Betreiber dafür, dass sie die Laufzeit ihrer Kernkraftwerke verlängern dürfen sind, grob gefasst: Sie müssen einen Teil (30 Prozent) des daraus entstandenen Gewinns abgeben, sie müssen auf die Sicherheit ihrer Kraftwerke achten (wenn das aber zu teuer wird, zahl der Staat fleißig mit) und wenn die nächste Regierung wieder den Atomausstieg beschließt, bekommen sie ‘ne Menge Kohle zurück.
    (Info-Laufzeit: < 1 Woche)
  • Der erste Atomreaktor der Welt wurde am 27. Juni 1954  im russischen Obninsk in Betrieb genommen, produzierte 48 Jahre lang Strom und wurde im April 2002 vom Netz genommen.
    (Info-Laufzeit: 48 Jahre)
  • Seit also mindestens 50 Jahren suchen die Wissenschaftler der ganzen Welt nach der Möglichkeit, den hoch radioaktiven Atom-Müll zu verbuddeln. In der finnischen Stadt Olkiluoto scheinen zumindest die Finnen fündig geworden zu sein – man ist sich quasi fast sicher.
    (Info-Laufzeit: welche Info?)
  • Die Amerikaner waren auch schon fündig geworden, allerdings verlängerte ein Gericht die zu garantierende Sicherheits-Zeit für solch ein Lager von 10.000 Jahren auf 1 Million Jahren. Da mussten die Betreiber passen. Das war ganz gut, denn kurz danach kamen Gutachter zu den Schluss, dass das angepeilte Endlager eh nicht wasserdicht sei…
    (Info-Laufzeit: 6 Jahre)
  • Bundesumweltminister Röttgen will nun das Endlagerproblem angehen.
    (Info-Laufzeit: nicht ganz eine Woche)

Viel Grund also, sich zu freuen. Denn ich bin überzeugt, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung hoch intelligent, engagiert und wohlmeinend ist. Den meisten fehlt halt nur die Zeit dafür, das auch auszuleben.

Deshalb freue ich mich, dass die auf dem Tisch liegenden Informationen derart krass, und deutlich sind und für einen klugen Geist eine echte Beleidigung darstellen. Für diesen Ausstieg aus dem Atomausstieg wird die schwarz-gelbe Bundesregierung voll eine auf die zwölf bekommen.

Oder??????

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

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