Aaaarghhhh! Süddeutsche ärgert mich mit Anti-Öko-PR

Oktober 15, 2010

Herrjeh! Heute hat mich meine Lieblingstageszeitung, die Süddeutsche, leider sehr geärgert: “70 Prozent mehr: Ökoenergie treibt Strompreis in die Höhe” war der Aufmacher. Mir ist die Honigsemmel aus dem Gesicht gefallen, als ich mir den Text darunter durchgelesen habe. Das wirkt auf mich wie von der Energiewirtschaft tendenziös platzierter Blödsinn! (Sorry, aber das muss man doch mal sagen dürfen!)

Ich zitiere:

“An diesem Freitag werden Deutschlands Stromnetzbetreiber die exakte Höhe der Umlage für die Förderung erneuerbarer Energien im kommenden Jahr veröffentlichen. Weil immer mehr Ökostrom produziert wird, stieg der Betrag seit Jahren jeweils um ein paar Prozent an. … Für die deutschen Stromverbraucher bedeutet das Milliarden an Zusatzkosten. Gäben die Stromanbieter die Umlage direkt an die Kunden weiter, steige der Strompreis zum Jahreswechsel um 7,5 Prozent, warnte das Verbraucherportal Verivox. Ein privater Musterhaushalt müsste demnach inklusive Mehrwertsteuer pro Jahr 69 Euro mehr bezahlen. Deutschlands größter Stromproduzent RWE kündigte an, eine derart drastische Erhöhung werde zu Preiserhöhungen führen.”

Also ein paar Korrekturen (die dem CvD auch hätten auffallen können):

  • Aus den plakativen “70% mehr” in der Überschrift bleiben im Text noch 7,5 % übrig. Somit ist die Überschrift polemisch und auf BILD-Niveau.
  • “Gäben” heißt nicht, dass dem so ist. Die Stromanbieter werden und können das nicht so einfach machen.
  • Ein privater Musterhaushalt müsste dann 69 Euro mehr pro Jahr bezahlen. Darin wohnen vier Personen. Pro Person sind das also knapp 1,50 Euro pro Monat. Wir retten die Welt also für 1,50 Euro/Monat, eigentlich ein fairer Preis.
  • Wenn der Anteil an Ökostrom jährlich um ein Prozent ansteigt müsste die Überschrift heißen “Erfogsgeschichte Solar: xy % des Stroms kommt sauber aus der Steckdose” oder ähnlich.

Also, bitte:

Erstens finde ich 1,50 Euro pro Monat für eine Energieumlage (mit der Erneuerbare Energien gefördert werden) einfach zu wenig um zu schreiben “”Ökoenergie treibt Strompreis in die Höhe”. Es fehlt also schon der Meldungscharakter dieses Aufmachers.

Zweitens sollten wir uns doch bitte einfach mal daran gewöhnen, dass Ressourcen auf dieser Welt offensichtlich zu billig verkauft werden und deshalb teurer werden müssen (u.a. damit weniger davon verbraucht werden). Wenn es teurer ist, die Sonne anzuzapfen als Öl aus dem Meer zu pumpen und dabei ganze Regionen zu verdrecken, dass ist es halt teurer. ICH jedenfalls habe Kinder!

So, und jetzt erkläre mir mal jemand, wie es zu so einem Artikel kommen konnte.

*kopfschüttel*

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

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