Die sozialen Netze sind schon längst aus dem privaten Leben in die Arbeits-Realität geschwappt. Klar. Für uns in der digitalen Branche sowieso, aber auch Marken und selbst kleine Unternehmen haben zumindest ein Interesse, Menschen digital zu erreichen. Und nicht immer geht es hierbei nur um Selbstdarstellung, Reichweite und Aufmerksamkeit – sondern auch um ganz praktische Arbeit oder besser gesagt: um die Zusammenarbeit in einem Unternehmen oder bei Projekten.

Tja, und ich habe das Gefühl, dass sich Google+ für mich unter anderem deshalb so gut anfühlt, weil ich gut damit arbeiten kann. Deshalb hier mal wieder eine meiner Listen mit Gedanken zum Thema.
Gründe, warum Google+ auch für die berufliche Zusammenarbeit taugt:
- Gut sortierte Kommunikation: Die Kreis-Idee hat den großen Vorteil, dass man seine Arbeits-Realität perfekt abbilden kann. Denn jeder von uns hat “interne” Kreise, mit denen er andere Informationen teilen möchte, als mit Kunden und Partnern. Diese kann ich nun zielgenau adressieren. Und ich habe auch die “Filterhoheit”, was ich gerne lesen möchte (und was nicht).
- Ständige Erreichbarkeit: So wie beruflich genutzte Handies auch in privaten Dingen zu ständiger Erreichbarkeit geführt haben (und sage niemand, das wäre nicht o.k.), so kann ein Profi-Netzwerk auch eine “private” Aufmerksamkeit erzeugen. Der Job wird dann sozusagen zum Einstieg ins private Networking – profitiert aber auch davon. Denn – ob man das nun gut findet oder nicht: Wenn auch privat genetworked wird, erhöht das die berufliche “Erreichbarkeit” am Wochenende und im Urlaub. Eine eine perfide Argumentation natürlich – aber so geht das halt…
- Projektmanagement im sozialen Netz: Mit der Gruppierfunktion via Kreise und den damit verbundenen Funktionen (Fotos, Hangouts und andere werden sicher folgen) lässt sich sogar ein Projektteam probat steuern. Herkömmliche Projekt-Tools haben ja immer das Problem, dass sie als zusätzliche Software für emotionale Hürden sorgen. Ein schnell zusammen geklickter Kreis von Team-Mitarbeitern in G+ kann dies vereinfachen. Das Netzwerk wird dann eh genutzt – ich habe als Projekt-Teilnehmer also ständig einen Kanal zum Team offen.
- Vielfältigkeit von Projekten: Und mit einem stark verbreiteten Dienst mit niedrigen Zugangsvoraussetzungen wie Google+ lässt die heutige Arbeitsrealität abbilden, in der wir ständig in mehreren Projekten beteiligt sind. Kleine, große, aktuelle und alte Projekte in einem Tool – und je nach Kommunikations-Aufkommen erhalten diese unsere Aufmerksamkeit. Außerdem enden Teams sowieso nicht mehr an firmeninternen Grenzen – wie die meisten PM-Tools. Ich selbst musste mich in meinem Arbeitsleben an wirklich viele Projektmanagement- und Ticket-System gewöhnen. Es würde mir sehr viel Zeit sparen, wenn sich das konsolidiert. Basecamp geht in diese Richtung und nutzt geübte Kommunikationskanäle (vor allem E-Mail). G+ könnte noch konsequenter sein…
- Integration: Natürlich ist die Integration von G+ und Googlemail schon mal eine Chance. Allerdings ist hier noch sehr viel von Seiten Google zu tun. Die nicht vorhandene G+ Funktion der Google Apps ist nur der Anfang. Andererseits darf es natürlich keine Voraussetzung sein, dass man seinen Mailverkehr über Google Apps oder Googlemail verwaltet. DAS wäre dann wieder “evil”.
Ein paar unsortierte Wunschfeatures an die Entwickungs-Maschinerie bei Google:
- Sharen von Google Docs via Stautsupdate
- Priorisierung von Kreisen und ein “habe gelesen”-Button bei Postings
- Visuelle Markierung von Posts
- Bookmarkliste auf Circle-Ebene
- Freigeben von Circles (also der Projektmanager stellt einen Kreis zusammen und andere können diesen “abonnieren”)
- Eine erweiterte Charakterisierung von Kreisen. Hier könnten dann Ziele und aktueller Status für alle zusammen gefasst werden (in Verbindung zum “Freigeben von Circles”)
Plus noch etwa 2000 andere Detailwünsche. Aber Internet ist ja, dass man mal damit anfängt. Und ich bin überzeugt davon, dass die Googler dieses Potential von G+ schon entdeckt haben und ein Teil der Entwicklung eh in diese Richtung gehen wird. Man sieht ja an Googlemail, was daraus wird, wenn die Entwickler selber mit einem Tool arbeiten..
ABER! Die Bedenken
Natürlich hat berufliche Kommunikation – je nach Perspektive – ein höhreres Sicherheitsbedürfnis als die Bilder aus dem Urlaub. Und ich kann die noch nicht geschriebenen, berechtigten Kommentare schon vor mir sehen, wie bescheuert es doch sei, alle Firmenkommunikation via Google zu verwalten.
Da ist ja was dran!
Aber machen das nicht jetzt schon viele dank Googlemail, Google Apps und Google Docs? Eben. Und ich würde einem DAX-Unternehmen wie Siemens oder einer Blackhat-SEO auch nicht unbedingt raten, seine komplette Kommunikation via Google zu verwalten. Sowieso nicht. Aber da bleiben immer noch ein Haufen von Unternehmen übrig, die recht frei über ihren gewünschten Sicherheits-Anspruch entscheiden können. Und, um ehrlich zu sein: Wer weiß denn genau, wer alles im Projektmanagement via Basecamp mitliest?
Fazit: mal sehen!
Also, ich denke, ganz pragmatisch, könnte Google+ auch beruflich ein prima Tool werden. Selbstverständlich müssen wir erst abwarten, ob und in welchem Ausmaß die FarmVille-und-Mafia-Wars-Fraktion dort einzieht. Denn möglicherweise wird das Google-Netz am Ende dann doch nur ein neues Facebook. Das wäre doch schade. Und das nicht nur, weil dann kein ernsthaftes Projektmanagement darüber möglich wäre…
Was meint ihr? Sind das völlig verrückte Gedanken von mir?