Es darf nicht immer gleich ein Team sein…

Team oder Gruppe?Sobald ein paar Leute zusammen arbeiten, wollen oder sollen sie gleich ein "Team" sein. Egal ob in der Linienverantowrtung oder bei einem Projekt. Das ist erstens chick und zweitens ganz schön gefährlich. Denn, einerseits, ist eine einfache "Gruppe" für manche Aufgaben besser geeignet. Und, andererseits gehen dadurch die eigentlichen Stärken des Teams völlig verloren. Ich finde, es lohnt sich, diese beiden "Menschenansammlungen" sauber zu definieren. Los geht’s:

Eine Gruppe besteht aus mehreren Menschen, die zum Beispiel Informationen austauschen und - vermutlich - dabei ein gemeinsames Ziel verfolgen. Eine solche Gruppe kann auch auf der Basis der gesammelten Informationen Entscheidungen treffen und/oder mittels der Ergebnisse in ihren eigentlichen Arbeitsbereichen effektiver arbeiten. Manchmal ist es sinnvoll, dass sich ein Gruppenmitglied auf Kosten eines anderen durchsetzt. Ein politischer Untersuchungsausschuss und das wöchentliche Abteilungsleiter-Meeting einer großen Firma sind wohl gute Beispiele für Arbeitsgruppen.

Ein Team tauscht im Gegensatz dazu nicht nur Informationen aus sondern arbeitet und handelt auch miteinander. Hierbei ist das Verhalten der Teammitglieder partnerschaftlich (ja, ohne das geht es nun mal nicht) und es gibt keine Trennung zwischen den Personen, die arbeiten und jenen, die entscheiden. Man kann nur gemeinsam gewinnen oder verlieren - jeder ist für das Ergebnis (mit-)verantwortlich. Dies ist natürlich nur dann möglich, wenn über die Organisation des Teams und die Methoden der Zielerreichung selbst entschieden werden kann. Zum Beispiel die Besatzung eines Segelbootes oder das Festkommitee zur 25-Jahrfeier des Unternehmens sind beispielhafte Teams.

Mit anderen Worten: Ein Team immer auch eine Gruppe - allerdings mit besonderen Eigenschaften. Und diese können der Arbeit entweder dienlich oder nicht sein. (Und darum geht es doch, oder?)

Es lohnt sich, diese Unterscheidung bewußt zu machen:

  1. Ein Team sollte wissen, wann es ein Team ist. Werden zum Beispiel einfach einige Mitarbeiter in einen Raum gesperrt, wird dann vom Chef ein "Primus inter pares" bestimmt und eine Aufgabe gestellt wird daraus niemals ein Team. Denn so ist ein partnerschaftliches Miteinander einfach nicht möglich. Es fehlt die Selbsorganisation und garantiert auch das "Wir-Gefühl". Wird von dieser Gruppe die Leistungsfähigkeit und die Selbstverantwortlichkeit eines Teams verlangt, müssen die Rahmenfaktoren geändert werden. Das geht nicht immer. Aber dann kann ich trotzdem nicht von einem Team reden.

  2. Manchmal ist ein Team kontraproduktiv. Gelingt es schließlich ein Team zu formen, muss man auch mit den Konsequenzen leben. Das "Wir-Gefühl" lässt manchmal alle anderen (die nicht im Team sind) außen vor und die Selbstorganisation führt manchmal zu ungewollten Ergebnissen. Deshalb, merke: Immer dann, wenn es nur um Informationsaustausch geht oder die Mitglieder der Gruppe als Vertreter von anderen Arbeitsbereichen in einer Konkurrenz zueinander stehen, ist ein Team schlicht die falsche Organisationsform. 

Sie sehen: Das ständige Geplapper vom "Team" ist nicht nur nervig sondern gefährlich. Und gerade in der Projektorganisation können Sie schnell über eine falsch delegierte Aufgabe stolpern. 

Deshalb mein Tipp: Überlegen Sie erst, ob eine Aufgabe besser von einem Team oder einer Gruppe gelöst werden kann. Ist es eine Team-Aufgabe, geben Sie den beauftragten Menschen die Möglichkeit, ein Team zu werden. Und machen Sie sich dann darauf gefasst, das optimale Ergebnis zu erhalten. Auch, wenn es ihnen nicht mehr in den Kram passt…