Ein Ruck geht durch die Medien: EMI und iTunes haben DRM-freie Musik angekündigt. Die soll zwar etwas teurer sein als Dateien mit Kopierschutz (wieso eigentlich?) – aber was soll’s. Immerhin sollen die Dateien auch in besserer Qualität kommen – ein interessanter Aspekt. Der erste Schritt ist jedenfalls gemacht. Und ich mache jede Wette, dass die anderen Majors nachziehen werden.

Hier eine kleine Blog-Schau mit Posts, die ich interessant fand:

drm emi musik

  • Bei digital:next gibt es eine Übersicht der Download-Plattformen.
  • Der Spreeblick hat ein Logbuch dieser Mitteilung geschrieben – und sammelt die meisten Kommentare zum Thema.
  • Thomas Pleil vom Textdepot glaubt, dass die anderen Plattenfirmen noch lange nicht so weit wie die EMI sind, sieht aber einen spannenden Impuls auf die gesamte Urheberrechtsdebatte.
  • eayz.net sieht das gar nicht soooo positiv sondern “pseudo“.

Na ja, ich schau mal, ob ich noch mehr sammeln kann. Bei den Apfel-Blogs kenne ich mich nicht aus. Deshalb ist die Liste hier bislang ohne einen solchen. Wer einen Tipp hat: Gerne!

Akualisierung: Ich habe gesehen, dass mein “Related Posts”-Filter den Beitrag mit dem sensationellen Interview von Dieter Gorny als Link zu dieser Geschichte stellt. Sehr schön. Ich schätze, die DRM-Freiheit bei EMI war keine gute News für Dieter…

Foto: pixelschubser bei Photocase.

In einem Interview mit der Welt erklärt Dieter Gorny (POPKOMM-Gründer, Viva-Gründer und nach dem Verkauf seiner Anteile erstmal reich) wie die Musibranche denkt, und wie wichtig es ist, dass wir den Musik-Konzernen weiterhin silberne Drehscheiben abkaufen. Dass Pink Floyd derzeit bei den Plattenfirmen keine Chance hätte, mmmh, “die Phase wird wieder kommen“, sagt Gorny. Bis dahin kämpfen wir besser mal gegen die “Verschleuderung von gesellschaftlichem Eigentum, die unter dem Deckmäntelchen von „cool“, „Jugend“ und „digital“ stattfindet“.

Oder so. Wie sein Standpunkt genau ist, habe ich nicht wirklich verstanden. Aber ein Zitat ist einfach super:

“Wir müssen der Politik klar machen, das von den copyright-driven Industries unsere gesamte Zukunft abhängt, unser Wohlstand unsere Arbeitsplätze. Nicht nur Film-, Fernsehwirtschaft, Musikindustrie sondern alle Wirtschaftszweige sind in der Wurzel betroffen.”

Mensch Herr Gorny, jetzt habe ich das kapiert: Sie möchten eigentlich unser aller Wohlstand und Arbeitsplätze sichern und uns vor dieser Hippie-Nische Internet (Zitat “Das Internet kommt aus der universitären Umsonst-Kultur“) bewahren. Gut, dass das endlich mal einer sagt. Ich kann mit diesem coolen, digitalen und jugendlichen Online-Krams ja auch nix anfangen. Ich schaue mir lieber bleibende kulturelle Medienhighlight wie Viva & Co an.

Lasst uns alle gemeinsam Richtung Westen reiten, die Welt zu retten!

KEs tut sich wirklich etwas in der Musik-Welt da drausßen. Kurz zwei Meldungen zum Wochenende:

Web.de musste den Start seiner Musik-Plattform verschieben – auf kommenden Montag. Vermutlich haben die Techniker somit ein hartes Wochenende vor sich – denn die Verzögerung soll an technischen Problemen liegen. Dann aber will Web.de 1,5 Millionen Musik-Titel in guter Qualität (192 kbit/s) und 2000 Videos am Start haben. Wir werden nachschauen – ich tippe mal auf die Zugangsadresse http://musik.web.de – denn diese zeigt derzeit auf ein geschütztes Verzeichnis, sozusagen “Baustelle! Eintritt verboten”.

dooloadSchon einen Schritt weiter – aber als “Beta” ist Dooload, die neue Musik-Plattform des Berliner Start-Ups DooLoad Media GmbH. Das Team um den Geschäftsführer André Winkler setzt alles ein, was das Web 2.0 gerade so zu bieten hat. Musiker können ihre Titel kostenlos zum Download anbieten, Besucher können hören, Playlisten basteln, Konzertkalender verwalten, eine eigene Homepage anlegen, Fotos hochladen, kommunizieren u.s.w.. Ich hoffe, bald wird auch ein Bewertungs-System hinzu kommen.
Außerdem können jede Menge Musik-Titel gekauft werden – vom Independet- bis zum Majorbereicht. Auch in 192 kbit/s.

Dooload sieht an manchen Stellen noch etwas klotzig aus. Aber mit ein wenig Unterstützung kann daraus ein wichtiges Musik-Portal wachsen.

smudo fantastische vier Zur Abwechslung mal ein Podcast-Tipp: Hört euch das Brand-Sounds-Interview von John Groves mit Smudo von den Fantastischen Vier an! Ja, es ist leider in englisch aber Smudo gibt alles, um in wenigen Minuten die Welt des Music-Business zu erklären. Mit Erfolg. Er erzählt, was passiert, wenn ein unbedarftes Mobilfunk- und Unterhaltungs-Unternehmen wie O2 auf die geballte Abwehrmacht des Good-Old-Music-Economy-Giganten Sony trifft.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Smudo für diese Geschichte von den beteiligten Unternehmen einen Satz heißer Ohren bekommt – aber ich bin davon begeistert, dass er die Verve hat, das zu sagen, was er denkt. Respekt!

Ich sag doch: Da tut sich was. Nun hat auch Nokia einen neuen Dienst rund um das Thema “Musik” vorgestellt. Nein, es geht nicht um eine weitere technische Finesse rund ums Downloaden von MP3. Und, nein, es geht nicht um lautere Klingeltöne oder sonstwas.

Nokia denkt ein bisschen weiter: Die Frage ist doch gar nicht mehr, WOHER ich Musik im Internet bekomme – sondern WELCHE Musik ich eigentlich möchte. Was fehlt, ist die Navigation durch die MP3-Galaxien. Und da setzt Nokia an.

Music Recommenders

Hier die (von mir gekürzte) Pressemitteilung, die alles enthält, was man derzeit wissen darf:

“Insgesamt 40 führende unabhängige Musikläden aus aller Welt arbeiten gemeinsam mit Nokia daran, eine einzigartige Plattform mit individuellen Musikempfehlungen zur Verfügung zu stellen. Dieser Empfehlungsservice bringt neue Musikrichtungen aus aller Welt und aller Genres zusammen…Unabhänge Plattenläden mit internationalem Einfluss wie Fat Beats (New York), Reckless (Chicago), Pure Groove (London), Hard Wax (Berlin) und Mona Records (Tokio) werden eine individuelle Auswahl neuer Musik aus 12 Genres anbieten – von Pop über Rock bis Klassik, Jazz und Elektronic.Â

Als begeisterter Erforscher und Entdecker von Musik aus aller Welt wird David Bowie die Rolle eines „Musik-Paten“ zuteil. Ebenso wird er in einem Kurzfilm von Wim Wenders auftreten, in dem neue Musik und die Kultur von Plattenläden auf der ganzen Welt präsentiert werden.

Die Nutzer können in allen vorgestellten Musiktiteln nach den Empfehlungen eines Experten oder auch nach Genre oder Musikstil suchen, Musikclips anhören, die wöchentlichen Kritiken lesen, Interviews mit Interpreten oder Stadtführer für Musik-Events lesen und sogar Informationen zu den einzelnen Läden und Experten selbst abrufen. Direkt nach dem Registrieren erhalten Abonnenten eine Wiedergabeliste mit 30-Sekunden-Samples, die direkt auf ihren Musikgeschmack zugeschnitten sind.

Der Nokia Music Recommenders-Dienst steht ab November 2006 in der Beta-Version zur Verfügung. Eine umfassende Liste aller teilnehmen Musikläden finden Sie unter www.musicrecommenders.com.”

Ich bin gespannt…

Ihr werdet in den nächsten Tagen und Wochen dieses Motiv (Bild unten) häufig sehen. Und der Spruch “Vybe me” wird sicherlich auch Funk und Fernsehen zu hören sein. Grund: Universal Music und E-Plus wagen eine neue “gemeinsame” Marke mit dem charmanten Namen “Vybe” und einer sinnvollen Kooperation zwischen Mobilfunk und Musik. Passt doch: Die gleiche Zielgruppe, Musik passt mittlerweile auch auf Handys und die Musik-Branche gibt grad eh digital Gas.

vybe.jpg

Die Tarife von Vybe sind in der Tat recht fair: In der 20-Euro-Flatrate sind kostenlose Telefonat zwischen Vybe-Nutzern und 50 Freiminuten in alle anderen Netze. SMS kosten nur 9 Cent. Aber, nun: Tarife ändern sich. Ich nehme hier Wettangebote entgegen; meine Behauptung: Bis Jahresende werden auch Telefonat in die anderen E-Plus-Netze kostenlos.

Viel mehr hat mich interessiert, was Vybe in Sachen Musik zu bieten hat: Es gibt “eine Fülle aktueller und interessanter Services rund um das Thema Musik. Das können topaktuelle Klingeltöne, Hörproben von Neuveröffentlichungen der Künstler oder exklusive Musik- und Starnews imvybemobile WAP-Portal sein”, so die Pressemitteilung. WAP-Portal? Services? Klingeltöne? Was soll das? Unversal will über einen Mobilfunktarif seine Künstler über Hörpoben bewerben? Mal ehrlich: Das ist zu simpel.

Aber es geht weiter: “Im Frühjahr 2007 wird das Mobile-Music-Angebot von vybemobile um eine starke Komponente erweitert. Universal Music Deutschland stellt ab diesem Zeitpunkt ein Portal mit mehreren hunderttausend Titeln für den preisgünstigen und einfachen Fulltrack-Musicdownload bereit”, vermeldet die E-Plus-Presseabteilung.

O.k., liebe Leute. Dann schauen wir auch erst im nächsten Frühjahr wieder vorbei. Das kann ja ganz spannend werden. Stellt sich nur die Frage, warum ihr jetzt schon mit Vybe startet…