Note: Das hier ist kein Blog sondern der digitale Notizblock von Eric Kubitz. Ich schreibe hier über die Dinge, die mich als Internet-Berater, Webcoach und Internet-Besucher beschäftigen und die ich mir für die spätere Arbeit merken möchte. Los geht's:

Microsoft will “Works” online zum Laufen bringen

Der Tanker nimmt langsam Fahrt auf. Wirklich langsam geht es voran. Die Rede ist von Microsofts Kreuzzug gegen Google. Die vorgestern gelaunchte Suche “Microsoft Live Search” ist ja schon ganz schön gut - allerdings liegt MS im Bereich “Search” derart weit hinter Google, dass hier die David-Rolle noch auf Jahre fest steht.

Vielleicht können die Redmonder ja in einem anderen Bereich punkten: im Online-Office-Markt. Der hat ohnehin noch Bonsai-Format - und vielleicht kann man ja auch durch geschickten Zukauf eines Startups Geschwindigkeit aufnehmen. Es gibt genügend, die eine eigene Software entwickeln - in der Hoffnung von einem der großen Player Google, Yahoo oder Microsoft gekauft zu werden. Einer davon ist ThinkFree.

ThinkFree Online-Office

Ob diese Freidenker allerdings bei MS landen ist fraglich. Denn nach einem Bericht des US-Magazins Business-Week ist Steve Ballmer und seinem Chefentwickler Bill Gates eingefallen, dass ja auch das eigene Portfolio etwas zu bieten hat. Der Blick fiel auf “Works” weil “online” ja immer auch kostenlos sein muss und man mit dem Office-Paket richtig Geld verdient. Aber, hey, dieses abgespeckte Office wird ohnehin meist als kostenlose OEM-Version neuen Computern beigelegt - da kann es ja auch online für MSN- oder Live-User sorgen.

worksDeshalb wurde wohl eine größere Zahl von Entwicklern für das Projekt abgestellt, die nun Works “ready for internet” machen müssen. Und auf denen nun gleich erheblicher Druck lastet: “Wir wollen in diesem Bereich gewinnen”, sagt Chris Capossela, Vice President der Business Division Product Management-Sparte bei Microsoft. Vermutlich soll das Paket nach dem “richtigen” Office veröffentlich werden - aber das ist “schon” 2007 und die Microsoft-Entwicklungszyklen sind ja eher lang. Wir werden sehen.

Nun, was meiner Ansicht nach die eigentliche Meldung an dieser Meldung ist: Dass sie erst jetzt kommt. Etwa vor zehn Jahren hat Sun zum ersten Mal von einem Online-Office phantasiert, vor sechs Jahren war das Thema unter dem Stichwort “ASP” in aller Munde und seit mindestens zwölf Monaten ist Google neben einer Reihe von kleineren Unternehmen damit beschäftigt immer wieder kleine Bruchstücke eines Online-Office zu veröffentlichen. Und jetzt sollen wir Microsoft einen Innovations-Award überreichen, weil die ihr Works ver-interneten? Na ja…

Sisyphos wohnt jetzt in der Deutschen Natinonalbibliothek

Überlegt euch in Zukunft gut, was ihr im Internet schreibt. Denn so bald wie möglich wird die Deutsche Nationalbibliothek alle Netzpublikationen auf Dauer archivieren. Wirklich wahr. Die Bibliothekare machen das nicht, weil ihnen langweilig ist - sondern weil seit Ende Juni das neue “Gesetz über die Deutsche Nationalbibiliothek” in Kraft getreten ist und da steht das drin.

Deutsche Nationalbibliothek“Das digitale Kulturerbe wird unsere Sammlung um eine zeitgemäße Publikationsform erweitern”, kommentiert Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, die Gesetzesnovellierung noch voller Hoffnung. Aber auch Sisyphos hat irgendwann die Hoffnung fahren lassen.

Denn das deutsche Internet zu archivieren ist keine besonders witzige Aufgabe. Da stehen zunächst mal konzeptionelle Fragen im Weg: Was ist eigentlich das deutsche Internet? Wo finde ich denn die ganzen deutschen Seiten? Wie oft muss ich das aktualisieren? Doch das ist erst der Anfang. Wie immer im Internet, werden dann auch interessante rechtliche Fragen eine Rolle spielen. Bekomme ich zum Beispiel wegen meiner Tiraden gegen Dropping Knowledge auf kubitz.net eine Abmahung, kann ich heute den Artikel einfach offline stellen. Ist der aber nachher noch für immer und ewig in der Deutschen Nationalbibiliothek zu lesen, wird das alle möglichen Konsequenzen haben. Und es gibt eine Menge Klingeltonanbieter und MP3-Tasch-Kids die in diesem speziellen Fall ähnliche Interessen haben. Und wie sieht der Playboy den Urheberschutz in diesem Fall?

Eine weitere Herausforderung ist natürlich User Generated Content (UGC) im Web 2.0. Weglassen? Archivieren?
bibliothekAuch für Techniker wird das ein riesen Spaß. Vergessen wir mal die anfallenden Speichermengen - dafür gibt es Lösungen. Aber wie wird denn ein Archiv von mehr als 10 Millionen Webseiten verwaltet, die alle paar Minuten aktualisiert werden (können)? Das muss ja nachher auch noch durchsubar werden. Mein Vorschlag wäre: Erst mal die halbe Google-Mannschaft abwerben - und dann weiter arbeiten. Aber das ist wohl eine Frage des Etats.
Und da sind wir schon beim nächsten Punkt: Das Gesetz ist ja nun schon in Kraft - aber es gibt noch kein geld. Na gut, das ist möglicherweise ein echter Vorteil. Denn können zunächst die konzeptionellen Dinge besprochen werden.

Einen lustigen Gedanken möchte ich noch los werden: Laut Gesetz gibt es nun auch eine “Ablieferungspflicht” für digitale Inhalte. Mit anderen Worten: Die Bibilotheks-Kollegen müssen nicht alles selber sammeln, sondern du und ich sind verpflichtet, ihnen unsere Webseiten abzuliefern. Schön, gell? Ich sage dazu einfach mal nichts, und lasse den Gedanken einfach mal wirken…

Pressemitteilung der Deutschen Nationalbibliothek zur Gesetzes-Novellierung.

Wikipedia: Deutsche Nationalbibilothek.

(Bilder: Deutsche Nationalbibliothek, Photocase)

Dropping Knowledge IV: Ein Desaster?

Ich muss einfach noch einmal auf diese Veranstaltung zurück kommen. Zum einen, weil nahezu völlige Funkstille herrscht und es nur ein einziger Blogeintrag nach draußen geschafft hat. Und der ist nicht mal richtig inhaltsreich. Ich habe mich heute mal mit dem Projekt noch ein wenig beschäftigt und bin verzweifelt:

  1. Auf der Webseite können immer noch Fragen eingegeben werden.
  2. Dafür ist es ein Alptraum an die Antworten zu kommen.
  3. Es gibt keine News, keine Infos, keine Pressemitteilung - nichts. Nur einige Fotos von Besuchern auf Flickr und YouTube.
  4. Der Flash-Gigant auf der Startseite tut immer noch nicht. (Jedenfalls an meinen Computern nicht…)
  5. Und es gibt offensichtlich auch keine Presse, die darüber berichtet.

Da werden 112 intelligente Menschen in Berlin um den größten Tisch der Welt gesetzt und stundenlang mit wichtigen Fragen (darüber gibt es keinen Zweifel) bombardiert - und dann das.

Nun, wer aber Zeit und Nerven wie Drahtseile hat, sollte sich trotzdem mal durch die Antworten klicken. Ich habe ja beschrieben, wie man da hin kommt.

wim wenders

Ein echter Spaß ist die Reaktion der armen Promis auf die Frage 99 “Wenn Sie der Welt ein Stück Ihres Wissens geben könnten, was wäre es?”. Meine Empfehlung ist Swami Pragyapad auf dieser Seite und Wim Wenders hier. Beide bekommen von mir in der Einzelwerte die Höchstnote. Swami Pragyapad weil er es arg auf den Punkt bringt mit “be happy”. So ist er selbst nach vielen Wiederholungen nach 1,5 Minuten mit seiner Antwort auf diese Frage durch und kann sich entspannt den wirklich wichtigen Dingen zuwenden. Und bei Wender ist fast körperlich zu spüren, wie er am Ende ist und eigentlich nur noch Unsinn von sich geben kann. Bleibt aber dran, dann seht ihr auch, wie üppig sich die Berliner als Publikum beteiligten.

Ich weiß nicht, Freunde. Irgendwie macht das auf mich alles keinen Sinn. Schade.

Mensch: Mr. Know-it-all Simon Pulsifer

Warum macht der das? Der Kanadier Simon Pulsiver hat keine Freundin, wohnt mit 24 Jahren noch bei seinen Eltern und treibt keinen Sport. Hobbys? Ja, schon: Wikipedia. Der Autor mit dem Pseudonym “SimonP” ist der König der freien Ensyklopädie. Er hat alle Sternchen auf seiner Userseite gesammelt, die man als hart arbeitender Nerd (und mit dieser Bezeichnung ist er einverstanden) haben kann.

WikipediaSeit seinem ersten Wikipedia-Artikel (über den Panama-Kanal) am 10. Dezember 2001 hat er 3000 weitere Eigenbeiträge geschrieben und mehr al 72 000 weitere Artikel erweitert, verbessert, überarbeitet. 72 000 Artikel. WOW. Und das bei hoher Qualität. Wikipedia-Sprecher Wane Seawyc: “Von SimonP stammen nicht nur die meisten Einträge, sondern sie sind auch von höchster Qualität.”

Es scheint, dass in der Wikipedia-Community Streber ein anderes Ansehen haben, als früher in der Schule.

Also: Warum macht Pulsifer das? Warum hat er zeitweise mehr als zehn Stunden am Tag vor dem Rechner gesessen und hat die Artikel anderer Menschen überarbeitet? Warum verzichtet er auf all das, was ein 20jähriger Geschichtsstudent in Kanda sonst so treibt? “Es ist wichtig, dass die Menschen auf der Welt Zugang zu freier, genauer und unbeeinflusster Information haben. Wikipedia versucht, dies anzubieten - und das ist ein ehrenhaftes und herrliches Ziel”, sagt Pulsifer. Natürlich ist Ruhm auch ein Antrieb. Er findet es “faszinieren, dass Millionen sofort lesen können, was ich geschrieben habe.”

Pulsifers Themen sind vor allem Geografie und natürlich Geschichte. Jetzt will er sich verstärkt auf Afrika konzentrieren - um diesen Kontinent zu aktivieren. Denn immer noch sind die meisten Wikipedianer wie er: Anfang 20, weiß, männlich, gut gebildet und westlich.

Aber er hat nur noch zwei Stunden am Tag für Wikipedia. Denn hauptberuflich ist er als Wahlhelfer für einen kanadischen Politiker im Einsatz. Deshalb ist er in der Wikipedia-Statistik derzeit auch nicht die Nummer 1 (Hinweis: die ersten Plätze müssten Robots sein…).

Dabei gäbe es noch so viel zu tun: “Überall wo du hinschaust muss noch mehr geschrieben werden,” ist sein Fazit über den aktuellen Stand der freien Enzyklopädie. Ja, und auch in seinem Privatleben könnte es Verbessungen geben, meint der 24jährige: “Ich möchte eine Freundin haben und nicht mehr bei den Eltern wohnen.” Dafür, Simon, wünsche ich dir alles Gute!

Quellen: SZ, Macleans, Wikipedia

Neues Layout auf kubitz.net

In eigener Sache: Durch meine neue Rubrik “Sinnvolles Handeln” wurde das alte Layout von kubitz.net einfach zu eng und zu düster. Bei blog.txt bin ich fündig geworden und habe ein einfaches elegantes Wordpress-Layout gefunden. Respekt an die Entwickler - denn das Template sieht nicht nur hervorragend aus, es steckt auch voller aktuellem Code. Die Anpassung des HTMLs an mene Bedürfnisse ging überraschend einfach und ich konnte dank des Aufbaus nahezu alle meine Wünsche umsetzen.
Ich hoffe, es gefällt euch auch.

Dropping Facts: Genreis

Es gibt ja allüberall eine Menge zu Reis, Aldi und Genmanipulation zu lesen. Viel Text - mit jeweils ähnlichem Inhalt. Deshalb dachte ich mir, ein paar Wissensbrocken hier übersichtlich abzuwerfen:

reis

Worum geht es?

  • Greepeace hat bei ALDI Reis gefunden, der gentechnisch behandelt wurde. Der verunreinigte Reis heißt “LL 601″, wurde in den 90er Jahren entwickelt und ist nirgends auf der Welt für den kommerziellen Anbau zugelassen.
  • Gefunden wurde er in der Marke “Bon-Ri”.
  • Die Veränderung von LL 601 besteht darin, dass er ein Eiweiß bildet, das die Pflanze unempflndlich gegen das Breitbandherbizid Liberty der Firma Bayer CropScience macht.
  • Andere Genveränderungen bei Reis lassen zum Beispiel Beta-Carotin entstehen, einem Vorläufer des Vitamin A - um den Vitaminmangel in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Meist geht es aber darum, mit Hilfe der Gentechnik die Pflanzen so zu verändern, dass sie auch bei Trockenheiten, Überschwemmungen oder eben bei heftigem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln noch überleben.
  • Untersuchungen des Agrarwissenschaftlers Dr. Charles Benbrook belegen laut Greenpeace, dass der Anbau von herbizid-resistententen (HR) Pflanzen in den USA und Argentinien dazu führt, dass mehr und giftigere Pestizide verwendet werden.

Wie kam dieser Reis in die ALDI-Regale?

  • Das weiß auch der Hersteller nicht so genau. Der Reis wurde aus den USA bezogen und bislang wurden die Lieferungen nur sporadisch untersucht.
  • “Erst seit einer Woche gibt es Tests, die diese Art von manipuliertem Reis identifizieren können”, sagte eine Euryza-Sprecherin. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, dass LL 601 auch bei anderen Herstellern und in anderen Ländern auftaucht.
  • Offensichtlich stammt der Reis aber aus alten Beständen die noch gar nicht kontrolliert wurden.

Schadet mir der Reis?

  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht bislang keine Gesundheitsrisiken für Verbraucher, verweist dazu allerdings auf Einschätzungen von US-Behörden. “Wir können keine eigene Risikoabschätzung angeben, weil die Reissorte nicht zugelassen ist”, sagte ein BfR-Sprecher. Die US-Lebensmittelbehörde FDA habe aufgrund von Vergleichen mit anderen Pflanzen abgeschätzt, dass für LL 601 kein Gesundheitsrisiko erkennbar ist.
  • Greenpeace ist da anderer Meinung: Erbgut-Veränderungen könnten beispielsweise zur Herstellung giftiger oder allergisch wirkender Substanzen im Körper führen. In Laborversuchen mit gentechnisch manipulierten Futtermitteln seien bei Ratten und Mäusen Veränderungen an inneren Organen festgestellt worden.
  • Letztendlich weiß man es nicht - zumal Lanzeitversuche in dieser relativ neuen Materie noch gar nicht möglich waren. Wie genveränderte Nahrung etwa an Babys weiter vererbt wird, kann man wohl erst in ein/zwei Generationen sagen…

Dropping Knowledge III: Es wächst

Ufff - na also. Ich bin (etwas) beruhgt: Die Antworten sind online. Allerdings so schwer zu finden dass selbst die Veranstalter darüber stöhnen. Der eigentliche Weg über die Flash-Animation funktioniert bei mir nicht - und auch die Pressesprecherin fand das etwas umständlich (hierzu mein Lexikon-Eintrag bei turi2). Aber es gibt auch einen textbasierten Weg! Und damit ihr nicht alle in Berlin anrufen müsst um diesen Geheimpfad zu finden, hier die Schritte:

  1. dropping_knowledge2.jpgVon der Startseite auf “join the dialog” klicken.D
  2. Dann im Text auf “TABLE OF FREE VOICES yourself click here”
  3. Hier sind alle Fragen (auf englisch) und es geht weiter über “go to entry“.
  4. Zwischen den vielen “Answer text not yet avialable” gibt es manchmal schon einen. Da dann auf das kleine Dreieck ganz vorne klicken und der englische Text geht auf. Hier gibt es dann immer den 3-Minüter mit der Antwort.

(Uuuups - das sind 4 Klicks von der Startseite. Gerade noch i.O. für den Google-Robot…)

Aber, wow, wahnsinn: Die müssen jetzt ja nun alle Antworten ins Englische übersetzen. Eine Riesen-Aufgabe. Und ich gebe zu, dass das eine Weile dauern wird. Wieso die Benutzerführung allerdings derart verkorkst sein muss, verstehe ich nicht.
Und warum gibt es keine Fotos und noch nicht einmal eine Pressemitteilung? Nun, damit wollen die Veranstalter warten, bis das technisch alles klappt und die Webseite sauber aussieht.

Heute soll es dann so weit sein. Ich bin mal gespannt, was die Qualitätskontrolle sagt…