Ausgerechnet zeitgleich zur aufgebrachten Diskussion rund ums Urheberrecht, Piraten und wutschnaubende Onliner startet Spotify in Deutschland und erobert mein Herz. Zwar versuche ich seit einigen Monaten, mich nicht mehr gleich bei jedem neuen Webdienst anzumelden – doch bei Spotify bin ich gleich Premium-Kunde geworden.

Worum geht es?
Die Idee hinter dem Musik-Streaming Dienst ist schnell beschrieben: Als angemeldeter User bekommst du alle Musik darin in guter Qualität auf die PC-Lautsprecher gestreamt – und obendrauf eine attraktive Bedienoberfläche mit der man auch neue Musik entdecken kann. Während des Streams werden Werbeeinblendungen eingespielt, etwa wie beim Radio. Für 5 Euro/Monat wird die Werbung ausgeschaltet und für 10 Euro/Monat kann man sich die Daten auch auf die Festplatte holen – weil ja nicht immer und überall eine Internet-Leitung vorhanden ist.
Ein charmantes Modell, das ja vielleicht sogar für Sven Regener und die Piraten ein Konsensmodell darstellen könnte. Was mich allerdings wirklich überzeugt hat, waren drei Überraschungen:
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Schnell verdrängt: Zum Musikhören gehört jetzt Spotify.
Die Bedienung ist supereinfach. Und die iPhone-App sogar um Klassen besser, als die hauseigene iPod-App und bietet auch Zugriff auf die gespeicherte, eigene Musik. Es hat nur Stunden gedauert, bis ich von iTunes (auf dem Desktop) und der “Musik”-App im iPhone auf Spotify umgestiegen bin.
- Der Back-Katalog ist echt in Ordnung. Das hätte ich nicht gedacht: Über die “Ähnlichen Künstler” kann man sich per Spotify tief in die eigene Musik-Geschichte graben. Zugegeben: Nicht alles, was ich jemals gehört habe, ist darin zu finden. Aber wirklich sehr viel. Mit World Party und exotischen Alben von “The Nits” hätte ich nicht gerechnet.
- Es gibt reichlich Erweiterungsmögilchkeiten. Ganz schnell habe ich mir auch gleich Spotify-Apps hinzu geklickt, mit denen man mehr über die Künstler erfahren kann (laut.de) oder ähliche Musik via Last.fm findet.
Nun ja, selbstverständlich gibt es auch gleich Warnungen, vor allem von Datenschützern. Denn der Zugang zu Spotify erfolgt derzeit via Facebook. Und tatsächlich, da ich fb immer noch ziemlich dämlich finde, war das für mich wirklich eine Hürde. Aber auch das ist vergessen. Ich habe mir sogar schon überlegt, ob ich vielleicht die jeweils gehörten Titel via Facebook verbreite. Ein vollkommen blödsinniger Gedanke – aber ihr seht, wie mir Spotify gefällt
Meine nächsten Fragen sind nun:
- Wie bekomme ich Spotify auf meine Lautsprecher im Wohnzimmer?
- Welche weiteren Apps sollte ich mir abonnieren?
- Wie finde ich User mit ähnlichem Musikgeschmack zum Entdecken neuer Musik?
Ist das also die Musik-Flatrate?
Um noch einmal auf Sven Regener zurück zu kommen: Ich finde ja, er hat recht! Wieso soll ein Musiker das Recht auf die eigene kreative Leistung im Internet abgeben? Wieso soll ein Künstler vom Merchandising und von Konzerten leben – wenn seine Kernkompetenz im Produzieren von Musik besteht?
Nur, weil es sich technisch grad nicht anders machen lässt, gleich alle Gesetze löschen, die die Urheber schützen? Das ist Unsinn. Man schafft ja auch nicht alle Ampeln ab, nur weil viele Menschen auch bei rot über die Straße gehen.
Aber mit der Gema kommen wir vermutlich auch nicht weiter. Das Prinzip “Spotify” zeigt also möglicherweise ein gutes Prinzip: Wer kostenlos hören will, bekommt Werbung, wer die nicht will, muss zahlen. Und die Erträge könnten dann auch den Künstlern zugute kommen. Ich befürchte, dass dies bei Spotify nur sehr teilweise passiert. Dabei wäre es doch eine schöne Vorstellung, dass die Künstler ihre Tantiemen von Musik-Diensten anhand der Abrufzahlen bekommen – die ja vorhanden sind. Das könnte auch etwas Schwung in den Musikmarkt bringen. Oder?