Man vergisst ja manchmal ganz seine Möglichkeiten, sein Können. Kinder zum Beispiel, die mehrere Wochen in einem Ferienlager zugebracht haben, müssen erst wieder an den Umgang mit Besteck heran geführt werden. Und uns Freunden von facebook, Twitter und foursquare muss man manchmal sagen, dass Protest gegen all die vielen Ungerechtigkeiten da draußen, nicht nur in 140 Zeichen ausgedrückt werden kann.
Ja, mein Freund: Es gibt mehr als deine 352 Follower, die deine Botschaft hören wollen. Und es gibt noch viel, viel mehr, die sie NICHT hören wollen – denen du aber schon immer mal sagen wolltest, dass Sarrazin ein Aufwiegler und die Regierung ein Sauhaufen ist.
Deshalb freue ich mich über die 12 Tipps für erfolgreicheres Protestieren bei utopia und zwei schöne Beispiele.
Die zwölf Tipps lest ihr euch einfach bitte durch (“Fragen Sie doch mal die Verkäufer in den Läden, woher die Ware eigentlich kommt.” Ich freue mich schon auf nette Plaudereien mit den Verkäuerinnen bei Netto…) und kauft euch am besten das dazugehörige Buch “Protest” von Kirsten Brodde.
Diese Leserei ist euch zu theoretisch? Dann schaut dorthin, wo man uns gerade vormacht, wie Protestieren geht. Nämlich nach Stuttgart und in die Wüste Gobi.
In Stuttgart, das erleben wir ja mittlerweile in den Tagestgemen, bei Anne Will und unter dem Twitter-Hashtag “#s21″, stellt sich der Stuttgart jetzt zu Zehntausenden vor seinen Bahnhof und versucht zu verhindern, was noch zu verhindern ist. Das Bemerkenswerte: Hier tragen keine Außenseiter die Plakate, sondern brave Schwaben. Und, hey, die können alles. Na gut, außer Hochdeutsch:

Im Ranking für “Kreativität im Protest” liegt derzeit jedoch die mongolische Regierung auf Platz eins. Diese ist geschlossen 670 Kilometer weit und 15 Stunden lang in die Provinz Süd-Gobi gefahren und hat dort – in Anzug und Krawatte – eine Kabinettssitung abgehalten.

Damit sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass dank Klimaerwärmung weniger Regen falle und die gestiegenen Temperaturen Flüsse und Quellen zum Versiegen bringe und Dürren und eine Ausdehnung der Wüste die Folge sei.
Ja, ich weiß, ihr grübelt schon über eine lustige facebook-Statusmeldung mit den Sticwörtern “Protest”, “Wüste”, “Sommerwetter” und “Erderwärmung” nach.
Bitte: verkneift sie euch!
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