Women at (Net)Work

 Von Elisabeth Matejka, gespeichert in Leben 

Runing businesswomanZum ersten Mal in meinem Leben war ich gestern auf einer Frauen-Networking-Veranstaltung. Zwei Society Ladies luden Münchner Geschäftsfrauen zum entspannten Austausch in die Isarpost in München. Ich war nicht eingeladen, sondern lief mit meiner Freundin, die für eine große Tageszeitung arbeitet, einfach so ziemlich ahnungslos mit.

Um die dreißig Frauen trafen hier zusammen, um Kontakte zu knüpfen. Eingeleitet wurde das Ganze mit einer Eröffnungsrede einer PR-Lady, die ein lustiges Spiel zum Kennenlernen ankündigte. Dabei sollten sich die Frauen aber bitte total entspannen. Das betonte sie gleich mehrmals. Zu Beginn hatte jede ein farbiges Bändchen ans Handgelenk gebunden bekommen, dessen Sinn und Zweck sich in der Rede enthüllte. Das witzige „Spiel“ bestand darin, dass sich Frauen mit gleichen Farben zu einer Gruppe zusammen finden und 20 Minuten lang miteinander kommunizieren sollten.

Wie originell. Ich fand es außerdem total entspannend, von einer Geschäftsfrau zur anderen zu hopsen und mein Verslein aufzusagen. Und ich wurde erst so richtig relaxed, als ich nach dem Timeout aufgefordert wurde, mir eine neue Gruppe zu erschließen. Zum Glück gab es zwischendurch einmal drei Minuten, um ganz in Ruhe das Buffet zu plündern.

Naja, ich mache auch jeden Schmarrn mit, klar. Wenn‘s ums Kommunizieren geht, bin ich ganz vorne mit dabei. Ist ja auch megaspannend, wie Frauen so miteinander umgehen. Schönes Beispiel:

Eine Hair- und Make-Up Artistin zeigte einer Marketing-Expertin und mir ihr selbst entworfenes Werbebooklet. Ich fand das Büchlein sehr persönlich und liebevoll gemacht, und das sagte ihr auch. Die Marketing-Fachfrau hingegen nahm das Layout und die Fotos auseinander. Sie war zwar keine Grafikerin, sondern segnete im Marketing vermutlich die graphischen Werbemittel nur ab, zeigte aber ihr perfektes Halbwissen. Und sie war offenbar daran gewöhnt, sehr klare Positionen zu beziehen. Sie schaffte es, die Visagistin ordentlich in die Defensive zu treiben. Würden Männer das tun? Anderen, die sie gar nicht kennen, so ans Bein pinkeln? Hm… Frauen sind manchmal anstrengend, finde ich. Keine Ahnung, wie‘s ausgegangen ist, ich hatte mich verdrückt.

Zweites schönes Beispiel: Eine Designerin fragte mich nach meiner Vergangenheit bei der Frauenzeitschrift. Und ob ich da noch Kontakte hätte. Und ob ich diese nicht mal anhauen könnte. Sie hätte so gerne eine Berichterstattung. Mannomann, die ging gleich richtig zur Sache. Hilfe, lass mich, ich kenne dich doch gar nicht, dachte ich mir nur.

Und dann gab es noch eine Kostprobe aus dem Kuriositätenkabinett: Eine Schönheitsberaterin verteilte eine Broschüre, in der sie ca. 35 Leistungen, darunter Homöopathie, Anti Aging und Facelift, anbot. Facelift? Ich dachte, dafür braucht man einen handfesten Chirurgen? Zumindest war bei ihr ganz eindeutig einer am Werk gewesen.

Ich führte aber auch einige wirklich gute Gespräche, keine Frage, mit sehr interessanten Frauen und Hintergrundgeschichten. Ganz entzückend: die charmante Besitzerin eines Ladens für Brautkleider mit dem Namen Mitgift. Und sehr beeindruckend: eine Bauingenieurin, die sich in einer echten Männerdomäne als Bauherrin durchsetzt. Und die von den Schwierigkeiten erzählte, sich als Frau auf der Baustelle Respekt zu verschaffen. Sie bewältige das mit viel Humor, erzählte sie. Über die Witze der Bauarbeiter müsse sie meistens selber lachen.

Solche Frauen lerne ich gerne kennen. Trotzdem – ich weiß nicht, ob ich noch einmal zu so einem Damen-Visitenkarten-Schleuder-Event gehen soll. Hm. Ich finde Männer ja auch ganz gut. Schließlich arbeite ich mit einem. Und bin manchmal ganz froh, dass er keine Frau ist.

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