web.de-Katalog als Wurmloch in meinem Heizungskeller

Dezember 16, 2011

Manchmal findet man ein Wurmloch in die eigene Vergangenheit. Diesmal ist es sogar ein Zeitsprung in die Frühzeiten des Internet geworden. Beim Herumräumen in meinem Heizungskeller sind mir zwei Papier-Machwerke aus den Jahren 1996 und 1997 in die Hände gefallen:

Zwei mal, dann war Schluss: Das ganze deutsche Internet zum Nachschlagen.

Das ist jetzt kein Witz: Damals war ich Ressortleiter “PC Online” bei der Zeitschrift connect und demnach auch für dieses moderne Internet verantwortlich. War ja eine wilde Sache, das “weltweite Datennetz”. Was lag näher, es mit gelernten Mitteln zu domnestizieren und ein Adressbuch der deutschen Internet-Adressen zu machen. Folgerichtig haben wir das mit dem Datensatz der damals hoch aktuellen Suchmaschine aka Webkatalog “web.de” getan.

Ein schwer skalierbares Print-Projekt

Sagenhafte Zahlen konnten wir auf den Titel schreiben: Mehr als 13.000 aktuelle Adressen waren es in der ersten Ausgabe, mehr als 40.000 bei der zweiten. Dann verliert sich die Spur des Katalogs – ich weiß auch nicht mehr weil wir das mangels Käufern oder wegen der berechneten Dicke der nächsten Ausgabe dran gegeben haben.

In einem der Hefte findet sich übrigens ein schöner Beitrag, wo man das Fernsehprogramm im “Computer-Netz” findet und wie man mehr Geschwindigket aus den 28.800er Modems holt. Kurz mal umgerechnet: In dieser Schreibweise hätte ein 6 MBit-DSL-Zugang heute knapp unter 6.000.000 Bit/s – etwa das 200fache. (Vielleicht könnte das ein kompetenter Mathematiker noch mal verfizieren…)

Menschen wie Du und ich im Daten-Netz

Mein Editorial der zweiten Ausgabe begann: “Vor Ihnen liegt auf über 400 Seiten das ganze deutsche Internet – sortiert und kommentiert.” Das soll heute mal einer versuchen! Und hey: “Es sind schon lange nicht mehr nur Freaks, die per Online-Dienst durch die Fluten des World Wide Web surfen. Es sind Menschen wie Du und ich…” Ein Jahr später bekamen zwei junge Studenten, Larry Page und Sergei Brin, einen Scheck über 100.000 Dollar, um ihre Idee einer neuen Suchmaschine zu verwirklichen.

Hach! Die guten alten Zeiten…

Und hier noch der Beweis, das ich schon immer mit eher lichtem Haar zu kämpfen hatte.

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

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