Von Schaumschlägern und Facebook-Aktivisten…

by Christine Butler on Juli 2, 2009

in Leben

Ich gebe es ja zu, ich gehöre auch zu der apathischen Generation, die laut Spiegel „lieber Milch aufschäumt, als auf die Straße zu gehen“ (Spiegel 15.6.2009). Da hat der Spiegel , die Koryphäe des investigativen Journalismus, mal wieder aufgedeckt, was noch keiner wusste: Die 20-35-jährigen sind über Facebook und Twitter vernetzt, denken global – aber  demonstrieren sieht man sie nur selten. „Generation Praktikum“ nennt man uns auch gerne – oder ausgewachsene Kinder, die immer nur spielen und sich nie für eine Sache entscheiden können.

Schön, ich bin auch Ende zwanzig und mache ein Praktikum bei der Contentmanufaktur. Ich spiele gerne auf Facebook herum, trage T-Shirts mit Kindermotiven und meine letzte Demonstration war 2003 gegen den Krieg im Irak. Tja, da haben sie mich ja ganz gut getroffen mit ihrem Generationen-Schnappschuss.

Aber ein wenig mehr als das skizzenhafte Bild der Spiegelredakteure macht uns 20-35-jährigen doch hoffentlich schon aus. Und auch das Internet ist für uns nicht bloß ein lustiger Abenteuerspielplatz, auf dem wir unsere TKKG-Kassetten tauschen und über den verlorenen Bruder von Bibi Blocksberg sinnieren können.

Gut, dass wir kreativ mit den neuen Medien umgehen, das gibt auch der Spiegel zu. Wir nutzen das Internet um uns neue Arbeitsräume zu schaffen, so wie Sascha Lobo, der Innovator aus Berlin, der in keinem Artikel über dieses Thema fehlen darf. Wir sind international und machen auch mal ein Auslandsjahr. Danach bleiben wir mit unseren neuen Freunden aus Amerika und Japan über Facebook und Twitter in Kontakt.  Und manchmal treten wir auch einer Facebook-Gruppe zur Rettung der Wale oder für die Menschenrechte in China bei.

Aber: das alles bleibt nicht bei bloßer Spielerei. Natürlich erreichen die meisten Facebook-Gruppen keine großen politischen Ziele. Aber, in dem wir ihnen beitreten, erregen wir Aufmerksamkeit für Themen, die uns wichtig sind. Charities und politische Organisationen nutzen Social Networking bereits erfolgreich, um junge Menschen für ihre Themen zu begeistern. Auf den Facebook-Klick folgt so oft direkte Aktivität, sei es durch Spenden, Parteistimmen oder durch gemeinnützige Arbeit. Auf der Straße zu demonstrieren ist uns dabei nicht so wichtig – wir versuchen lieber selbst etwas zu erreichen, im Rahmen unserer Möglichkeiten und innerhalb des existierenden Systems. Und wie man gerade im Iran gesehen hat, sind Social Media wie Twitter doch auch das ideale Forum um politische Aktivitäten zu planen und Systemkritik zum Ausdruck zu bringen. Falls es für uns verwöhnte deutsche Gören in Zukunft also etwas zu demonstrieren gibt, werden wir uns daran erinnern.

Bis dahin, Generation Praktikum, bin ich stolz dein milchaufschäumendes Kind zu sein…

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{ 1 comment }

Elisabeth Juli 2, 2009 um 12:01 pm

Und ich bin stolz auf meine Praktikantin!

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