Ein Beispiel dafür, dass man den Redaktionen ein bisschen mehr Zeit zum Recherchieren geben sollte, ist die Geschichte über eine australische Forscherin, die laut vielen, vielen Meldungen an durchgeknallte Krankheiten wie Textaphrenie, Tangstgefühle, Koma-Texten und das Post-textische Stress-Syndrom forscht.
Zugegeben: Eine super Meldung und ich war fasziniert. Was es nicht alles so gibt…

Nur leider, diese Meldung ist eine reine PR-Meldung, und im Grunde völliger Blödsinn… Schön allerdings, was die Medien daraus machen: Bildergalerien, Selbsterkennungstest (“So testen Sie, ob Sie unter Textaphrenie leiden”) u.s.w..
Ich will nämlich auf einen Blogpost von Anatol Stefanowitsch hinweisen. Der hat das getan, was die “Qualitätsmedien” aus Zeitmangel übersehen haben: Er hat die Forscherin gegoogelt und sie gefragt, ob sie das wirklich alles ernst meint. Denn: “Ich bin sicher nicht medienerfahrener als die Redakteure, die diesen Unsinn übernommen haben, aber ich erkenne sofort, dass bei diesen Begriffen keine Wissenschaftlerin am Werk war, sondern irgendein durchaus kreativer, aber mit wissenschaftlicher Terminologie nur am Rande vertrauter Texter.”
Er schickte Jennie Carrol eine E-Mail und erhält Antwort: Richtig, schreibt sie. Die Firma Boost Mobile hat eine Reihe von „Krankheiten“ (ihre Anführungsstriche) erfunden und sie dann gefragt, ob es diese Krankheitsbilder gibt. Man kam auf sie, weil sie mehrere Studien zum Gebrauch und der Annahme verschiedener Mobilfunktechnologien veröffentlicht hat. Sie hat ihnen dann bestätigt, dass sich einige der erfundenen Verhaltensweisen tatsächlich hier und da beobachten lassen. Die Namensgebung für diese Verhaltensweisen, ebenso wie deren Klassifikation als „Krankheitsbilder“, hat dann eine Werbeagentur vorgenommen.”
Der Rest ist halt PR-Handwerk. Und alle Medien stürzen sich begeistert auf die Meldung, wird ja gern gelesen.
Was lernen wir daraus? Ach, eigentlich nichts, was wir nicht schon vorher wussten. Aber schön ist die Geschichte trotzdem, gell? Übrigens: Ich habe nicht nachgeprüft, ob sich Anatol Stefanowitsch damit nicht selbst einen Spaß gemacht hat…
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