Süddeutsche (Print) sammelt webzwonullig Bilder

Oktober 6, 2009

War das schon immer so, das Tageszeitungen Ihre Leser ausgebeutet haben? Könnte schon sein – doch mir fällt das jetzt erst auf. Zum Beispiel die Süddeutsche, Lokalredaktion, Ausgabe von heute.

sueddeutsche

Da feiert die SZ das Oktoberfest ab mit einem Foto-Wettbewerb “Mein schönestes Wiesn-Foto” und verweist darauf, dass im nächsten Jahr schließlich die 200. Wiesn gefeiert wird. Der Gewinner des Wettbewerbs darf dann im nächsten Jahr in der “Ratsbox” (was auch immer das ist) das Anzapfen erleben. Eine gute Idee, finde ich.

Doch was man auf dem Bild oben mangels einer vernüftigen iPhone-Kamera nicht lesen kann ist diese Stelle: “Zur Bewertung kommen nur Bilder, die auf Fotopapier (20×30 Zentimeter) ausgedruckt sind.” Die also gut reproduzierbar und für die Zeitung sind und auch für das SZ-Magazin schön aufbereitet werden können. Und: “Die Bilder sind honorarfrei, die Rechte gehen auf den Süddeutschen Verlag über.” HMPF!

Mal davon abgesehen, dass Urheberrechte niemals übergehen können, sollte man sich gut überlegen, ob man der SZ drei tolle Fotos schenkt, mit denen der Verlag machen kann, was er will. Zum Beispiel eine schöne Fotostrecke im SZ-Magazin, oder ein eine tolle, farbenfrohe Bebilderung des Ergeignis im nächsten Jahr. Oder eine schöne Web-Bildergalerie. Oder, oder, oder. In jedem Fall aber ohne Honorar – schon gar nicht für die Profi-Fotografen, die ansonten ja für die schönen Bilder in der Süddeutschen zuständig sind. Die, so steht es in dieser Ausschreibung, dürfen ja nicht mitmachen. Vermutlich, weil sie so nicht mit sich umspringen lassen würden.

Also Leserfotos finde ich super – und auch zur Veröffentlichung. Aber das würde ich auf jeden Fall enger fassen (z.B. “die im Rahmen dieses Wettbewerbs veröffentlicht werden dürfen) oder zumindest das gesparte Honorar spenden oder sonstwas. So, finde ich, klingt das nach Ausbeutung…

Na ja, vermutlich machen das alle Verlage schon seit Jahrzehnten und immer so. Es ist mir nur nicht aufgefallen…

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

  • http://twitter.com/SimonWpt SimonWpt

    Ich finde es eine absolute Frechheit, dass die SZ auf diese Weise ihre Leser abzockt.

  • Rainer Kerl

    Ja, Leserfotos gibt es tatsächlich schon seit der Erfindung der Kamera und nicht erst seit der Erfindung des Internets. UGC hieß früher mal: Leserbriefe.

  • binomsc

    Na BILD macht das mit 1414 – Leserreporter schon lange. Aber die zahlen wenigstens bei Veröffentlichung. Zumindest bei Nutzung in Print ;-) http://www.bild.de/BILD/news/leserreporter/anme

  • Facebook User

    Hey Rainer,
    klar, dass es das schon lange gibt, weiß ich. War damals sogar ziemlich anstrengend. Es gab in Stuttgart irgendwie 10 Leserbrief-Schreiber, die die komplette Stuttgarter Nachrichten “ferngesteuert” haben (so kam es mir als Volontär jedenfalls vor) ;-)
    Die Frage ist doch eigentlich: Wird die SZ die hübsch ausgedrucken Bilder nur im Rahmen des Wettbewerbs nutzen (was definitiv in Ordnung und toll ist) – oder spielt der Hintergedanke, günstig an gutes Bildmaterial zu kommen, eine Rolle. So etwas könnte man schnell klar machen, wenn man sich eben zu ersterem verpflichtet.
    Odr? :-)

  • Rainer Kerl

    Um ein Bild in der Zeitung abdrucken zu können, braucht man num mal die nötigen Rechte. Völlig unabhängig davon, ob man als Zeitung für das Bild Geld bezahlt oder nicht.

    Ich kann nicht für die Kollegen der Lokalredaktion sprechen, aber ich vermute, dass der Antrieb eher ein journalistischer, denn ein ökonomischer ist.

  • Facebook User

    Na klar, das denke ich auch. Andererseits haben die Kollegen im Lokalen ja auch ein enges Budget – wie alle anderen auch. Deshalb finde ich ja, dass so eine Formulierung “zur Veröffentlichung im Rahmen des Wettbewerbes” irgenwie gut wäre.
    Zu Recht wacht die SZ über die Rechte von User z.B. bei Facebook (http://www.sueddeutsche.de/computer/11/458660/t…). Da sollte man es aber selber besser machen. Auch, wenn der Vergleich ein wenig hinkt. Aber du weißt ja wie das ist mit den Leuten die im Glashaus sitzen.

    Oh je, jetzt werde ich hier aber ganz selbstgerecht. Das will ich gar nicht….
    eric

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