Na ja, Herr Kubitz, das sind vielleicht nicht die neusten Erkenntnisse, die da in der Analyse eines 15-jährigen Praktikanten namens Mattew Robson verbreitet werden – interessant finde ich sie aber trotzdem. Natürlich wussten wir schon vorher, dass es die Printmedien in Zukunft nicht unbedingt leichter haben werden und dass immer weniger Jugendliche die Zeitung lesen. Was ich an der Analyse jedoch spannend finde, ist ihr indirekter Fingerzeig auf eine neue Entwicklung in unserer Gesellschaft: Nämlich, dass besonders in der jungen Generation materielle Produkte immer mehr durch das Internet abgelöst werden.Das heißt sicher nicht, dass Teenager jetzt weniger Geld für trendige Klamotten oder das neueste Handy ausgeben würden. Aber wenn es um Medienprodukte geht, sieht die Sache schon ganz anders aus. Wie auch der 15-jährige Morgan-Stanley-Praktikant schreibt, holen sich Teenager ihre News mittlerweile aus dem Netz, anstatt Zeitung zu lesen. Musik muss man längst nicht mehr auf CDs kaufen und sogar nicht einmal mehr herunterladen – stattdessen kann man auf Live-Streaming-Seiten wie Spotify ganze Alben umsonst anhören. Auch DVDs werden sicher bald das Zeitliche segnen, denn sie lassen sich ebenso einfach auf den PC herunterladen – und irgendwann wird die Filmindustrie diese auch umsonst anbieten müssen, weil sie sonst sowieso illegal verbreitet werden.
Eine kleine Kultur-Revolution also – die freie Verbreitung intellektueller Güter ist einfach nicht mehr zu stoppen. Für die Umwelt ist diese Entwicklung sicher keine schlechte Sache – in Zukunft werden sicher weniger CDs, DVDs und Zeitungen auf den Müllkippen landen. Und vielleicht ist ein bisschen weniger Kommerz auch nicht schlecht für die Welt. Es sieht auf jeden Fall nach Mattew Robsons Analyse so aus, als hätten die Jugendlichen jetzt mehr Geld für „social events“ in der Tasche – fürs gemeinsame Ausgehen, für Konzerte und Kinobesuche. Für alles, was es sowieso online umsonst gibt, sind sie nicht mehr bereit ihr Taschengeld auszugeben. Auch nicht für Nachrichten auf Twitter, die laut Robson keiner ihrer Freunde lesen will. Und mit Werbung kann man die Teens auch nicht mehr beeindrucken – die Spots kann man bei vielen Onlineanbietern und On-Demand Angeboten einfach abstellen.
Wie sich die Film- und Musikindustrie und auch die Printmedien auf diese schöne neue Welt einstellen und ihre Zukunft sichern können, ist die große Frage. Die Musikindustrie hat sicherlich bereits erkannt, dass sich das große Geld nicht mehr durch CDs, sondern durch Live-Konzerte und Merchandising erwirtschaften lässt. Die Filmindustrie muss weiterhin auf die Anziehungskraft der großen Leinwand hoffen - und die Printmedien? Wenn ich darauf bloß schon eine Antwort hätte, wäre ich jetzt sicher auch als Praktikantin in den Schlagzeilen. Vielleicht rufe ich mal Matthew Robson an, der hat sicher eine Idee…
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{ 1 comment }
Na gut, Frau Butler, lass uns den Herrn Robson mal fragen, ob er eine Idee hat. Und: Ich finde ja gar nicht, dass er unrecht hat (na ja, die Sache mit Geld und Twitter ist schon hakelig, weil Twitter ja nix kostet…) ich finde nur, dass diese Erkenntnisse bei einer Großbank irgendwie ziemlich spät ankommen und sich die anderen Analysten schämen sollten, solche Erkenntnisse von einem Praktikanten “entdecken” zu lassen. Haben die vor lauter Milliardenkredite denn keine eigenen Kinder, mit denen sie reden?
Mein Sohn (15 Jahre!) hat sich heute morgen auch darüber beömmelt, mit welch einfachen Informationen man weltweiten Ruhm ernten kann. Den nehmen wir zum Treffen mit Matthew einfach mit – dann können die Jungs ja über Skaten und Ballerspiele plauder
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