MyLife.de: Greenwashed auf Bora Bora

 Von Elisabeth Matejka, gespeichert in Leben, Sinnvolles Handeln, Web 2.0, Websites 

Rechtzeitig zur großen Debatte über den Klimawandel startet Burda eine neue Plattform, die unter dem Namen MyLife.de nachhaltige Themen von vier Webseiten aggregiert. Mit der MSN-Kooperation soll das erfolgreiche Konzept von Glam wiederholt werden: Mehrere Webseiten werden unter einem Channel vermarktet. MyLife.de gibt es außerdem als Printmagazin zu kaufen und liegt Titeln aus dem Burdaverlag bei.

mylife

Das neue MyLife-Netzwerk fasst Inhalte von Lohas.de, dem Gesundheitsportal Atorio.de, Focusgesundheit.de und fit1.de, einem Fitness-Spezialportal. Bei letzterem fragt man sich ernsthaft, was das Portal mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Der Mehrwert von fit1 liegt darin, ein Fitness-Studio in der Nähe des Wohnorts zu finden.

Mein Eindruck: Für MyLife wird es nicht ganz so einfach werden, Partner zu finden. Glam fasst alle Frauenthemen zusammen, daraus ergibt sich ein extrem breites Themenspektrum. Bei der Nachhaltigkeit wird es mit dem gemeinsamen Nenner schwierig. Bloß weil Sport gesund ist, hat er noch lange nichts mit bewusstem Konsum und Umweltschutz zu tun. Und nicht jedes Gesundheitsthema passt in den Öko-Zusammenhang. Mir scheint, man nimmt das bei MyLife.de mit dem Thema nicht so genau. Öko ist gesund und umgekehrt.

Schwieriger wird es dann schon, wenn MyLife einen Kunden aus der Reisebranche versorgen soll. So geschehen in einem Titelthema bei MyLife.de, einem Reisespecial mit dem Titel:”Auf und davon! Die schönsten und nachhaltigsten Reiseziele!”

Wie lässt sich eine Reise nach Bora Bora mit Nachhaltigkeit vereinbaren?

Ganz einfach – indem man über die Anreise kein Wort verliert, außer dass sie 26 Stunden dauert. Auf der dritten Seite des Reise-Artikels bekommt man aber den guten Tipp: „Wenn Sie fliegen sollten, denken Sie daran: pro Flugmeile grüne Meilen zu sammeln. Jede greenmile reduziert den CO2-Gehalt um 1 kg. Informieren Sie sich unter www.greenmiles.de

Darunter befindet sich der Reisetipp Neuseeland. Also eins ist schon mal klar: Nach Neuseeland kommt man nicht mit dem Zug. Also fliegen wir und washen unser schlechtes Gewissen green mit grünen Meilen. Dann ist alles wieder gut und man hat den Ausstoss an CO2, den man verursacht hat, wieder total korrekt zurechtgebogen.

Nur: Ein echter Verfechter von Lohas verzichtet auf die Fernreise und macht mal wieder Urlaub daheim oder eben in der Nähe. Und nicht nur Lohas machen sich Gedanken, wie sie persönlich dazu beitragen können, den Klimawandel zu stoppen – glücklicherweise werden es immer mehr Menschen, die ein bisschen überlegen möchten, bevor sie konsumieren oder reisen.

Fazit: Die Macher von MyLife.de werden es nicht immer leicht haben, den Spagat zwischen Werbepartnern und Lohas-Philosophie gut hinzukriegen. Schließlich geht es bei der grünen Bewegung mehr um Glaubwürdigkeit als anderswo – glaube ich zumindest.

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