Lieber Frank Schirrmacher,

by Eric Kubitz on Dezember 2, 2009

in Leben

das hier wird Sie möglicherweise gar nicht erreichen. Aber dieses Internet ist ja schon ein verrücktes Ding – manchmal findet man darin nicht nur, sondern wird auch gefunden. Also vielleicht finden Sie, Frank Schirrmacher, mich mit diesem Beitrag im Internet. Möglicherweise sogar, wenn Sie mal nach sich selber googeln.

Jedenfalls, ich schreibe Ihnen hier diesen Blog-Brief, weil mir das leicht fällt und weil ich das Gefühl habe, via Internet ganz gut kommunizieren zu können. Und ich will Ihnen kurz von meinen vergangenen zehn Minuten berichten, die sich voll und ganz um Sie, als Autor eines Buches, gedreht haben.

Beim Frühstück habe ich nämlich eine Anzeige für Ihr neues Buch gesehen. Ein offenbar interessantes Buch, Sie setzen sich darin mit einem ganz praktisch aber auch philosophisch wichtigen Thema, dem Information-Overload, auseinander. Das habe ich jedenfalls dieser Anzeige entnommen und das interessiert mich. Und außerdem halte ich Sie für einen klugen Kopf (na ja, Methusalem-Komplott habe ich trotz meines damals schon hohen Alters von 40 Jahren irgendwann zur Seite gelegt. Aber das ist nicht böse gemeint.)

Und die Anzeige versprach modernen Umgang mit Medien: Das Buch gibt es auch als Hörbuch und als eBook. Nun, einen eBook-Reader habe ich zusätzlich zu Notebook und iPhone (noch?) nicht. Und als Buch würde Ihr Werk eine Weile bei mir rumliegen, denn da liegen noch Dan Brown und Frank Schätzing auf meinem Nachttisch – das ist möglicherweise schlechte Gesellschaft für einen Frank Schirrmacher. Aber Hörbuch? Super! Kauf ich.

Dachte ich.

frank-schirrmacherHörbücher kauft man im (Hör-)Buchladen – oder im Internet, zum Beispiel im iTunes-Store. Am liebsten hätte ich mir das dort gleich auf mein iPhone geladen. Denn ich muss nachher zu einem Kunden und hätte auf dem Weg dorthin gleich mal reinhören können. iTunes hat aber Ihr Buch nicht im Programm. Hörbücher kauft man auch bei Audible. Aber die hatten auch nur “Minimum” von Ihnen und nicht… äh… wie hieß das neue Buch noch mal? Payback, oder? Hallo Google, übernehmen Sie!

Und das hat mich dann doch verblüfft: Da findet man Ihren Namen bei Wikipedia, Welt Online, Süddeutsche, in Google Books, einer Seite namens “Single Generation”. Es geht weiter mit Spiegel, der Bild Online und dann – endlich – die FAZ. Allerdings mit einem Beitrag, in dem steht, dass Sie bei unserer Bundeskanzlerin gegessen haben. Das alles freut mich für Sie und Ihre gute Gesellschaft – aber es hilft mir nicht weiter. Ich habe auch mal bei Wikipedia rein gelesen – aber selbst unter “Publikationen” steht nicht, wie Ihr neues Buch eigentlich heißt. Das sag noch mal jemand, das Internet wäre schnell, gell?

Schätzungsweise würde es nur wenig mehr Zeit beanspruchen, wirklich zu einem Ergebnis zu kommen und Ihr Buch auch gleich bei Amazon zu bestellen. Ja, klar. Aber ich lasse das jetzt mal und schreibe Ihnen lieber diesen elektronischen Brief. Ich schätze, Sie bekommen lieber Briefe, die mit dem Füller geschrieben sind. Aber das kann ich nicht, das kann keiner lesen :-)

Jedenfalls wollte ich Ihnen zwei Dinge sagen:

  1. Wäre es nicht super, wenn man Sie im Internet finden würde? Also nicht Beiträge über Sie, sondern Sie? Vielleicht sogar Ihr Buch, damit es sich toll verkauft und von Leuten wie mir auch gefunden wird?
  2. Und wenn man Sie nicht im Internet findet – Sie müssen sich ja mit der FAZ-Seite geradezu verstecken, wenn bei Google bei der Frage nach Ihrem Namen erst die Bildzeitung und dann die FAZ gezeigt wird. Das finde ich merkwürdig.

Lieber Frank Schirrmacher, ich lass das jetzt mal mit dem Buch, vermutlich ist mein Information- Overload ohnehin schon zu groß. Irgendwann finde ich Sie schon in iTunes, dann schlage ich zu. Jetzt muss ich erstmal weiter arbeiten, ich verdiene ja mein Geld nicht mit Publizieren…

Verwandte Artikel

{ 4 comments }

Sigrid Dezember 2, 2009 um 8:38 am

you made my day! :D

Sigrid Dezember 2, 2009 um 8:42 am

you made my day! :D

Stefan Dezember 2, 2009 um 8:55 am

Das witzige ist, dass bei mir auch “Limit” und dieses Symbolbuch auch noch auf dem aktuellen Ungelesen-Stapel liegen :)

Stefan Dezember 2, 2009 um 8:56 am

Das witzige ist, dass bei mir auch “Limit” und dieses Symbolbuch auch noch auf dem aktuellen Ungelesen-Stapel liegen :)

Comments on this entry are closed.

blog comments powered by Disqus

Previous post:

Next post: