lebensmittelklarheit.de: Wie Ilse Aigner eine 3/4 Million Euro verschwendet

Juli 21, 2011

Gestern wurde von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigners das Portal lebensmittelklarheit.de gestartet. Betrieben wird die Seite vom Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände – Verbraucherzentrale Bundesverband e.V..

Das Verbraucherportal, das auch als “Pranger” bezeichnet wurde, brach zunächst unter dem Ansturm zusammen. Das ist nicht schlimm, kann jedem passieren

Nun habe ich aber in der SZ heute morgen gelesen, dass Ilse Aigner, also wir, die Seite mit 775.000 Euro fördert. DAS ist dann schon eher ein Grund mal nachzuschauen, wie es da heute aussieht. Mit einer 3/4 Million kann man ja heute echt was richtig Großes bauen. Nun, Ilse und die Verbraucherschützer haben mit unserer Kohle das hier gebaut:

Darf ich kurz mal auflisten, was ich anders machen würde?

  • Die URL der Seite ist eine Katastrophe und vielleicht sogar der Grund für den Touch Down zum Start.
  • Die Umleitung von lebensmittelklarheit.de auf dieses URL-Monster (http://cdn.lebensmittelklarheit.de/cps/rde/xchg/lebensmittelklarheit/hs.xsl/index.htm) erfolgt mit einer für Suchmaschinen falschen Umleitung! Mir ist klar, dass die Verbraucherschutzministerin nicht unbeding SEO betreiben möchte. Aber das sind Standards! Und man möchte damit doch dort auftauchen, wo die Leute suchen. Oder?
  • Das gilt auch für einen ganzen Sack voller SEO-Standards
  • Ich dachte erst, dass hier gerade mal 10 Artikel gemeldet wurden läge am Zusammenbruch der Seite. Allerdings hat  “Frau O. aus Hessen” schon am 6.5.2011 eine Meldung über das Sahne Wunder Advokaat eingetragen. Hä? Habt ihr die Test-Datenbank vor dem Launch nicht leer gemacht? Oder sind das Fake-Einträge? Gefälschte Kommentare im Verbraucherschutzportal? Ne, oder?
  • Und wenn die Antworten in Zukunft immer so aussehen, dann mal viel Spaß denjenigen, die das machen müssen. Und viel Vergnügen beim Dechiffrieren der Botschaften. Auf die Frage von Frau T. aus Mörfelden-Walldorf (11.3.11!) nach der Zulässigkeit von zu kleiner Schrift auf einer Packung lautet die vollständige Antwort: “Auf der Rückseite der Verpackung sind die Zutatenliste und die Herstellerangaben unserer Messung nach in einer 4 Punkt Schrift oder 0,92 mm Höhe (Kleinbuchstabe x) geschrieben.” Aha. Und, was ist noch mal die Antwort auf die Frage? Und: Könnte man dieses Nichts zumindest ein bisschen eingängiger formulieren? Wer ist denn die Zielgruppe? (Na ja, vermutlich sind das tatsächlich Testeinträge. Wir prüfen das dann, wenn die Seite funktioniert…)
  • Eine Navigation mit “Start”, “Produkte”, “Informationen” und “Forum + Chats” ist bestenfalls nichtssagend. Die weiter führende Navigation wird bei etwa 100 verschiedenen Produkten nicht mehr funktionieren. Und diese Zahl kann nur durch eine weiterhin konsequent miese Performance der Seite gehalten werden. Das kann ja nicht das Ziel sein. Wie weit wurde hier überhaupt gedacht?
  • Selbst das Lexikon (das ja nicht soooo schwer zu machen ist) ist schlecht gebaut und enthält viel zu wenige Informationen. Wobei das doch irgendwie ein Kern der Seite sein könnte.
  • Wirklich schlimm: Hierfür wurden Gesetzestexte (z.B. http://www.gesetze-im-internet.de/eichg/__6.html) lediglich ein bisschen verändert  (hier: http://cdn.lebensmittelklarheit.de/cps/rde/xchg/lebensmittelklarheit/hs.xsl/1734.htm). Das soll verbraucherfreundlich sein? Kann man denn nicht wenigstens jemanden damit beschäftigen, das auch für einfacherere Gemüter zu übersetzen?
  • Das Forum und die Chats lassen sich immer noch nicht öffnen. Es gruselt mich auch ein bisschen bei dem Gedanken, was mich dort erwarten könnte.
  • Auch alle anderen Bereiche entziehen sich meinem Zugriff…

Gebaut wurde das übrigens mit OpenText, mit der offenbar auch andere öffentliche Projekte (auch performante) gebaut wurden. Ich schätze mal, dass das alles zu klein konzipiert wurde.

Liebe Verbraucherschützer: So sieht Geldverschwendung aus!

Wer schützt uns Verbraucher vor den Verbraucherschützern? Entweder sind diese Verbände uznd Zentralen irgendwelchen Agenturen auf den Leim gegangen – oder man hat derartig schräg und internet-feindlich geplant, dass halt nichts anderes raus kommen konnte.

Selbst wenn viel Geld auch in Personal fließt: Mit 775.000 Euro kann man heute wirklich eine funktionierende Webseite bauen die nützlich ist. Aber die würde anders aussehen!

Und kommt mir bloß nicht mit “wir haben uns das auch anders vorgestellt und wollen das echt noch besser machen”. Ich hoffe, das ist für euch auch keine Argument, wenn ein Händler verschimmeltes Brot verkauft… Also wieso sollte das dann für einen so wichtigen Webauftritt gelten?

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

  • http://twitter.com/Nico Nico Lumma

    ja, das ist irre. zumal ich nicht verstehe, warum das so wenig crowd-basiert ist, die gesamte website ist aus verbrauchersicht eine katastrophe.

  • http://www.kubitz.net eric108

    @twitter-711803:disqus Darüber habe ich lieber mal gar nicht nachgedacht. Vermutlich haben die vor allem fürchterliche Angst, dass sie wegen jedem Sch… verklagt werden und trauen sich deshalb nicht, ihre Nasenspitze raus zu strecken. Aber nicht mal der Rest passt.

    Schlimm…

  • Pingback: Klaubergs Kolumne: Stumme Kunden bevorzugt? | Lösungen für Unternehmen

  • NBC

    “Bislang haben uns rund 2.000 Produktmeldungen und etwa 1.000 sonstige Anfragen erreicht. Nach wie vor sind die Zugriffszahlen enorm”, sagte der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, der “Rheinischen Post” (Dienstag).

    … ich habe nur 29 gezählt.

  • http://twitter.com/mlochmann Markus Lochmann

    “Wirkllich” und “blos” – wohl noch nie was von Rechtschreibung gehört, oder? Ansonsten guter Artikel.

  • http://www.kubitz.net eric108

    Danke Markus. Ich freue mich über jeden Kommentar. Man kann übrigens auch Fehler anders anmerken – aber vielen Dank. Mal sehen ob du jemand schon was von Rechtschreibung gehört hast. 

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