Da hat mich mein “hpyerpersonalisierter Nachrichtenstrom” überrascht: Passend zum DLD und passend zum Interview von “Netzökonom” Holger Schmid mit Jeff Jarvis hat sich werwiewas.de aus der Deckung gewagt. Davon wusste ich nichts, hätte es aber wissen können…

Was hat das alles miteinander und mit mir zu tun? Über den Nachrichtenstrom in unseren Köpfen mache ich mir grad eh Gedanken, zum DLD sage ich mal nix, das Interview mit Jeff Jarvis ist superspannend und zu werwiewas.de gibt es einen Disclaimer: Ich durfte und darf die Kollegen ein wenig bei der Entwicklung ihrer Seite beraten.
Jedenfalls: Ich muss ein paar Bemerkungen zu den Aussagen von Jarvis machen.
Auf die Frage des Netzökonoms, ob denn Journalisten nun neben dem Aufschreiben von guten Geschichten jetzt auch noch twittern, facebooken, Unternehmen gründen und programmieren sollen, antwortet er mit “Nun, der technische Fortschritt hilft ihnen dabei. Zum Beispiel hat die Flip-Kamera den Journalisten eine sehr einfache Möglichkeit gegeben, eigene Videos zu drehen. Man kann vieles erlernen.” Das ist, bitte verzeihen Sie Herr Jarvis, Blödsinn!
Man könnte natürlich schon sagen, das die Redakteure lernen sollen, mit einer Flipcam den Eingang zum DLD oder einen Straßenunfall zu filmen. Immerhin macht er heute auch Layout, was bis vor 15 Jahren nicht zu seinen Aufgaben gehörte. Und dann soll er heute halt lernen, wie man einen Camcorder hält. Schon allein, weil das sonst andere tun und die “Konkurrenz” bei werwiewas.de ansonsten relevanteren Content hat als die FAZ. Das könnte man so sehen, denn so eine lokale Community ist nun mal zum Wachstum und zum Produzieren von massenhaft hyperlokalen Inhalten verurteilt und wird dies dementsprechend auch tun. Ergo: Sollen die Journalisten das halt auch machen! Aber eben nein! Genau das nicht!
Wer will denn das verwackelte Video von festgehaltenen Reisenden vom Münchner Flughafen auf sueddeutsche.de sehen? Ich nicht. Die superpersönlichen Meinungen und Blickwinkel lese ich auf Twitter, sehe die passenden Bilder auf Twitpic, gucke in Dopplr auf die Reisepläne meiner Kollegen und setze meine digitale Info-Pins nun auf werwiewas.de. Von den Journalisten dagegen erwarte ich mir die Informationen dahinter, eine gesellschaftliche Einordnung, ein gewisses Maß an Objektivierung und, ja gleichzeitig, Meinungsbildung. Das Schöne an der digitalen Welt ist doch, dass jeder das machen kann, was er am besten kann. Oder?
Beides ist wichtig und hat Zukunft: Die Dokumentation meiner hyperpersönlichen und -lokalen Umwelt – sowie der professionelle Blick von oben. Ich hoffe, ich werde bald digitaler Blockwart in Bad Tölz auf foursquare und ich schmökere sehr gerne in den Tweets meiner Umgebung hier. Aber ebenso erwarte ich von der SZ, dass sie mich jeden Tag ein wenig schlauer macht und meinen Blickwinkel auch mal neu justiert.
Ganz ehrlich: In den vergangenen Wochen habe ich immer mehr Verständnis für die merkwürdigen Aktionen der Verleger gegen die für sie nicht schöne neue Welt entwickelt – auch, wenn meine digitalen Freunde mich deshalb für ziemlich seltsam halten. Ja, Verleger brauchen neue Geschäftsmodelle (und Dirk Rumberg, Chef von werwiewas.de hat da ja mit der SZ-Bibliothek durchaus frühzeitig Konzepte entwickelt) – aber für Journalisten ist es sicher keine gute Idee, ihre Zukunft dort zu suchen, wo andere schon besser unterwegs sind. Und, hey, werwiewas.de ist noch ziemlich beta, da kommt noch ‘ne ganze Menge…
Ja, und weil das heute einfach alles gut zusammen passt, wollte ich das kurz mal sagen…
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