Alles kommt wieder

by Elisabeth Matejka on Januar 18, 2010

in Leben

Der Artikel “Schloss mit lustig” im Magazin der Süddeutschen vom letzten Freitag hat mir wieder einmal etwas ins Bewusstsein gerufen: Alles kommt wieder, möglicherweise in abgewandelter Form, in einem anderen soziologischen Kontext – aber die Ikonographie bleibt doch die gleiche.

sz-magazinAuf dem Titel des SZ-Magazins waren zwei Schnösel abgebildet, in Sakko, Businesshemd und Einstecktuch. Noch nix gerockt im Leben, aber rein äußerlich arriviert wie der Sechzigjährige auf dem Golfplatz. Die Ziele sind klar: ein Jura- oder Wirtschaftsstudium durchziehen, möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen und dabei den Eindruck erwecken, der Upper Class anzugehören. Das Ganze distinguiert, erschreckend konservativ und spießig.

Das kommt mir so bekannt vor. Als ich 1991 Abitur gemacht hatte, war die Kollegstufe meines Vorortgymnasiums in mehrere Splittergruppen aufgeteilt. Das ist jetzt fast zwanzig Jahre her, und die Typen waren exakt die gleichen wie heute. Die Indies, die Punks, die Ökos und die Yuppies. Und die Normalos, die sich nicht festlegen wollten oder konnten. So wie ich. Meine beste Indie-Freundin sprach zwei Jahre lang nicht mit mir, weil ich eine Affaire mit einem Schickimicki-Schnösel hatte. Tja, alles kommt wieder. Die Schnösel damals trugen Poloshirts mit dem Lacoste-Krokodil drauf. Heute ist es Ralph Lauren. Die Mädels schmückten sich mit Ohrringen mit dem deutlich sichtbaren Chanel-Logo. Heute muss es die Chanel-Tasche sein, natürlich eine echte. Gleich geblieben ist der poshy Grünwald-Schick mit Landlord-Attitüde.

Meine Tochter, inzwischen zwölf Jahre alt, trägt dagegen die modischen Eigenheiten der 80er, die es mir unmöglich machen, anderen Leuten Fotos aus meiner Jugend zu zeigen: Röhrenjeans, überlange Pullover, Ohrenschützer und Legwarmer. Zum Glück kam die Dauerwelle nicht wieder, und auch die Schulterpolster sind bislang nur auf irgendwelchen Laufstegen aufgetaucht, haben sich aber nicht mehr durchgesetzt. Aber was ist denn nun eigentlich charakteristisch gewesen an den Nullerjahren? Was davon kommt in zwanzig Jahren wieder? Ich kann mich immer nur an Moderevivals der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre erinnern. Aber noch fehlt vielleicht die historische Distanz für den Überblick. Hat jemand einen Tipp?

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