Yahoosoft, AOL Time Warner: Unkonzentriert in den Misserfolg?

Juli 30, 2009

Den vielen Kommentaren und Bewertungen über den Yahoo-Microsoft-Deal will ich gar nichts hinzu fügen. Irgendwie erfindet sich das Internet ja mindestens jedes Jahr neu – und warum soll ein Yahoosoft da keinen Sinn machen? Oder, aber, warum sollte es? Alle Voraussagen des großartigen und sehr plausiblen Films Epic (s.u.) sind aus heutiger Sicht ja auch eher unterhaltsam als wahr.

Link: Google EPIC 2015: Die deutsche Übersetzung

Aber trotzdem, eines möchte ich dazu sagen: Zumindest in der Vergangenheit waren solche Deals selten erfolgreich. Oder? Erinnern wir uns doch mal kurz an an AOL Time Warner. Hier hat der Zugangsprovider America Online (mit angeschlossenem Portalgeschäft)  auf dicke Hose gemacht und ist schwer ins “Contentgeschäft” eingestiegen. Hat nicht funktioniert, genausowenig wie der letzte Einstieg von AOL ins Werbenetzwerkgeschäft mit der Plattform A. Auch wieder abgesagt.

Oder denken wir mal an Web.de, die Plattform, die zu den Internet-Gründerzeiten eigentlich das deutsche Internet fest im Griff hatte. Ein Webkatalog mit schwer lokalem Touch – und dann Webmaildienst, Klingeltonprovider zuletzt mehrere Commnity-Plattformen u.s.w.. Das war kein Wachstum sondern eine Verwirrstrategie weg vom Kern. Ziemlich unkonzentriert und erfolglos.

Oder Europe Online, mit dem 1995 ein großer deutscher Medienkonzern 1995 schon die ersten Pennies im Internet verdienden wollte und 1996 wieder damit aufhöre. Ach, neee, das ist wieder ein anderer Fall. Das hat mit Unkonzentriertheit nichts zu tun…

Aber jetzt Yahoo. Hätte man vor 14 Jahren Jerry Young und David Filo bei der Gründungsparty von Yahoo gesagt, dass sie einige Jahre später ihre Suchmaschine durch Microsoft-Technologie ersetzen, hätten sie dir ihren Drink direkt ins Gesicht geschüttet. Schließlich war ihre Suchmaschine (oder besser in diesem Fall der Katalog) der Erfolgsfaktor, ihr Kern, das Zentrum, das Rückrat, der einzige Grund zu existieren. Und nun? Nun werden um die Suchtechnologie Bing von Microsoft von Yahoo das Portalgeschäft, Suchtreffervermarktung, Webdienste (Mail, Flickr u.s.w.) gruppiert. Und mit Werbung und Suchtraffic soll verdient werden.

Also im Schnelldurchlauf: Der damalige New Economy Star Yahoo, die damals größte Suchmaschine aller Zeiten, wird im Kerngeschäft von der Konkurrenz überholt und betreibt nun die Nebenprodukte um die Suchtechnologie des anderen Software-Monopolisten Microsoft.

Mmmmh. Wie gesagt, das Internet erfindet sich ständig neu und eigentlich wünschen wir ja alle Google mal endlich eine echte Konkurrenz an den Hals. Aber ich persönlich denke, dass so etwas irgendwie nicht funktioniert.

Könnte passen:

  1. Nur Spiegel Online und Last FM sind “Top” in der internationalen Liga…
  2. Cloud Computing = NC = SAS = Webservices = Videotelefonie
  3. Hulbee: mal ‘ne nette Suchmaschine

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

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