Über Daten und “Dätle”

November 3, 2006

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten unserer digitalen Welt, dass zwar massenhaft Daten in beliebiger Recherchetiefe allüberall sind – wir aber keine Zeit dafür haben, den Dingen hinterher zu gehen. Als früherer Schwabe führe ich deshalb hiermit auf meinem Weblog den Begriff “Dätle” als Verniedlichung von “Daten” ein. Denn ich würde mich schämen, wenn ich sagen müsste, dass die folgende Melung echte Daten und Informationen enthält.

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Alles beginnt damit, dass de.internet.com meldet “Web 2.0 bei den Deutschen weitgehend unbekannt” da nur 6 Prozent der Deutschen den Begriff definieren können. Mmmmh, wie viele Deutsche können den sagen, was Dostojewski geschrieben hat oder wie ein Automatikgetriebe funktioniert? Sind die beiden Begriffe deshalb unbekannt? Und: Dass “nur” 3 Prozent der deutschen Internet-Nutzer einen Weblog betreiben, macht mir keine Sorgen. Im Gegenteil. Dann habe ich ja Chancen, dass hin und wieder jemand hier vorbei kommt. Wie auch immer: Ich fand die Zahlen etwas merkwürdig. Und habe geschaut, wo die denn wohl her kommen.

Erhoben wurden die Daten von dem Essener Insititut “Academic Data” im Auftrag der ZPR, einer PR-Agentur in Hamburg. Beides nicht besonders groß aber kann man mit etwas Mühe googlen (da de.internet.com leider nicht auf externe Seiten linkt) und findet bei “Academeic Data” eine Baustellenseite. Mit anderen Worten: 100% aller mir bekannten Umfrageinstitute in Essen, die Menschen zum Thema Internet befragen, haben keine Webseite. Das ist ein Ergebnis meiner Recherche. Suche ich nach ZPR finde ich zunächst Knut Zilian, der aber in Frankfurt kommuniziert, stoße dann aber auf die wahren ZPRs und sehe in den Referenzen, dass deren Schwerpunkt Filme, AOL und die Kampagne “Raubkopierer sind Verbrecher” sind. Das ist nicht weiter schlimm – aber weist jetzt auch keine besonders hohe Kompetenz hinsichtlich von Zahlen über Web 2.0 und Weblogs nach.

Nach dieser Kurz-Recherche sinkt mein weiteres Interesse an diesen Zahlen, zumal ich auch keinen Hinweis darauf erkennen kann, wie viele Menschen denn wie befragt wurden. Aber vielleicht habe ich auch nicht genau genug hingeschaut. Denn ich habe dann die Lust verloren, dem wirklich genau nach zu gehen.

Deshalb kann ich euch hier auch nur ein unfertiges “Dätle” vorsetzen und ein wenig verzweifelt auf den großen Berg von Daten schauen, die da draußen liegen und aufgearbeitet werden wollen. Wie sollen wir das denn schaffen?

Könnte passen:

  1. Nachklapp: Keine Daten ohne Aufforderung

Eric Kubitz ist auch auf Google+ und Twitter Twitter.

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