SZ Magazin über die Zukunft der Zeitung

by Elisabeth Matejka on Mai 11, 2009

in Internet

sz-magazin-1Juhuu, ein SZ Magazin genau über unser Thema, habe ich mich am letzten Freitag gefreut. Ich war mir sicher, in dem Magazin einige schöne O-Töne für unsere Schulungen zu finden. Aber: Nur wenig taugt darin zum Zitieren. Schade.

Der für unsere Belange interessanteste Artikel war das Interview mit Jeff Jarvis. Der Medienprofessor geht das Problem, dass Nachrichten zukünftig immer mehr im Netz konsumiert werden, äußerst pragmatisch an und fordert schlicht die Anpassung der Verlage an die Gegebenheiten der neuen Medien.

Punkt, ist halt so.

Im Gegensatz dazu strickte die SZ-Schreiber-Führungsriege in ihren Beiträgen höchst komplizierte selbstreflexive Konstrukte, deren Aussage eigentlich nur geahnt werden kann: Ich vermute mal, dass es allen vorrangig um die Angst vor dem Verlust der journalistischen Qualität geht. Hier sieht sich einfach ein ganzer Berufsstand in Gefahr, ähnlich wie bei den Lehrern, die gerade mit ansehen müssen, wie pädagogisch ungeschulte Akademiker die Schulen erobern.

Der große Unterschied: Den Journalisten bricht so langsam ihre Spielwiese, nämlich das Printmedium weg. Und damit das gewohnte und gelernte Umfeld. Die neuen Medien folgen wiederum anderen Gesetzen. Am Ende bleibt doch keine andere Wahl, als sich auf das Neue einzulassen, oder?

sz-magazinSehr schön und empfehlenswert aus weiblicher Sicht: Der Artikel von Peter Praschl mit der Überschrift “Männliches Schreiben und neue Medien: Gut, dass es im Netz keine Leitartikler und Großreporter mehr gibt”. Ebenso lesenswert das Pendant dazu von Else Buschheuer. Vor allem der letzte Satz: “Wenn also die Zukunft des Journalismus weiblich ist – weil wir einfach alle ollen aus Billy-Wilder-Filmen zu stammen scheinenden Chefs zu Hausmännern, Hausmeistern und Archivleitern machen – , dann wird der Freude kein Ende sein.” Hihi… das gefällt mir, hat aber leider mit unserem Thema auch nicht viel zu tun…

Sehr viel interessanter die Aufstellung über den Medienkonsum einer Zwanzigjährigen. Enorm, wie viel Zeit das Mädchen im Internet verbringt. Selbst wenn man einmal davon ausgeht, dass die Faszination für Facebook und Lokalisten irgendwann nachlassen wird, so ist die Gewohnheit, über drei Stunden vor dem Rechner zu sitzen, vermutlich auch für den zukünftigen Medienkonsum prägend. Ob sich das Mädchen später, wenn es einmal älter ist, die Zeit nehmen wird, beim Marmeladenbrot anspruchsvolle Artikel in der SZ zu lesen? Hm, ich bin mir nicht ganz sicher. Wächst da eine Generation heran, die eine Leidenschaft für ausgiebige Zeitungslektüre entwickeln wird? Wer weiß das schon. Eins steht für mich fest, für guten Journalismus und Themen, die die Menschen bewegen, wird immer ein Markt da sein. Eventuell wandelt sich aber die Vorstellung vom guten Journalismus ein wenig.

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