Was meine ich mit “Identitätsmisere”? Darüber könne ich jetzt eine Weile referieren. Um es kurz zu machen: In diesem Zusammenhang meine ich mein Zweifel an der Richtigkeit, jedem dahergelaufenen Internet-Dienst eine Handvoll persönlicher Daten in die Hand zu drücken. Und sei es nur die E-Mail-Adresse, auf dass er mich mit “qualifiziertem” Spam bombardiert.
Wie wäre es mit internetweitem “Single Sign On”? Alten Onlinern läuft es dabei kalt den Rücken runter, und sie beginnnen von unkontrolliert auf “Passport” zu schimpfen. Mit Recht: Irgendwann, vor 6-8 Jahren hat MS versucht, unter diesem Namen ein solches Single-Sign-On (SSO) mit Bezahldiensten zu verbinden. Keine schlechte Idee, aber schlecht gemacht und ein schlechter “Partner”. Wenn ich irgendwem meine Daten damals nicht geben wollte, war das eigentlich Microsoft…
Und da sind wir am Kern des Problems: SSO ist cool – aber wer darf wie die Spinne im Netz alle Daten verwalten? Viele sind der Meinung das ist OpenID. Das ist eine Initiative, hinter der unter anderem Domain-Registry-Betreiber und Herausgeber von SSL-Zertifikaten Verisign steht. Das geht schon in die richtige Richtung, finde ich. Und der Vorteil: Die Daten liegen dann nicht bei Verisign (was auch keiner witzig fände) – sondern bei dem Anbieter, dem man die Daten geben will. (Siehe Kommentar von “leckse” unten.)
Auch sonst ist der Ansatz gut: Die ID kann von verschiedenen Diensten vergeben werden und ist im Grunde eine URL (z.B. “getopenid/eric” oder “kubitz.myopenid.com” – beeilt euch, noch gibt es vernünftige Namen) und man muss dafür nur sehr wenige Daten überhaupt angeben. Das schafft Vertrauen. Und schon gibt es einige Dienste und Anbieter, die mit OpenID arbeiten Z.B. beim Bloganbieter “LiveJournal” kommt man mit der OpenID sofort auf ein neues Konto. AOL hat damit auch schon experimentiert, Microsoft will OpenID auch unterstützen und bei Videntiy.org kann man ein ganzes Profil eingeben und bekommt versprochen “Das letzte Registierungsformular das Sie je ausfüllen werden!”. Die Idee da hinter: Über offene Formate können Kontaktdaten auch zwischen Xing, StudiVZ, MySpace und Facebook ausgetauscht werden. Mmmmh, o.k., das könnte noch ein wenig dauern.
Auch schön: Um die Softwaregemeinde zu aktivieren, haben die Betreiber einen Geldpreis für die besten OpenID-Implementierungen ausgelobt und wünschen sich ausdrücklich, dass WordPress, Joomla & Co integriert werden. Für WordPress habe ich schon ein Plugin gefunden, aber noch nicht ausprobiert…
Sieht doch alles ganz gut aus – oder? Ob OpenID nun mein digitales Identitätsproblem löst, weiß ich auch nicht. Und ich bin mir auch sicher, dass der eine oder andere Kunde von mir gar nicht so davon begeistert ist, KEINE Daten mehr von den Usern zu bekommen. Aber ich denke, das ist definitiv der richtige Weg – und werde das weiter beobachten.
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