Online-Star: macht euch das nicht Angst?

by Eric Kubitz on November 13, 2009

in Internet

online-starPuh, vermutlich ist zum Online-Star schon alles geschrieben, was man so schreiben kann, ich bin etwas spät dran. Aber gestern im Flugzeug habe ich mir die Gewinner des Publikumpreises in einer Übersicht angeschaut – und bin wirklich verblüfft.

DAS würde mir als Verleger viel mehr Sorgen machen als eine Suchmaschine, die Traffic zu mir bringt…

Als nette Geschichtsforschung empfehle ich auch die Wikipedia-Seite zum Online-Star. Hier findet ihr alle Ergebnisse seit 2004. Hier ist auch zu sehen, dass die Ergebnisse in diesem Jahr nicht viel anders als in den fünf Jahren davor waren.

Schauen wir mal von ein paar Ausrutschern hab, bei denen Communities ihre User offenbar gut motivieren konnten und sich so auf gute Plätze haben tragen lassen. Hierfür haben technobase.fm und hardbase.fm meinen vollen Respekt – die haben sich in “Social Communities” und “TV, Radio und Musik” vor die Dickschiffe “facebook.de” und “prosieben.de” geschoben.

Und drücken wir auch ein Auge bei ewas merkwürdigen Gewinnern zu. Der Platz 1 unter “Portal” heißt Google.de und der beliebteste “Weblog” ist twitter.com. Das ist irgendwie Unfug – aber woanders hätten die beiden ja auch nicht rein gepasst.

Nein, liebe Freunde des qualitativ hochwertigen Verlagsgeschäfts, schaut auf “Auto, Motor, Verkehr”, “Geld und Karriere”, “Mode und Lifestyle”, “Sport” und vor allem auf “News und Informationen”!

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Alles klar? Läuft es euch da nicht kalt den Rücken runter? In den vergangenen Jahren war auch der Spiegel bei “Wissen, News und Informationen” mal auf Platz 1. Ist weg. Bei Mode und Lifestyle war seit Einführung dieser Kategorie Otto schon immer auf Platz 1. Otto? Bei Lifestyle? Und Quelle auf Platz 2?

Statt eine Suchmaschine um Sponsoring anzugehen, würde ich mir als Verleger darüber Gedanken machen, wer im Internet erfolgreiche Inhalte herstellt – also mit beiden Beinen in meinem Markt steht. Und ganz offensichtlich sind das der ADAC, Immonet, Otto, bundesliga.de und die Wikipedia. Es gibt nur eine Ausnahme  – in der Kategorie “Computer und Technik” wo mit Chip.de ein journalistisches Angebot auf dem ersten Platz ist. Aber ansonsten mag der Internet-User offenbar lieber die Shops und Verbände als die Qualitäts-Info-Anbieter!

Und so wenig man den Online-Star auch beachten mag, dies ist ein Problem, das nicht nur durch dessen Ranking offenbar wird: In der Herstellung von attraktiven Inhalten im Internet haben sich leider die abhängen lassen, deren Stärke das doch eigentlich sein sollte.

Nun, man könnte sich natürlich damit rausreden, dass das Internet nur was für Blöde ist und sich auch weiterhin mehr auf das Bedrucken von Papier konzentrieren. Mir persönlich wäre es aber lieber, wenn in diesen Kategorien unabhängige Qualitätsangebote siegen. Und jammert jetzt nicht, das das nicht bezahlbar wäre. CHIP online arbeitet schließlich auch profitabel…

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{ 1 comment }

facebook-761166940 November 13, 2009 um 1:35 pm

Mich wundert das nicht: keiner der Gewinner ist von Online-Werbung abhängig, ganz im Unterschied zu den “Medien”. Chip als “Fachmagazin fürs Internet” sozusagen taugt nicht als Vergleich.

Und so lange ein einsilbiger User-Kommentar auf Facebook oder StudiVZ durch die bloße Masse deutlich mehr Umsatz bringt wie ein Klick auf einen aufwendig recherchierten Artikel eines nicht ganz so reichweitenstarken Medienangebots haben wir ein Problem, um nicht zu sagen: eine ernsthafte Krise in der Medienlandschaft. Kaum ein redaktionell betreutes Online-Magazin wirtschaftet doch derzeit gewinnbringend und ich befürchte, das wird sich im kommenden Jahr noch verschärfen.

Manche Special Interest Magazine verweigern sich ja inzwischen komplett dem Internet, weil sie mit Print immer noch ein vielfaches an Umsatz machen und das nicht durch ein kostenloses Online-Angebot, das nichts abwirft, untergraben wollen. Traurig, aber wahr.

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