Medientage München: Verlage setzen auf Suchmaschinenoptimierung!
Die Überschrift mag verwirren, aber sie ist eines meiner Takeaways von den Medientage München, die derzeit stattfinden. Und das hat nicht irgendjemand auf einem Panel gesagt - sondern das ist Teil einer Studie, die der VDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger) mit der Beratungsagentur KPMG über die Geschäftsmodelle der Verleger in Deutschland vorgestellt haben.

Aber dazu später. Ich will noch ein paar andere Gedankenfetzen, die ich vom Kongress mitgenommen habe, los werden. Die Medientage sind ein Feld auf dem Fernsehsender, Radiostationen, Verlage und Internet-Anbieter ihre Territorialkämpfe austragen. Und zwar teilweise recht ungeniert. Es gibt immer nur dann ein “Wir” wenn ein Vertreter von Google mit auf der Bühne sitzt. Dann wird das lustig. Denn dann hat man den Eindruck, dass die Vertreter der Medienbranche zusammenrücken und wie Kaninchen auf den Suchgiganten schauen. Kunststück, eine Zahl: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 2,9 Milliarden Euro in Internet-Werbung umgesetzt, davon 1,48 in Werbebanner. Google hat im gleichen Zeitraum 1,75 Milliarden Dollar Werbeerlöse an seine Partner weltweit ausgeschüttet. Mit anderen Worten: Google könnte die ganze Internet-Wirtschaft hierzulande fast alleine bezahlen.
Ja, da habe ich Äpfel mit Birnen verglichen - aber ich darf das. Oder?
Ich beschäftige mich schließlich auch mit Suchmaschinenoptimierung. Und das ist Bäh, habe ich heute auf dem Mediengipfel von, sagen wir mal, erfahrenen Leuten gehört. Z.B. Helmut Markwort, Cheffe von Focus, teilte bei der Eröffnungstalkrunde der staunenden Menge mit, “dass es jetzt sogar schon Leute gibt, die sich damit beschäftigen, wie man Seiten in den Suchergebnissen nach oben bringt” (oder so ähnlich), hat er gesagt. Na ja, und ich habe gehört, dass es Leute gibt, die mit Grossisten darüber verhandeln, Zeitschriften in den Kiosken eher an der Kasse als im hintersten Eck zu platzieren. Die sind doch auch nicht Bäh, oder?
Na gut, ist halt ein neues Ding, dieses Internet. Was es da alles gibt…
Jetzt schlenkere ich noch mal kurz über einige Fakten aus der o.g. Studie, die ich sehr spannend finde. Ein Takeaway daraus ist, dass die Verlage schon gar nicht mehr davon ausgehen, in ihrem Stammgeschäft ein Wachstum hinzubekommen. Die Wachstumsraten sehen sie im Internet und in sonstigen Geschäftsfeldern (SZ-Bibilothek u.s.w.). Allerdings trägt das Web erst mit 5,4 Prozent zum Umsatz bei. Das müsste dann schon ziemlich rocken, um Verluste beim Anzeigenverkauf oder Vertrieb wieder gut zu machen.
Interessant finde ich auch die Wahrnehmung von “Mobile”. Das rockt überhaupt nicht, gar nicht. Praktisch keine Umsätze (0,4 %) wurden gemacht - und man rechnet auch nicht mit viel mehr. Der Umsatz mit Online-Videowerbung wird dagegen als Zukunftschance gesehen (im ersten Halbjahr 2008 um 402 % zum Vorjahr gestiegen!) - deshalb planen 40 % der befragten Verlage einen Ausbau dieses Angebotes aus. An dieser Stelle meinen Glückwunsch an die Hersteller von Videotechnolgie. Ach ja: Paid Content machen zwar viele - aber mit wenig Umsatz. gerade mal 9 Prozent des Online-Umsatzes kommt aus dem Verkauf von Inhalten. Online heißt derzeit vor allem Werbebanner mit über 40 %.
So, aber worauf setzen die Verlage in der Zukunft wenn es um Reichweitengenerierung geht?
69,4 % von ihnen setzen auf Suchmaschinenoptimierung 22,2 % planen es. Der Rest, weiß ich auch nicht, saß vermutlich auf dem Podium der Eröffnungsveranstaltung. Etwas häufiger wird nur noch das “Offlinemarketing” betrieben, weniger dagegen “Onlinemarketing”.
Was sonst? Von Communities wurde irgendwie nicht mehr so viel geredet, und Kannibalisierung scheint auch kein Thema mehr zu sein. Eines der größten Probleme in den Verlagen ist wohl der Mangel an guten Technikern. Man riet sich gegenseitig, eigene Technik-Kompentenz aufzubauen. Wie ich finde, mit Recht.
Und das allerallerallerallerallergrößte Problem ist die Auseinandersetzung zwischen den Print-Verlagen und den Öffentlich Rechtlichen Sendestationen. Darüber müsst ihr euch aber leider woanders informieren. Ich kann diesem Thema nicht ganz folgen. Es ist wohl wichtig, das gebe ich zu. Aber der Krieg zwischen Konzernen und Staatsbetrieben macht mich als Freiberufler irgendwie ratlos. Denn auf beiden Seiten wird hervorragender Inhalt produziert. Und statt sich gegenseitig Protestnoten und Anwälte ins Haus zu schicken, könnte man gemeinsam für mehr Qualität im Internet arbeiten. Und wenn man dann noch Google weniger als Bedrohung sondern als den Gatekeeper für miesen Contentmüll im Internet sehen könnte… Ja, dann hätten die eigentlichen Badboys im Internet, mit ihren Blödmacher-Seiten, eine harte Zeit vor sich.
Na gut, dann bräuchte man auch keine Suchmaschinenoptimierer mehr…

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