Im vergangenen Jahr hat Google mit der New York Times und der Washington Post gemeinsam an einem Projekt gearbeitet, von meiner Meinung nach der Online-Journalismus profitieren könnte. Das Projekt “Living Stories” wurde hierbei zu einem Open Source Projekt, aber liegt seit diese Februar – von außen gesehen – auf Eis. Ein guter Zeitpunkt, in Ruhe darüber nachzudenken – zumal ich in der vergangenen Woche mehrfach verblüfft ware, wer alles bisher noch nicht auf die Living Stories geblickt hat…
Problem: Das Internet ist News-Kanal aber auch Archiv
Hier wurde von der Suchmaschine und den beteiligten US-Verlegern darüber nachgedacht, wie man im multimedialen Internet solchen inhaltlichen Dauerblockbustern wie “Gesundheitsreform”, “Klimawandel”, “Koalitions Streit” u.s.w. weiter umgehen kann.
Denn hierüber gibt es täglich viel zu berichten – allerdings ist ein journalistisches Magazin im Web einfach unterfordert, wenn man es nur als Newsschleuder betrachtet. Schließlich gibt es zum Klimawandel Grafiken, die auch in zwei Monaten wichtig sein können, bei der Gesundheitsreform werden wir gerne mal in sechs Monaten recherchieren wollen, was der Gesundheitsmisiter gestern dazu gesagt hat und ohne eine vernünftige Übersicht werden wir niemals verstehen, wer beim Koalitions Streit wann das Wort erhoben hat. DAS alles wissen die Online-Magazine – aber sie sagen es uns nicht sondern schieben uns nur News vor die Nase.
Mit einer “Living Story” wird auch ein aktuelles Medium dieser Informationsflut – zumindest in der Theorie – Herr und kann uns sowohl sehr aktuell als auch sehr tief informieren und uns immer wieder auf die Seite holen. Living Stories á la Google sehen so aus:

Alle Inhalte werden sauber strukturiert – und sauber zugeordnet
Die Idee dahinter: Mit einer solchen Darstellung wäre ganze Geschichte zu einem Thema immer an einem Platz (also unter einen URL mit den jeweils aktuellen Inhalten). Hier findet sich für Einsteiger eine kleine Zusammenfassung (grüner Bereich oben) und die die aktuellsten Geschichten finden sich in dem Content-Bereich im Blickfeld (also im von mir grau gekennzeichneten Bereich). Interessant hierbei, die Usability von Google: die Navigation oder die Übersicht geht niemals verloren. Man muss sich ein wenig daran gewöhnen, aber das Eintauchen in die Themen geht eigentlich recht natürlich.
In der Living Stories Navigation links vom Contentbereich (blau gekennzeichnet) werden unterschiedliche Kategorien von Inhalten herein gefiltert. Man könnte fast meinen, das war die Vorlage für die vor wenigen Wochen eingeführte Filterfunktion auf der rechten Seite der SERPS (siehe Bild).
Sehenswert hierbei sind aber die inhaltlichen Dimensionen, die Beiträge bei Google annehmen können. So gibt es:
- Events
- Geschichten
- beteiligte,Personen
- Hintergrund
- Bilder
- Videos
- Audio
- Grafiken
- Quellen
- Dokumente
- Zitate
- Fakten
- Reaktionen.
Diese Beitragskategorien jedenfalls werden von einem Google-Script installiert, wenn man versucht, mit der Blogsoftware WordPress den freien Code von Living Stories zu installieren. Perfekt ist das nicht, aber ist es möglicherweise die Klassifizierung, die Google beim Einordnen von Inhalten vornimmt? In jedem Fall sind sie überdenkenswsert, denn es sind nun mal die inhaltliche Dimensionen, die zwischen Google, der New York Times und der Washington Post ausgehandelt wurden.
Ach ja, Schließlich gibt es noch eine Zeitleiste (blau markiert) auf der die Updates Daten zugeordnet werden können.
Den User immer wieder zurück holen…
Hinzu kommen auch noch zwei Zusatzfunktionen, die auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen:
Es gibt eine Suchfunktion innherhalb einer “Living Story” und zukünftige Aktualisierungen können per RSS-Feed aber auch per E-Mail Alert verfolgt werden. Beides eigentlich recht einleuchtende Funktionen, um den Nutzer an die eigenen Inhalte zu binden.
Über das Layout und die Nachlade-Funktionen kann aber muss man sich nicht streiten. Denn das sieht nach Schnellschuss aus. Ich möchte auch – ehrlich gesagt – nicht erleben, wie Beiträge bei Google selbst völlig untergehen, wenn sie durch diesen wilden Einsatz von AJAX und Layern dargestellt werden. Das könnte man schon besser machen – aber die inhaltlichen Ideen sollten sich auch deutsche Verleger mal durch den Kopf gehen lassen.
Fazit: nicht perfekt, aber sehr überdenkensert
Ja, das Konzept der Living Stories entspricht nicht der hierzulande sehr gut geübten, mittlerweile aber ein bisschen austauschbaren Art und Weise, wie Spiegel, Focus, Welt & Co mit ihren schnellen Newsthemen umgehen. Das Konzept ist eine inhaltliche und technische Herausforderung. Aber möglicherweise sollten sich Verleger hin und wider einer solchen stellen…
Zum Schluss noch ein Video, mit dem Google das Projekt selber vorgestellt hat:
Könnte passen: