Gute Auswahl: Grimme Online Award 2006
Der Grimmepreis. Das Höchste, was einem Medienschaffenden heutzutage verliehen werden kann. Seit 2001 gibt es auch den “Grimme Online Award”. Der wird von einer unabhängige Jury an herausragende Webseiten verliehen. Das Institut sagt selber darüber selbstbewußt: “Der Grimme Online Award versteht sich als jährliche Definition von Qualität im Netz. Durch seine Auszeichnungen will er zeigen, wie das Internet für herausragende publizistische Angebote einem hochwertigen Qualitätsanspruch gerecht werden kann.”
Gut, Qualität im Internet also. Und wie sieht die laut Grimme aus?
Seit 2. Juni wissen wir Bescheid:
In der Kategorie “Information” ging der Preis an „iRights.info“, ein wirklich klasse Angebot zur komplexen Rechtslage in der digitalen Welt und an die die Jugendwebsite der Süddeutschen Zeitung, „jetzt.de“. Begründung für die Jetzt-Verleihung: „Ihre redaktionelle Qualität, die verbunden ist mit ihrer kommunikativen Öffnung und dem hohen Beteiligungsgrad ihrer jugendlichen Nutzer, sowie die funktionale Gestaltung“. Mmmmhhh, alles klar?
Je einen Preis in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ vergab die Jury an den inzwischen prominenten Newcomer „Ehrensenf“ mit lovely Katrin sowie die nachnominierte „Riesenmaschine“, ein kollaboratives Weblog zum Thema „Fortschritt“, dessen Texten die Jury „teils akrobatische Virtuosität“ bei „klassischer journalistischer Qualität“ zuschreibt. Nun, Ehrensenf ist (wie schon hier geschrieben) wirklich toll. Die Begründung für die Riesenmaschine habe ich nicht kapiert, genausowenig wie den teils verschwurbelten Stil dieses Blogs. Aber die Begründug der Jury für Ehrensenf hat mir gut gefallen: “Die Jury stimmte überein, dass hier (wieder einmal) der Beweis erbracht wird, dass nicht Geld, sondern Einfallsreichtum über Qualität im Internet entscheidet.”
In der Kategorie „Wissen und Bildung“ zeichnete die Jury neben der Kinderwebsite „Blinde Kuh“ auch „Worldtrip.tv“ aus, eine interaktive Reisereportage, die mit Audio-Fotostrecken und Videoreportagen einen Trip von Berlin nach Istanbul nachzeichnet. Letztere, Hurra!, ist ein nettes Mashup aus Google-APIs, Text, Ton und Fotos. Schön gemacht.
Was noch? Den Sonderpreis bekommt das Blog “Spreeblick” weil der „für den Bereich der deutschsprachigen Weblogs zeigt, wozu das Genre im besten Fall fähig ist.“ Oha. Und Ehrensenf bekommt auch noch den Intel-Publikumspreis, für den Internetutzer stimmen konnten.
So, was mich persönlich an den Preisträngern freut, ist dass die tatsächlich auf der Höhe der Zeit sind. Keine fetten Medien-Angebote (Ehrensenf hat das Gerücht gestreut, dass jede Ihrer Folgen mit Produktionskosten von 50 Euro auskommt…) - aber dafür eine virtuose Nutzung der im Internet vorhandenen Möglichkeiten von Weblog über Google-Maps-API bis hin zum eigens fürs Internet produzierten Videofilmchen. Eine so gute Auswahl hätte ich den Grimmes irgendwie nicht zugetraut. Aber wer will denn schon meine Meinung hören?
Geben wir lieber Friedrich Hagedorn das Schlussowrt, dem verantwortlichen Referent für den Grimme Online Award im Adolf-Grimme-Institut: „Immer mehr Websites binden neue Formen wie Podcasts, Blogs und Bewegtbilder ein, oft als begleitende Angebote und nicht im Zentrum. Die Preisträger des Grimme Online Award 2006 bieten ihren Usern inhaltliche Qualität auf höchstem Niveau, gleichzeitig aber auch eine angenehme Art der Nutzung, unterhaltsam und ergänzt durch zusätzliche Angebote zur multimedialen Interaktion.“

3 Responses to “Gute Auswahl: Grimme Online Award 2006”
By ralf on Jun 8, 2006
Hallo Eric
lesen sich gut Deine News. Zumindest über meinen Reader (Bloglines) sind die Verlinkungen auf die Grimme-Preisträger aber leider kaputt.
Gruss
Ralf
By eric42 on Jun 8, 2006
Hallo Ralf,
danke für den Hinweis. Weiß auch nicht, warum ich das da verschnurbelt hatte - aber jetzt passen die Links!
eric