Heute meldet der VDZ, dass “fast flip” von Google möglicherweise ein Umdenken bei Google sei und eine Kehrtwende einleiten könnte. Das hört sich schon fast versöhnlich an, das freut mich. Doch ich muss sagen, dass dies eine Kehrtwende wäre, die voll auf einen Holzweg führt (oder ich habe fast flip völlig falsch verstanden).
Erstmal, ganz kurz: Was IST fast flip eigentlich? Eine Webseite, auf der Beitragsseiten von derzeit 50 US-Verlagswebsites angezeigt werden. Und zwar mit allem Drum und Dran – also Randspalte, Header, Logo u.s.w.. Diese Seiten werden offensichtlich bei Google gespeichert und von Google-Servern ausgeliefert – deshalb können sie superschnell angezeigt werden. Das ist notwendig, damit man schnell durchklicken kann. Daher der Name “fast flip”.
Und warum mag das der VDZ fast flip so gerne? Nun, weil Google angekündigt hat, dass man die Verleger an den Erlösen von fast flip beteiligen könnte. Also im Gegensatz zu Google News würden dann neben den Seiten Anzeigen geschaltet werden und davon würden die Verleger einen Anteil erhalten.
Ich behaupte nun aber, dass Verlagsseiten mit fast flip schlechter fahren als mit Google News!
Wie komme ich darauf? Was liefern die Verleger denn an Google News? Die Überschriften, den Vorspann und einen Links auf ihre Seite. Was liefern sie an fast flip? Die ganze Seite!
Google News: Interessiert sich ein Google-News-Leser für eine Überschrift von Zeit Online, klickt er auf den Link und besucht die Webseite von Zeit Online. Jetzt klingelt dort die Kasse – denn auf der Seite sind Werbeeinblendungen eingebaut. Und die Zeit Online hat eine reale Chance, den so requirierten Lesen tiefer in die eigene Webseite zu führen.
fast flip: Interessiert sich ein Leser für einen Artikel der Businessweek auf Fastflip, dann liest er sich diesen durch. Fertig. Das geht schnell und einfach und die Businessweek musste kein Kilobyte Daten ausliefern – allerdings auch keine Werbung (DAS macht ja Google auf dem fast-flip-Rahmen, die Beitragsseiten selber sind werbefrei…). Hat er fertig gelesen, klickt er zum nächsten Artikel auf fast flip und vergisst die Businessweek vorerst… Er könnte natürlich auch auf die Verlegerseite gehen – aber wenn man damit kalkuliert, macht das ohnehin alles keinen Sinn.
Also, nur für diese Verleger lohnt sich fast flip mehr als Google News:
- Verleger mit schlechten Inhalten bzw. Überschriften und Vorspännen. Verleger, die nicht glauben, dass sich die Leute für ihre Artikel interessieren. Äh, schließen wir das mal aus.
- Verleger, die ihre Seite entweder gar nicht oder grottenschlecht vermarkten. Denn nur dann ist ein Anteil an der fast-flip-Vermarktung mehr wert als die eigenen Banner.
- Verleger, die User nicht mit anderen Themen weiter in seine Seite locken wollen oder können. Schließen wir das auch mal aus.
Mit anderen Worten: Nur wer glaubt, dass die Vermarktung von Google sehr viel besser ist als die eigene und wer die Hoffnung aufgegeben hat, mit den Online-Usern selber umgehen zu können, könnte fast flip als große Lösung für den Vertrieb der eigenen Online-Inhalte ansehen.
Außerdem finde ich die Optik von fast flip ziemlich schlecht. Hier werde ich beim Auswählen und Lesen von News von den Logos, Headern und Randspalten der sehr unterschiedlichen Webseiten abgelenkt und muss nach den Überschriften wirklich suchen. Das ist meiner Meinung extrem verwirrend und kommt nur deshalb bei Verlegern so gut an, weil es ein wenig aussieht wie eines dieser fürchterlichen Magazin-Durchblätter-Flash-Dingern, mit denen man glaubt, Printlayout irgendwie nach online transportieren zu können.
Und so muss ich sagen: Selbstverständlich wäre es bei einer Einführung von fast flip in Deutschland wichtig und nützlich, dabei zu sein. Aber ich fände es cleverer, wenn die Verleger noch stärker all die Chancen positiv nutzen, die Google ihnen schon jetzt bietet.