Ihr werdet mich nun als “merkwürdig” einstufen. Ich möchte hier gerne den chinesischen Kaser Taizong zitieren wie er im Jahre 641 n.Chr. seine zwei Töchter verabschiedet. Eine von ihnen ist die Prinzessin Wencheng, die später die “Weiße Tara” bekannt wurde. Taizong musste das damals noch sehr junge Mädchen mit dem tibetischen König Songtsen Gampo vermählen – und konnte nicht erwarten, sie jemals wieder zu sehen. Deshalb packte er alle guten Vorsätze und Ratschläge in diese Worte. Mir erscheint das alles sehr weise und deshalb zitierenswert:
“Bemüht euch vor allem gerecht zu sein, seid aber auch gut, beherrscht vor allem Euch selbst. Wer vollendete Herrschaft über seine Leidenschaften erlangt hat, der wird mit leichter Hand über die Herzen seiner Untertanen herrschen. Euer gutes Beispiel wird sie mehr als alle Lehren zur Erfüllung ihrer Pflichten antreiben.
Straft selten und mit Mäßigung. Teilt aber Wohltaten mit voller Hand aus. Verschiebt nie die Erfüllung einer Gnade auf den nächsten Tag, wohl aber die Ausführung einer Strafe oder eines Tadels.
Nehmt euch ein Beispiel an den großen Kaisern oder an guten Menschen, wie eurer verehrungswürdigen Mutter, die Euch in der Erziehung alles mitgegeben hat. Mich dürft Ihr nicht zum Vorbild nehmen, denn der gute Ruf, dessen ich mich erfreue, dürfte leicht auf einer Täuschung beruhen.
Hört dort, wo ihr hinkommt, erst einmal hin, beobachtet, bildet Euch eine Meinung, aber seid zurückhaltend. Seit niemals hochmütig Eurem Volk gegenüber. Siebt das Nutzlose aus Eurer eigenen Kultur aus und übernehmt das Sinnvolle der neuen Kultur. Dann werden Euch die Menschen in Eurer neuen Heimat achten, und Ihr könnt nützliche Helferinnen und Beraterinnen Eurer Ehemänner werden.
Erzieht Euch wie Kongzi es empfahl: ‘Wer wirklich gütig ist, kann nie unglücklich sein; wer wirklich weise ist, kann nie verwirrt werden; wer wirklich tapfer ist, fürchtet sich nie.’”
(Aus: “Die weiße Tara” von Monika Gräfin von Borries”)
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